Am Freitag werden die ersten Käufer ihre PlayStation 4 erwartungsvoll auspacken. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch „Killzone: Shadow Fall“ im Warenkorb befindet, ist im Anbetracht des mageren Launch-Line Ups ziemlich hoch. Der exklusive Edel-Shooter wurde von Sony mit einer einfachen Mission in den Konsolen-Krieg geschickt. Ähnlich wie „Ryse“ auf Microsofts Xbox One soll  auch „Shadow Fall“ auf der PS4 potentiellen Kunden zeigen, was die nächste Generation technisch unter der Haube hat. Ob „Killzone: Shadow Fall“ noch mehr kann, als nur verdammt gut aussehen, das erfahrt ihr jetzt in unserem Test.

 

Killzone Shadow Fall

Facts 
Killzone Shadow Fall

Man möge mir diesen abgedroschenen Satz bitte verzeihen, doch in diesem Fall scheint er mir einfach mal wieder angebracht: „Killzone“ hasst man entweder oder man liebt es. Kaum eine andere Reihe vermochte die Geister mehr zu scheiden als diese. Unter unserem gut zwei Jahre alten Test zu „Killzone 3“ bekriegen sich die beiden unversöhnlichen Lager zum Beispiel bis zum heutigen Tage aufs bitterste.

Für die Fans zeichnet sich der holländische Entwickler Guerilla Games für eine Reihe verantwortlich, die ganz bewusst auf kompromisslose Dauer-Action ohne erzählerischen Ballast setzt. „Killzone“ spielt man eben, wenn‘ s mal wieder richtig schön knallen soll. Die Serie steht für harte, schnörkellose Shooter der alten Schule. Die Kritiker sahen im einstigen „Halo-Killer“ indes nie mehr als eine seelenlos zusammengezimmerte, anspruchslose Ballerbude, in der es spielerisch mächtig zieht.

 

Killzone Shadow Fall Test
In gewisser Weise stellt Shadow Marshal nun ein großes Friedensangebot an die verfeindeten Parteien dar. Guerilla Games versprach die Reihe mit spielerischen Innovationen und einem komplexerem Handlungsverlauf einmal kräftig durchzulüften, gleichzeitig aber den Fans wieder jenes geradlinige Spektakel zu bieten, das den Erfolg des PlayStation-exklusiven Franchise einst begründete.

Killzone Shadow Fall Test: Ein Friedensangebot

Gesagt, getan! Offenbar haben die Entwickler tatsächlich mal Wort gehalten. Shadow Marshal Lucas Kellan blickt gleich in seiner ersten Mission auf ein überraschend weitläufiges und fast schon friedlich wirkendes Areal. Vorbei scheint die dunkle Zeit, in der wir uns durch braun-graue Schützengräben, zerbombte Häuserschluchten und ohrenbetäubende Kriegs-Kakophonien morden mussten. „Shadow Fall“ begrüßt die neue Generation mit farbenprächtiger Offenheit und taktischem Weitblickt.

Während im Hintergrund eine imposante Skymap der „Halo“-Reihe heimlich Konkurrenz macht, scannt der leisetretende Shadow Marshal vorsichtig die feindlichen Linien mit seiner vielseitig einsetzbaren Drohne. Hat man die ersten Feuergefechte mit den neu designten Helghast-Schergen hinter sich gebracht, steht ganz schnell fest: „Killzone: Shadow Fall“ spielt sich nun tatsächlich deutlich offener, abwechslungsreicher und anspruchsvoller als seine Vorgänger. Wer Vergleiche sucht, wird in „Crysis 3“ noch am ehesten fündig. Egal, was man bisher von „Killzone“ gehalten hat – „Shadow Fall“ macht mit seiner ersten Mission alle glücklich und weiß dank der sich anbahnenden Anti-Kriegs-Attitüde auch erzählerisch bestens zu unterhalten.

Hätte sich „Killzone: Shadow Fall“ auf diesem Niveau gehalten, wäre hier vielleicht sogar ein neuer Klassiker des Genres drin gewesen. Oder zumindest ein Shooter, an den wir uns am Ende der nächsten Generation noch erinnern werden. Doch leider wird Guerilla Games kurz darauf von allen guten Geistern verlassen und verfällt in alte Routinen. Routinen, die im Jahr 2013 einfach nicht mehr als gute, alte Schule durchgehen können.

„Killzone: Shadow Fall“ wirkt in den folgenden fünf bis sechs Spielstunden wie eine akribisch abgearbeitete Liste von altbackenen Shooter-Klischees. Die gerade erst gewonnene, spielerische Freiheit wird aus unerfindlichen Gründen gegen alternativlose Schlauchpasssagen eingetauscht, das zuvor noch angenehm abwechslungsreiche Missions-Design brummt  uns nun das simple Abklappern uninteressanter Standard-Aufgaben auf. Den eklektisch aufgereihten Schauplätzen fehlt zudem ein roter Faden, den Spiel-Mechaniken hingegen oft der Raum, sich angemessen zu entfalten. „Shadow Fall“ verdirbt sich selbst den neuen Spielspaß.

Auch der eingangs noch mühselig als komplexe Figur angelegte Protagonist kippt nach der vielversprechenden Ouvertüre zusehends ins Repertoire abgedroschener Militär-Phrasen ab. Langweilig ist das einzige Adjektiv, das mir bei seinem flüchtigen Blick in den Spiegel einfallen wollte.  Erst nachdem Lukas die obligatorische Folterszene überstanden hat (ja, so berechenbar ist „Shadow Fall“) und man sich gerade fragt, welches Klischee uns Guerilla Games wohl als nächstes  aufzutischen gedenkt, kommt „Shadow Fall“ doch wieder zu sich. Ganz tief hinter den feindlichen Linien, auf der dunklen Seite des Planeten Vekta, erwacht der Shooter aus seinem selbst auferlegten Dornröschenschlaf und legt noch einmal kräftig zu.

Die Story bekommt durch Gegenspielerin Echo endlich den überfälligen Fokus, die Schauplätze werden atmosphärischer und überbieten sich gegenseitig mit tollen Design-Ideen, die allgemein eher biedere Inszenierung erlaubt sich ein paar kurzweilige Highlights und auch spielerisch vermag sich „Shadow Fall“ in seinem letzten Drittel  in ungeahnte Höhen zu schrauben.

Das Spiel setzt seine Mechaniken hier sehr viel besser ein und fesselt plötzlich wieder mit aufregenden und zunehmend fordernden Kämpfen. Selbst mit gut designten Schleichpassagen und einem knackigen Bosskampf kann „Shadow Fall“ in dieser umtriebigen Endphase aufwarten. Die beiden selten dämlichen Passagen, in denen Lukas sich im freien Fall befindet, hätten allerdings niemals grünes Licht bekommen dürfen.

Und dennoch: Je näher sich „Shadow Fall“ seinem überraschenden Ende nähert, desto mehr Spaß hat es mir gemacht. Es gibt Momente in diesem Spiel, die sich mit den besten Spielen des Genres messen dürfen. Mag sein, dass „Shadow Fall“ selbst in seinen erstklassigen Momenten noch immer dieses gewisse Etwas fehlt, das Klassiker wie „Half Life 2“ oder „BioShock“ ihr Eigen nennen, im Kontext der Reihe kann man diese Momente jedoch gar nicht genug loben.

Bleibt der Multiplayer von „Shadow Fall“. Auch hier hat Guerilla Games spürbar investiert, um das Ganze an den aktuellen „Call of Duty“-Standard anzupassen. Eine Investition, die sich meiner Meinung nach wirklich gelohnt hat. Ich spiele aktuell nämlich immer noch. Etwas langsamer als beispielweise „Ghosts“, dafür aber deutlich taktischer spielt sich der Multiplayer von „Shadow Fall“, der mit seinen drei individualisierbaren Klassen, seinen zehn Karten, etlichen Gadgets und den gemeinhin erwarteten Spielmodi State of the Art ist.

Dass „Shadow Fall“ eine phänomenale Technik hat, brauche ich hier wohl niemandem mehr zu erzählen. Gerade im Multiplayer sollten sich die „Ghosts“ beim Anblick dieser absolut flüssig laufenden Pracht eigentlich was schämen. Im direkten (und sicherlich etwas unfairen, weil genrefremden) Vergleich mit der Grafik-Granate „Ryse“ schneidet „Killzone“ etwas weniger beeindruckend ab.

Killzone Shadow Fall Launch Trailer

Fazit

Eigentlich wäre er langsam ja mal fällig gewesen, der Klassiker aus dem Hause Guerilla Games. Doch es hat wieder nicht ganz gereicht. Die Gründe dafür sind mit dem über weite Strecken einfältigen und gestrigen Game-Design, dem bestürzend langweiligen Helden und der biederen Inszenierung schnell gefunden. Gerecht wird man „Killzone: Shadow Fall“ mit der bloßen Auflistung seiner offenkundigen Schwächen aber irgendwie auch nicht.

„Shadow Fall“ ist eben in manchen Abschnitten auch richtig gut. Dann hat man plötzlich einen temporeichen, packenden Shooter vor sich, der sich mit seiner Offenheit und Flexibilität in genau den richtigen Punkten von seinen Vorgängern zu distanzieren weiß. Leider kann „Killzone: Shadow Fall“ dieses neue Potential zu selten abrufen und so bleiben am Ende doch nur gemischte Gefühle und ein sehr guter Multiplayer für die Nachwelt übrig.

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Wertung

7/10
“Gute Zeiten, schlechte Zeiten - Shadow Fall ist ein ambitioniertes aber letztlich viel zu durchwachsenes Next-Gen Vergnügen. ”
Tobias Heidemann
Tobias Heidemann
Tobias Heidemann, GIGA-Experte.

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