The Legend of Zelda: Darum sollte Link im nächsten Spiel zur Frau werden

Sebastian Moitzheim 13

Die interessanteste Neuerung, die Hyrule Warriors Legends dem Zelda-Franchise hinzufügte, ist die neue Figur Linkle. Warum das weibliche Pendant zum Serienheld Link im nächsten Zelda die Hauptrolle übernehmen sollte, sage ich euch in diesem Artikel.

Als Hyrule Warriors 2014 erschien, hätte ich nicht gedacht, dass ich es einmal als wichtig für das Zelda-Franchise bezeichnen würde. Ich hatte es als unterhaltsames, aber vergessenswertes Spinoff abgeheftet, das in erster Linie die Funktion hatte, uns die Wartezeit bis zum nächsten „richtigen“ Zelda zu versüßen.

Kürzlich ist jedoch der 3DS-Port erschienen, der neben einigen anderen Neuerungen eine neue Figur einführt: Linkle heißt die Figur, die als „weiblicher Link“ bekannt wurde. Sie ist der Grund, warum ich meine Einschätzung von Hyrule Warriors überdenken musste.

Linkle Hyrule Warriors

Linkles Existenz signalisiert für mich, dass die vielen spielbaren weiblichen Charaktere in Hyrule Warriors auf positive Resonanz gestoßen sind, und dass Nintendo und Hyrule Warriors-Entwickler Koei Tecmo dies gemerkt haben. Nintendo scheint endlich bewusst zu werden, dass die Zeiten, in denen weibliche Charaktere nur damsels in distress, zu rettende Prinzessinnen sein können, vorbei sind – gerade für ein Franchise, das nach einer weiblichen Figur benannt ist.

Bilderstrecke starten(23 Bilder)
Diese Wii U-Spiele könnten am ehesten auf Nintendo Switch erscheinen

Und es ist besonders erfreulich, dass Linkle im Spiel auf eine Weise eingeführt und charakterisiert wird, die sie zu mehr macht als nur einem „weiblichen Link“. Ja, ich bin der Meinung, dass einige Entscheidungen, die Koei Tecmo in Bezug auf Linkle getroffen hat, sie zu einer besseren Protagonistin des nächsten Zeldas machen würden. Damit meine ich nicht, dass es einfach an der Zeit ist, eine weibliche Zelda-Protagonistin zu sehen. Auch das stimmt, aber ich glaube auch, dass das nächste Zelda, fernab von sogenannter „politischer Korrektheit“, mit Linkle in der Hauptrolle ein besseres Spiel werden könnte. Hier sind drei Gründe, warum ich das glaube:

1. Die Kämpfe wären interessanter

Viele Aspekte von The Legend of Zelda: Ocarina of Time waren revolutionär. Das Kampfsystem gehörte dazu: Ähnlich, wie Super Mario 64 bis heute die Blaupause dafür ist, wie sich Spielfiguren in 3D-Platformern bewegen, waren die 3D-Schwertkämpfe von Ocarina of Time das Gerüst, auf dem über die Jahre viele andere Entwickler aufbauten. 3D-Schwertkämpfe haben sich weiterentwickelt – nur nicht in der Zelda-Reihe. Abgesehen von den ziemlich furchtbaren Motion Controls in Skyward Sword hat Nintendo keine Anstalten gemacht, das Kampfsystem zu verbessern – wer seit Ocarina of Time kein einziges Zelda gespielt hat, kann Twilight Princess HD starten und wird sich sofort in den Kämpfen zurecht finden.

In Zeiten von Dark Souls und The Witcher wirken die Kämpfe in Zelda-Games unterkomplex, fast langweilig. Nintendo könnte nun im kommenden Zelda NX endlich anfangen, die Schwertkämpfe weiterzuentwickeln – aber dann würden sie anderen Entwicklern hinterhereifern. Besser wäre, komplett neu anzufangen, und Linkle böte dafür die perfekte Gelegenheit. So sieht es aus, wenn Linkle in Hyrule Warriors das Schlachtfeld betritt:

Es ist etwas völlig anderes als so ziemlich alles, was wir bisher in vergleichbaren Spielen – Spiele, die ein vage mittelalterlich anmutendes Fantasy-Setting haben – gesehen haben. Näher an dem „Gung Fu“ aus dem Film John Wick als an klassischen Fantasy-Kämpfen. Linkle als Spielfigur einzusetzen, würde Nintendo zwingen, Kämpfe in Zelda komplett zu denken – so wie zuletzt der Übergang von 2D zu 3D.

Außerdem ist Linkles Art zu kämpfen einfach badass und ich will mehr davon - ihre Armbrüste sind magische Maschinengewehre! Wenn sie schon nicht Protagonistin des nächsten Zelda-Spiels wird, soll sie wenigstens ihr eigenes Beat’em Up-Franchise bekommen, eine Art Bayonetta im Zelda-Universum.

2. Linkle spricht

Ich weiß nicht, wer irgendwann die Entscheidung getroffen hat, dass Nintendo-Protagonisten niemals ein Wort sagen dürfen, und ich weiß nicht, warum er oder sie das getan hat. Aber ich weiß, dass die Ergebnisse dieser Entscheidung mittlerweile nur noch albern sind.

Das Original-The Legend of Zelda musste mit den Kapazitäten des NES arbeiten und setzte daher ohnehin stark auf die Fantasie des Spielers, um den Eindruck einer epischen Geschichte zu erwecken. In einem solchen Spiel störte es nicht, aber über die Jahre sind Zelda-Spiele aufwendiger geworden und wollen nun Geschichten erzählen, die mit modernen RPGs und Adventures mithalten können. Und in solchen Geschichten stört es, wenn die Hauptfigur nur mit Gesten und Gesichtsausdrücken reagieren kann, als wäre sie eine Figur in einem Stummfilm (und wenn andere Charaktere auf ein Kopfnicken von Link reagieren, als hätte er seine Lebensgeschichte erzählt, muss ich immer an Lassie denken - wo das Bellen eines Hundes als „Hilfe, Timmy ist in den Brunnen gefallen!“ gedeutet wird).

Linkle Hyrule Warriors

Wieviel interessanter, wieviel witziger wäre die Beziehung zwischen Link und Midna in Twilight Princess gewesen, wenn Link Midna verbal Kontra gegeben hätte? Wieviel berührender der Abschied von Fi in Skyward Sword, hätte Link seine Gefühle in Worte fassen dürfen (oder wäre er daran gescheitert, im Kontrast zum Rest des Spiels?

Linkle spricht, und das ist einer der Gründe, warum ich über sie nach einer Storymission und ein paar freien Schlachten in Hyrule Warriors mehr weiß als nach meinen 20 Jahren mit Link. Was mich zum nächsten Punkt bringt…

3. Linkle ist ein echter Charakter

Ich habe eine Menge Zeit mit Link verbracht, viele Geschichten über ihn erlebt – und ich weiß noch immer nicht, wer Link ist. Er ist der auserwählte Held, der Frieden über Hyrule bringen soll – aber wie er dazu steht, ob er dieser Held sein will oder nicht, ob er darunter leidet oder stolz darauf ist, weiß ich nicht, weil er seine Aufgabe mit derselben stummen Gleichgültigkeit hinnimmt wie alles, was ihm passiert.

Über Linkle weiß ich, dass sie immer davon geträumt hat, der „legendäre Held“ zu sein, dass sie manchmal überstürzt handelt und dann gerne auch mal die falsche Richtung auf dem Weg zum Schloss von Hyrule nimmt, und dass sie stolz auf ihre Beiträge im Kampf ist. Das ist noch immer nicht viel, und man kann sicher mit den Augen rollen, wenn die weibliche Form von Link eine Rechts-Links-Schwäche hat. Man kann sich allerdings auch freuen, dass eine Figur, die leicht eine Repräsentation des „Mrs. Male Character“-Stereotyps hätte werden können, eine so klar definierte, von der männlichen „Vorlage“ unabhängige Identität hat. Und allein die wenigen Details, die wir über Linkles Geschichte und Persönlichkeit kennen - im Grunde allein die Tatsache, dass Nintendo zugelassen hat, dass ihre Persönlichkeit definiert wird -, geben Linkle mehr Potential als Hauptfigur einer epischen Story als es Link je hatte.

Linkle Hyrule Warriors

Man kann nun entgegnen, dass Links Stummheit und seine nicht vorhandene Persönlichkeit ein Vorteil sind, dass Nintendo diese Entscheidungen bewusst getroffen hat, da sich so jeder Spieler in der Geschichte wiederfinden kann (Ich glaube nicht, dass das stimmt, eher, dass Nintendo Angst hat, sich festzulegen). Allerdings kann sich dann eben auch nur jeder Spieler in den Zelda-Storys wiederfinden – nicht jede Spielerin oder jemand, der sich irgendwo dazwischen einordnen würde. Wäre es Nintendo ernst mit dem Bestreben, jedem die Möglichkeit zu geben, sich in Zelda-Spielen repräsentiert zu sehen, hätten die Spiele einen Character-Editor – oder zumindest die Möglichkeit, zwischen einer männlichen und einer weiblichen Figur zu wählen.

Was also letztlich nur ein weiteres Argument für Linkle wäre.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

* Werbung