Kid Icarus Kurzcheck: Das Spiel mit eingebauter Sehnenscheidenentzündung.

David Hain 6

Um ehrlich zu sein, habe ich das urig alte “Kid Icarus“ nie gespielt. Weder auf NES, noch auf dem Gameboy. Dem Vernehmen nach war es ein okayes bis gutes Spiel, das aber scheinbar nicht ohne Grund jahrelang in der Versenkung verschwand. Jetzt gibt’s ein Remake, Reboot, die Fortsetzung – was auch immer die 3DS-Version sein will. Und die hat spielerisch rein gar nichts mehr zu tun mit dem Original. Wenn ihr das alte „Kid Icarus“ also wie ich nicht kennt – völlig schnuppe.

Kid Icarus Kurzcheck: Das Spiel mit eingebauter Sehnenscheidenentzündung.

Was damals noch ein 2D-Plattformer war, in dem der kleine Engel Pit einen Turm hinaufkraxelt, muss angepasst an das Jahr 2012 natürlich spektakulärer aufbereitet werden. Umso interessanter, dass als Vorlage für „Uprising“ eine Handvoll Genrevertreter dienen, die heute nur noch Spielveteranen kennen. „Space Harrier“ oder „Panzer Dragoon“, also Titel, in denen ihr auf fest definierten Bahnen in die Tiefe rast und ballert, bis die Pixel bluten.

Klingt altmodisch, ist dank der dritten Dimension aber ein absoluter Mindfuck, bei dem ich tatsächlich und zum allerersten Mal den 3D-Modus des DS auch mal länger als 20 Sekunden angeschaltet habe. Wenn die Wolken an euch vorbeiziehen und sowohl Monster als auch Projektile ins Bild ragen, dann sieht das einfach herrlich aus. Obendrein dröhnen herrliche Soundeffekte und ein völlig überdrehter Soundtrack aus den Boxen.

Bis dahin alles super – obgleich die Ballereien nicht unbedingt anspruchsvoll sind. Dafür sind die Levels schön kurz, eignen sich damit also perfekt für die berühmte Runde zwischendurch. Unterwegs ist „Kid Icarus: Uprising“ aber praktisch unspielbar. Da man mit dem Stylus zielt, mit dem Analogpad steuert UND mit dem linken Schulterknopf feuert, verkrampft die Hand innerhalb von Sekunden. Nintendo liefert in weiser Vorrausicht einen Ständer mit, auf dem man den 3DS fixieren kann, was zumindest etwas Abhilfe verschafft.

Eine ätzende Nebenwirkung bleibt: Der Actionpart ist relativ dynamisch, weshalb ihr immer wieder den 3DS bewegen werdet – wodurch der 3D-Effekt komplett verwischt. Noch schlimmer wird dies – nein, eigentlich das gesamte Spiel – wenn sich Kid dazu entscheidet, auf dem Boden zu landen. Jedes Level endet dort, stets durch einen Bosskampf gekrönt und es ist jedes einzige Mal gleich nervig. Zum einen, weil die Kamera hier unten einfach die Übersicht raubt.

Zum anderen, weil die Steuerung ändert – gedreht wird sich jetzt per Stylus, mit dem Analogpad gedasht UND gesteuert und feuern muss man immer noch per Schultertaste. Das spielt sich ohne Ausnahme grausig, geht unfassbar auf die Pfoten und verwischt praktisch ohne Unterlass den 3D-Effekt. Dummerweise verbringt man am Boden dann auch noch die meiste Zeit, meist allerdings deshalb, weil man sich in den Levels gerne mal verläuft.

Wenigstens stimmt der Langzeitspaß, der durch zahlreiche Geheimnisse und erspielbare Waffen ordentlich ausgedehnt wird. Die Hauptkampagne wäre mit rund 5 Stunden Spielzeit dann doch zu knapp. Obendrein kann man den Schwierigkeitsgrad variieren, indem man erbeutete Herzen als Währung wettet. Sterbt ihr in einem der Level, sind die Herzen futsch. Sterbt ihr nicht, winkt fette Beute. Und das motiviert richtig ordentlich – trotz Schmerzen in der Hand.

 

Fazit:

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust, möchte ich doch „Kid Icarus: Uprising“ einerseits lobpreisen für die schönste Retrospielerfahrung seit einiger Zeit, und gleichzeitig verdammen. In den Flugsequenzen erinnert die spaßige Sause an geniale Klassiker wie „Space Harrier“ oder „Panzer Dragoon“, wächst dank genialer Präsentation über gewöhnliche Handheld-Standards hinaus. Es flasht einfach, wenn auch nur kurz, trotz des geringen Anspruchs.

Sobald Pit allerdings auf dem Boden aufsetzt, wandeln sich die freudigen Jauchzer in wütendes Geschrei. Die Steuerung da unten ist ein Krampf, die Übersicht kaum zu halten, unweigerlich drängt sich mir die Frage auf: Was läuft eigentlich beim Design einer Peripherie bzw. der Spiele dafür falsch, wenn ich zum halbwegs ungetrübten Genuss zwingend einen Plastikständer brauche, damit mir nicht nach drei Minuten die linke Hand abfällt?

 

Wertung: 80%

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung