Jurassic World Evolution im Test: Lizenz-Gurke oder Aufbau-Spaß?

Alexander Gehlsdorf 2

Eigentlich steht die Marke Jurassic Park ja vor allem für Action und aufgefressene Parkbesucher. Jurassic World Evolution fällt dem gegenüber jedoch angenehm entspannend aus.

Jurassic World Evolution: Pre-Order Trailer.

Freunde von Aufbauspielen hatten in diesem Jahr mit Frostpunk alle Hände voll zu tun. In dem sonst so gemächlichen Genre wurden die Spieler plötzlich mit Zeitdruck, Fehlentscheidungen, Konsequenzen und dem eigenen Scheitern konfrontiert. Jurassic World Evolution hingegen ist im Vergleich dazu pure Entspannung — trotz gefräßiger Urzeitbiester.

Wenn du dich schon immer gefragt hast, wie in den Jurassic-Park-Filmen alles schief gehen konnte, darfst du dich in Jurassic World Evolution selbst als Parkleiter beweisen und diesmal alles besser machen.

Du errichtest also Gehege für deine gefräßigen Schützlinge, baust Restaurants, Aussichtsplattformen, Souvenir-Stände, Kraftwerke, Hotels und was auch immer sonst deine Park-Besucher benötigen um glücklich zu sein und möglichst viel Geld auszugeben.

Dabei überwältigt dich das Spiel jedoch nicht mit Komplexität. Weder musst du dich um sanitäre Einrichtungen oder die Müllentsorgung kümmern, noch machen dir Besucher mit unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen das Leben schwer. Jurassic World Evolution entschlackt die Verwaltung deines Parks angenehm, ohne dabei zu simpel zu werden.

Das liegt insbesondere daran, dass du dich neben den Besuchern vor allem auch um deine Dinosaurier kümmern musst — denn während deine Besucher ohne großen Aufwand zufrieden gestellt werden können, benötigen die Dinosaurier deutlich mehr Mikromanagement.

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Jurassic World Evolution: Alle Dinosaurier und wie ihr sie freischalten könnt.

Jeder einzelne Dinosaurier verlangt nach der für ihn passenden Menge Grasland, Wald, Gesellschaft, dem richtigen Futter und Wasser muss natürlich auch vorhanden sein. Stimmen diese Werte nicht, fehlt es etwa an Bäumen, ist ein Dino durch die Anwesenheit anderer Dinos gestresst, hat er keine Artgenossen bei sich oder ist ihm sein Gehege zu klein, sinkt das Wohlbefinden.

Das kann einerseits dazu führen, dass es den Dinosauriern körperlich schlecht geht und sie schließlich vorzeitig sterben, andererseits versuchen einige Exemplare jedoch auch, sich aus ihrer Lage zu befreien. Gelingt es einem verzweifelten Dinosaurier schließlich einend er Zäune zu durchbrechen … aber das ist ja aus den Filmen bekannt.

Um deine „Parkbewohner“ unter Kontrolle zu halten, bist du auf Ranger angewiesen. Im Idealfall sind diese nur dafür zuständig, die Futterstellen nachzufüllen. Allerdings können sie auch auf Notfälle reagieren, etwa wenn einer deiner Dinosaurier krank wird, betäubt werden muss, kaputte Zäune geflickt oder beschädigte Gebäude repariert werden müssen.

Anfangs ist das noch kein besonders großes Problem, sobald du jedoch seltenere Dinosaurier beherbergst, wachsen dank strengerer Bedürfnisse auch die Probleme. Um neue Arten freizuschalten, stehen dir Expeditionen in die ganze Welt zur Verfügung. Nach einigen Minuten Spielzeit kehren die Paläontologen schließlich mit Fossilen zurück, welche die nötige DNS enthalten, um bessere Dinosaurier auszubrüten.

Die Grundlage dafür ist wie in den Filmen die DNS von Laubfröschen. Besonders ambitionierte Spieler können jedoch auch andere DNS-Kombinationen erforschen, um bessere, widerstandsfähigere, aber auch aggressivere Dinosaurier zu züchten. Diese locken mehr Parkbesucher an, sind jedoch auch teuer und riskanter. Je mehr du nämlich an deinen Schützlingen herumexperimentierst, desto instabiler wird das Ausbrüten. Schlägt die Inkubation eines 6 Millionen Dollar T-Rex auf halber Strecke fehl, ist der Ärger natürlich groß.

Damit die Gestaltung deines Parks nicht planlos voran geht, ringen drei Branchen um deine Gunst: Forschung, Sicherheit und Unterhaltung. Diese winken mit spendablen Belohnungen und lukrativen Unlocks für diverse Aufträge, etwa der Ausgrabung eines fleischfressenden Dinosauriers oder dem Bau eines neuen Geschäfts. Diese Aufträge sind selten besonders schwer, jedoch solltest du die Missionen trotzdem gut abwägen. Arbeitest du einer der drei Fraktionen zu stark zu, sinkst du in der Gunst der anderen.

Gelingt dir die Balance und dein Park blüht und gedeiht, kannst du weitere Inseln freischalten, jede mit ihren ganz eigenen Herausforderungen. Während die erste Insel vor allem als Tutorial dient, legt die zweite einen Fokus auf den Wiederaufbau eines von Stürmen zerstörten Parks. Die dritte Insel hingegen will vom Bankrott gerettet werden, während du auf der vierten mit enormen Platzproblemen zu kämpfen hast.

Die Mühe lohnt sich jedoch, denn sobald eine deiner Insel eine Bewertung von 4/5 Sternen erreicht hat, schaltest du den Sandbox-Modus frei. In diesem kehrst du auf die aus dem ersten Film bekannte Isla Nublar zurück, in der du ohne finanzielle Einschränkungen den Park deiner Träume bauen kannst.

Mein Test-Fazit zu Jurassic World Evolution

Der Aufbau des eigenen Dinosaurierparks fällt angenehm entspannt und gemächlich aus. Selbst wenn alles den Bach runter geht und ein Tyrannosaurus Rex außerhalb seines Geheges beginnt, an den Besuchern zu naschen, lässt sich die Situation häufig innerhalb weniger Minuten wieder unter Kontrolle bringen. Die Mechaniken der Parkverwaltung greifen logisch ineinander, könnten Veteranen jedoch unterfordern. Neueinsteiger wiederum könnten vom dürftigen Tutorial enttäuscht werden, das viele Aspekte des Spiels nur unzureichend erklärt. Besonders die Verwaltung der Elektrizität benötigt etwas Einarbeitung.

Nach einigen Trial-und-Error-Momenten klickt der Spielfluss jedoch und du bist in der Lage, deinen Park effektiv und zielführend zu leiten. Nur eine Zeitbeschleunigung hätte dem Spiel an der ein oder anderen Stelle gut getan, denn gerade in der Anfangsphase eines jeden Parks ist häufig nicht viel mehr zu tun, als auf die ersten Einnahmen zu warten. Spätestens jedoch, sobald der erste T-Rex das Gehege betritt, hat sich die Wartezeit aber gelohnt.

Wird dir gefallen, wenn du die Filmvorlage magst und du entspannt dem nächsten Erfolgserlebnis entgegen arbeiten willst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du von Jurassic World Action erwartest und wenig Geduld hast.

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