Hyrule Warriors Test: Keine Legende

Thomas Goik

Hallo, geneigter Zelda-Fan! Du überlegst dir, „Hyrule Warriors“ für die Wii U zu holen und liest nun diesen Test, um zu erfahren, ob sich dieser Kauf lohnt? Schön. Du weißt aber, dass es sich hierbei nicht um einen klassischen Zelda-Titel handelt, oder? Hier gibt es keine Rätsel, keine Dungeons, keine große zusammenhängende Welt. Stattdessen ist „Hyrule Warriors“ ein Spin-Off und wird von Tecmo Koei entwickelt, den Machern der „Dynasty Warriors“-Reihe. Dementsprechend wird hier vor allem gemetzelt. Nur halt mit Charakteren aus der Zelda-Reihe. Klar soweit? Na dann kann’s ja losgehen.

Die Hauptzutat dieses Labor-Experiments von Nintendo ist der Legend-Modus, in dem ihr die Story des Spiels Karte für Karte durchspielt. „Hyrule Warriors“ erzählt dabei seine eigene Version der altbekannten Legende von Prinzessin Zelda, dem Helden der Zeit und der Bedrohung durch den Dämonen-König. In dieser Geschichte spielen zwei neue Charaktere eine große Rolle: Lana, die auf Seiten der Hylianer für das Königreich kämpft und Cia, die das Triforce sammelt, um mehr Macht zu erlangen und die sich via Portal-Magie aus verschiedenen Epochen dämonische Hilfe holt.

Hyrule Warriors

Ihr merkt sicher schon, dass hier erzählerisch keine neuen Akzente gesetzt werden. Stattdessen ist die Story mehr eine Entschuldigung dafür, alle möglichen Zelda-Charaktere aus diversen Zeitaltern zu rekrutieren. Dass hier keine spannende Geschichtsstunde auf die Spieler wartet wird spätestens dann klar, wenn um Shieks Identität ein großes Geheimnis gemacht wird. Da können „Ocarina of Time“-Veteranen einfach nur müde lächeln.

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Dynasty Was?

Wenn ihr – wie ich – mit den Spielen der Warriors-Reihe von Entwickler Tecmo Koei vor „Hyrule Warriors“ ähnlich wenig anfangen konntet, dann erlaubt mir, das Spielprinzip kurz zu erklären. Gekämpft wird auf großen Maps, auf denen diverse Festungen verteilt sind. Kämpft man gegen die Monster in einer Festung, erscheint nach kurzer Zeit der Festungs-Boss – hat man den erledigt, dann gehört die Festung den eigenen Truppen und fortan spawnen hier neue Einheiten. Die Story-Missionen geben vor, welche Charaktere auf welchen Karten verwendet werden können, es gibt aber auch einen Freien Modus, in dem jede Map mit jedem Kämpfer bestritten werden darf.

Kern der Spielerfahrung ist natürlich die wilde Metzelei, für die die „Warriors“-Reihe bekannt ist. So begegnen euch Hunderte von Feinden, die mit spektakulären Angriffen weggekloppt werden wollen. Auf jeder Karte werden euch spezielle Missionen zugeteilt, etwa bestimmte Festungen einzunehmen, eigene Einheiten zu beschützen oder die Kämpfer der Gegenseite zu besiegen. Ab und an begegnet euch sogar ein Bossgegner, der eine besondere Taktik erfordert. Die Spinne Gohma wird etwa erst angreifbar, wenn ihr ein Pfeil im Auge steckt – eine Vorgehensweise, die Zelda-Spielern bekannt vorkommen dürfte. Der Einsatz altbekannter Gegenstände wie Bogen, Bumerang und Enterhaken bringt ein wenig Abwechslung ins Geschehen, meist sind diese speziellen Waffen aber nur bei Bossgegnern und damit eher selten notwendig.

GIGA Gameplay: Hyrule Warriors (1 von 2).

Hier könnt ihr das gesamte GIGA Gameplay zu Hyrule Warriors anschauen!

Trotz all dieser verschiedenen Missionsziele, trotz großer Bossgegner und riesigen Wellen an Monstern lässt sich die Spiel-Erfahrung von „Hyrule Warriors“ auf ein sehr simples Konzept herunterbrechen. Denn egal ob ich gerade eine Festung einnehme, ob ich einen meiner Mitstreiter eskortiere oder ob ich ein Gebiet verteidige: Ich hämmere stets nur auf den Y und B-Knopf meines Wii U-Gamepads, um die immer gleichen Combos auszuführen.

Die sind dann zwar spektakulär und irgendetwas in mir freut sich auch jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn ich gerade mehrere Dutzend Gegner in einem Angriff quer durch die Map gemosht habe, aber nach etwa zwanzig Minuten der gleichen Combo-Abläufe ermüdet das Schlachtengetümmel dann doch. So wurde „Hyrule Warriors“ für mich zu einem Spiel für Zwischendurch, für die Viertelstunde, in der ich gerade richtig Lust darauf habe, mit meinen Lieblings-Charakteren der Zelda-Reihe Monstermassen zu verprügeln. Mehr dürft ihr von „Hyrule Warriors“ auch nicht erwarten.

Dabei versucht das Spiel durchaus ein wenig Tiefe aufzubauen. Während einer Schlacht sammelt ihr ständig Gegenstände ein, mit denen ihr die Waffen eurer Helden (und Bösewichte) verbessern könnt. Oder ihr investiert in neue Combos für Link, Midna und Co., um wenigstens ein bisschen mehr Abwechslung auf dem Schlachtfeld zu haben. Oft bekommt ihr dann allerdings Angriffe, die zwar toll animiert sind und optisch was hermachen, die dafür dann aber nicht annähernd so effektiv sind wie die B-B-Y-Combo, die ihr schon seit zwei Stunden quer durch Hyrule spammt. Hinzu kommen wenig motivierende Talent-Verbesserung à la „+10 Wasser-Resistenz“. Spannend.

Triforce der Macht

Spiele wie „Hyrule Warriors“ funktionieren vor allem aufgrund des Machtgefühls, das sie einem mit ihren wegfliegenden Gegnermassen vermitteln. Dieses Gefühl wird an manchen Stellen durch frustrierende Spielmechaniken gebrochen. Wenn mir etwa mitten im Kampf mitgeteilt wird, dass ich die Schlacht soeben verloren habe, aber gar nicht weiß, wieso. Tatsächlich wurde ich wenige Minuten zuvor gewarnt, dass meine Basis angegriffen wird. Das habe ich nur leider nicht mitbekommen, weil ich gerade mitten in einem Gefecht gesteckt habe und Nachrichten meiner Mitstreiter grundsätzlich unvertont in der linken unteren Bildschirmecke auftauchen. Oft lese ich da nichtigen Smalltalk zwischen meinen Kämpfern, manchmal aber eben auch essentielle Infos zur Schlacht. Daran muss sich wohl jeder „Hyrule Warriors“-Spieler gewöhnen.

Mit 18 Missionen auf 14 Karten ist der Legend-Modus recht umfangreich, zwölf bis fünfzehn Stunden dauert ein Durchgang. Danach erwarten euch höhere Schwierigkeitsgrade mit mehr Belohnungen pro bezwungener Map. Oder ihr stürzt euch in den Adventure-Modus, der eine 2D-Übersichtskarte der Original „The Legend of Zelda“-Welt präsentiert, die aber auch nur kürzere Standard-Missionen auf den gleichen Maps und gegen die gleichen Gegner aus dem Story-Modus bietet.

Im Challenge-Modus wiederum müsst ihr euch scheinbar unzusammenhängenden Mini-Aufgaben auf bestimmten Karten widmen, die euch dann etwa eine bestimmte Anzahl an Feinden in fünf Minuten plätten oder unter Zeitdruck Festungen einnehmen lassen. Ein anderes Spielgefühl ergibt sich durch diese leichten Modifikationen aber nicht, „Hyrule Warriors“ fühlt sich in jedem seiner Spielmodi gleich an.

Das Highlight sind da wirklich die insgesamt 13 Helden und Bösewichte, die ihr nach und nach freischalten werdet. Link steuert sich etwa recht flott und metzelt sich so angenehm flink mit Schwert und Schild oder Zauberstab durch Gegnerhorden. Oberbösewicht Ganondorf wiederum ist deutlich langsamer unterwegs, dafür steckt in jedem Angriff merklich mehr Kraft. Mir gefallen auch die etwas ungewöhnlichen Auftritte, etwa der der Insekten-Lady aus „Twilight Princess“ oder von der Zora-Prinzessin Ruto aus „Ocarina of Time“.

Koop-Gefuchtel

Nach Bedarf lässt sich „Hyrule Warriors“ auch zu zweit spielen, allerdings mit einigen technischen Einschränkungen. Ein Spieler verfolgt das Geschehen auf dem Wii U-Gamepad, der andere via Wii-Mote oder Pro Controller auf dem Fernseher. Um unter der technischen Last nicht zusammenzubrechen verringert „Hyrule Warriors“ für den Zwei-Spieler-Modus allerdings die Auflösung stark, so dass das Spiel eher an den Pixelbrei der Original-Wii erinnert – von „HD“ kann man dann jedenfalls nicht mehr reden.

Noch blöder: Wenn ihr nur eine Wii-Mote mit Nunchuk als zweite Controller-Option besitzt, dann wird „Hyrule Warriors“ ein sehr anstrengender Spaß. Aus mir unerfindlichen Gründen hat sich Tecmo Koei nämlich dazu entschieden, den ganz normalen Angriff auf die Schwung-Bewegung zu legen. Da ihr in diesem Spiel gefühlte Tausend Mal pro Minute angreift könnt ihr euch vorstellen, wie nah diese Steuerungs-Option an den Tatbestand der Körperverletzung kommt. Das macht das Spielen mit Wii-Mote so gut wie unmöglich. Wenn ihr also zu zweit „Hyrule Warriors“ zocken wollt, dann empfehle ich dafür unbedingt einen Pro Controller.

Selbst ohne Auflösungs-Anpassung im Mehrspieler-Modus ist „Hyrule Warriors“ nicht gerade eine Augenweide. Zwar sehen Charaktere und Effekte durchaus beeindruckend aus, gerade die Landschaften erinnern stellenweise aber an längst vergangene PlayStation 2-Tage mit ihren schlecht aufgelösten Texturen und der allgemeinen Detailarmut. Dafür punktet Tecmo Koei beim Soundtrack mit herrlich trashigen E-Gitarren-Remixes klassischer Zelda-Themes und orchestralen Tracks aus der gesamten Zelda-Reihe. Wenn im Menü Zeldas Wiegenlied spielt oder der Schatztruhen-Jingle beim Fund eines Items agespult wird, dann ist das einfach sehr schöner Fan-Service. Es nervt allerdings ein wenig, dass bei jedem aufgesammelten Upgrade-Gegenstand der Sound von einer kleinen Truhe abgespielt wird. Von diesen Items sammelt man nämlich sehr viele ein, glaubt mir.

Hyrule Warriors Ganondorf.mp4.

Fazit:

Ich bin froh, dass sich Nintendo an Projekte wie „Hyrule Warriors“ heranwagt, dass sie ihre bekannten Marken auch mal in fremde Hände geben. Bei diesem Experiment ist genau das herausgekommen, was ich im Vorfeld erwartet habe: Ein „Dynasty Warriors“ im Zelda-Universum. Nun sind die Warriors-Spiele bereits Liebhaber-Titel, die bei manchen Spielern Kultstatus genießen, bei anderen wiederum als langweilige Button-Masher verschrien sind. Ein „Hyrule Warriors“ wird viele Zelda-Fans auf diese Nische aufmerksam machen und ich wage zu bezweifeln, dass das bei jedem Link-Lobbyisten gut ankommen wird.

Mit Ganondorf oder Prinzessin Zelda Gegnermassen über den Bildschirm zu prügeln macht für kurze Zeit Spaß, die mangelnde Abwechslung und die fehlende taktische Tiefe öden aber zu schnell an. Die vielen Charaktere und freischaltbaren Extras sorgen zusammen mit dem wunderbaren Soundtrack dennoch für kurzzeitige Hochgefühle bei Zelda-Fans.

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