Hotline Miami 2 Test: Die Maskenträger morden wieder!

Dominic Stetschnig 1

Die Maskenträger morden wieder. Und Dominic ist überzeugt davon, dass auch der Nachfolger zum Indie-Hit wieder mörderischen Spaß macht. Doch hält sich diese Überzeugung auch bis zum tödlichen Ende? Im Test zu Hotline Miami 2: Wrong Number erfahrt ihr es!

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Test - Hotline Miami 2: Wrong Number

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Spiele, in denen du in Wahrheit der Bösewicht bist

Dieses Spiel geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Morgens, wenn ich aufstehe. Beim Mittagessen. Unter der Dusche. Muss ich mir Sorgen machen? Immerhin kann man von Hotline Miami 2 nicht gerade behaupten, dass es frei von gewaltpornographischen Inhalten sei. Und dennoch juckt es mich in diesem Moment im Zeigefinger. Fuck. Immer wieder. Immer wieder. Immer wieder. Klick. Klick. Schuss. Blut. „R“. Klick. Tod. „R“. Keine Panik, weder gesunder Menschenverstand noch soziale Empathie haben bei mir versagt, aber dieses Spiel hypnotisiert auf eine dermaßen faszinierende Art und Weise – und ist dennoch nicht ganz ohne Makel.

All Killer, no Filler

Da ist er also. Der Nachfolger zum 2012 hochgelobten Hotline Miami. Dem Spiel, bei dem sich Brutalo-Action-Fetischisten und Artsy-Fartsy-Indie-Gamer endlich mal einig waren. Am grundlegenden Spielprinzip hat sich nichts geändert. Aus der Top-Down-Perspektive mordet sich der Spieler effektreich durch gesichtslose Gegnermassen. Ausgemalt von Retro-Pixeloptik, untermalt mit allerfeinstem Synthie Sound, verschmilzt der Spieler mit seinem Fadenkreuz. Der rechte Zeigefinger auf der Maus tötet, der linke Zeigefinger auf dem „R“ belebt wieder. Wo sind sie also, die Neuerungen? Nun, zunächst ereilt Hotline Miami 2 jenes Schicksal, das typisch für einen kleinen Überraschungserfolg ist. Ähnlich wie bei Portal 2 musste plötzlich alles größer, tiefgründiger, abwechslungsreicher sein. Dies spiegelt sich zunächst in der Pulp-Ficton-esquen Erzählweise wider. Wrong Number ist wesentlich dialogreicher als sein Vorgänger und spielt in nicht linearen, unterschiedlichen Handlungsebenen. Dies hat zur Folge, dass ihr nun nicht mehr am Anfang der Levels euren Charakter in Form der mittlerweile ikonischen Tiermasken auswählen könnt, sondern auf eine vorgegebene Einzelperson bzw. auch eine Gruppe aus fünf „Freunden“ zurückgreifen müsst.

Hartes Blut

Zwei Dinge sind mir aufgefallen, die sich spielerisch stark vom Vorgänger abheben. Zum einen wurde nochmal heftig an der Gewaltschraube gedreht. Um Himmels Willen, ja, es sind nur Pixel. Aber verfickt noch eins, so viel Blut und Gedärme überall. Das Spiel versetzt mich in einen Gameplay-Rausch, den ich bis dato nur von kurzlebigen Endlos-Runnern kannte. Doch von kurzlebig kann bei Hotline Miami 2 keine Rede sein. Das Spiel ist umfangreich, wesentlich umfangreicher als sein Vorgänger. Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb die Spielzeit deutlich höher ausfällt als noch beim letzten Teil. Wo wir zu meinem zweiten Punkt kommen: Es ist schwer. Es ist sauschwer. Es ist „schrei-laut-verdammte-Schimpfwörter-durch-die-Redaktion-so-dass-deine-Kollegen-Angst-vor-dir-bekommen“ schwer.

Das Feedback, dass ich für diese Aussage bekomme, ist relativ unterschiedlich. Freunde von mir behaupten, dass sich der Schwierigkeitsgrad im Vergleich zum Vorgänger vereinfacht hat. Faszinierend eigentlich, wie die Entwickler es hinbekommen haben, ohne Schwierigkeitsgrad-Auswahl ein dermaßen individuelles Herausforderungsgefühl zu kreieren. Vielleicht ist es aber auch meine unterbewusste Absicht, dass ich die „R“-Taste auf meiner Tastatur vergewaltige als hätte ich Tiermasken auf. Ich bekomme nämlich einfach nicht genug von dieser Musik.

Ein pumpender Soundtrack, wie die Luft zum Atmen

Ich feiere eine Party. Eine Monster-Party, auf der nur der Soundtrack von Hotline Miami 2 läuft. Dunkles Räume, durchbrochen von aufblitzenden Lichtern in sämtlichen Neon-Farben. Und meine Zeigefinger klicken mit. Die 80er-Jahre in Umbruchstimmung zu den 90ern, zu Synthie- gesellen sich Techno-Einlagen und dienen als Benzin für den Spieler. Sie treiben ihn an. Ach, was schreib ich, sie sind die permanente Lachgas-Einspritzung für die Person vor dem Bildschirm. Und schon wieder sind wir beim Thema „Hypnotischer Rausch“ angekommen. Dieser Flow ist es, der Hotline Miami ausmachte und der auch bei Hotline Miami 2 wieder für Einzigartigkeit sorgt. Unterbrochen wird dieser nur durch den levelweise Charakterbindung, die dem Spieler aufgezwungen wird. Das ist schade, da gerade die Maskierungen mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften das waren, was Hotline Miami ausgemacht und dessen Wiederspielwert für die Highscore-Jagd enorm erhöht hat. Doch bei all der Lobhudelei, die aus den Worten dieser Kritik hervorging - man muss sich dennoch vor Augen führen, dass Hotline Miami 2 tatsächlich eher „more of the same“ als ein wirklicher Nachfolger ist. Das hat bei Portal funktioniert, das funktioniert hier auch. Und dennoch bleibt noch Luft nach oben. Diese wird zum Teil durch den beigelegten und extrem simpel zu bedienenden Level-Editor ausgefüllt. Hier wird sich im Lauf der nächsten Wochen zeigen, wie die Kreativität der Community sich auf das Langzeitspielerlebnis auswirkt.

Das Urteil

Mit Hotline Miami 2: Wrong Number macht man beim besten Willen nichts falsch. Das Spielerlebnis ist in der Symbiose aus Gameplay, Design und Sound einzigartig und wird viele Spieler fesseln. Nicht jedoch alle Spieler. Der Eindruck der Eintönigkeit lässt sich einfach nicht abschütteln und die Einschränkungen im Vergleich zum Vorgänger sind derart einschneidend, dass man eigentlich nur noch „schade“ dazu sagen kann. Von dem her bleibt dem Spiel das „Must-have“-Prädikat verwehrt, es begnügt sich mit der Umschreibung „Nice-to-play“.

Zur Wertungsphilosophie von GIGA Games*

Zum Test erhielten wir eine Version für den PC.

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