Kingdom Come Deliverance in der Vorschau: So spielt sich das Anti-Skyrim

Alexander Gehlsdorf

Zwei Monate vor dem Release von Kingdom Come: Deliverance konnte ich bereits einen Blick auf den Kickstarter-Erfolg werfen und herausfinden, ob das Rollenspiel die lange Wartezeit wert war.

Hier kannst du dir den aktuellen Trailer zu Kingdom Come: Deliverance ansehen:

Kingdom Come: Deliverance - Trailer.

Dungeon & No Dragons. So prangt es auf dem Plakat, das in München den Weg zum Presse-Event für Kingdom Come: Deliverance weist. Besser lässt sich die Kickstarter-Überraschung wohl kaum zusammen fassen, denn das Spiel ist ein konsequenter Gegenentwurf zum Skyrim-Effekt der letzten Jahre: Magie und Drachen sind aus mittelalterlichen Rollenspielen praktisch nicht mehr wegzudenken. Kingdom Come: Deliverance hingegen schmeißt konsequent alles raus, was nicht ins Jahr 1403 passt.

Mit Stahl und Bogen

In Kingdom Come: Deliverance übernimmst du die Rolle von Henry, dem Sohn eines Schmiedes. Das idyllische Dorfleben findet jedoch ein jähes Ende, als einfallende Horden über dein Heimatdorf herziehen und dir nur mit Mühe und Not die Flucht gelingt. Ein Krieg scheint unausweichlich. Allerdings ist es ein langer Weg, um aus dem Schmied einen Soldaten zu machen.

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Nicht nur hinsichtlich des Settings wird Wert auf historische Genauigkeit gelegt, auch das Kampfsystem ist anspruchsvoll und lebensnah. So wechselst du nicht einfach zwischen leichten sowie schweren Schlägen und dem gelegentlichen Block, sondern musst deine Schläge und Hiebe präzise timen und vor allem ausrichten. Je fünf Richtungen stehen zur Auswahl, etwa ein Überkopfschlag oder ein Stich aus der Hüfte. Nach dem selben manuellen Prinzip wird auch geblockt. Will dir dein Gegner von oben den Kopf einschlagen, musst auch du das Schwert zum Block erheben. Die Schwertposition des Gegners im Auge zu behalten, ist also das A und O.

Deutlich tödlicher sind hingegen Bogenschüsse, die sich nicht parieren lassen und bei denen in der Regel bereits ein Treffer tödlich ist. Um die Waffe jedoch nicht übermächtig zu machen, geht Entwickler Warhorse Studios einen spannenden Weg: Bogenschützen steht kein Fadenkreuz zur Verfügung, stattdessen musst du — ganz wie in echt — per Hand-Auge-Koordination ein Gefühl für deinen Bogen entwickeln, Entfernungen abschätzen und das Zielen lernen. Statt also im Laufe des Spiels immer mehr Punkte in dein Bogen-Talent zu stecken, verbesserst du dich mit der Zeit ganz automatisch, weil du als Spieler vor dem Bildschirm an echter Spielerfahrung gewinnst.

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Mit List und Tücke

Dennoch gibt es Erfahrungspunkte und Skills en masse in Kingdom Come: Deliverance, etwa um Fähigkeiten wie Überredungskunst oder Taschendiebstahl zu verbessern. Komplett wirst du auf Kämpfe zwar nicht verzichten können, geschickte Spieler können sich diese aber vereinfachen. Während eines Angriffs auf eine feindliche Stellung, gemeinsam mit etwa einem Dutzend alliierter Soldaten, hast du etwa die Möglichkeit, einen Strohballen in Brand zu setzen und so den tödlichen Bogenschützen die Sicht zu nehmen. Im Nahkampf stellen die leicht gepanzerten Pfeilfritzen keine Bedrohung mehr dar. Alternativ könntest du dich auch am Vorabend der Schlacht ins feindliche Lager schleichen und die Vorräte vergiften. Mit Arsen im Bauch kämpft es sich bekanntlich deutlich schwerer.

Apropos Sicht nehmen: Eine starke Rüstung hat in Kingdom Come: Deliverance nicht nur Vorteile. So bedecken etwa viele der verfügbaren Helme nicht dein Gesicht, wodurch du eine tödliche Schwachstelle besitzt. Trägst du hingegen einen Helm, der auch dein Gesicht verdeckt, wird deine Sicht stark eingeschränkt, da du logischerweise nur noch durch die engen Schlitze des Metalls spähen kannst. So bist du zwar besser gepanzert, gerade in größeren Kämpfen geht so aber eine Menge Übersicht verloren. Nach dem gleichen Prinzip hält eine schwere Plattenrüstung deutlich mehr Schläge aus, allerdings bist du fortan weit weniger wendig.

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Barmherziger Herr Jesus, schenke ihnen Ruhe

Trotz allem gibt es aber doch Abschnitte, die ganz ohne Kämpfe auskommen. Etwa wenn du als Novize in ein Kloster begibst, um dort einen Brandstifter aufzuspüren, der sich als Mönch ausgibt. Dass du selbst zum Novizen wirst, war ursprünglich gar nicht angedacht, das letzte Wort hat in Kingdom Come: Deliverance aber immer die historische Korrektheit: Im Jahr 1403 war es unmöglich, sich frei in den Mauern eines Klosters zu bewegen um dort Ermittlungen anzustellen, also musste das Skript geändert werden.

In der finalen Fassung erreichst du das Kloster also mit einer gefälschten Identität und nimmst als Novize am Klosterleben teil — mit allem was dazu gehört! 03.00 Uhr morgens Aufstehen, um 04.00 Uhr das Morgengebet, anschließend gemeinsame Speisung mit den Brüdern, daraufhin ruft die Arbeit im Klostergarten und und und… Treibst du dich hingegen zur falschen Zeit im falschen Teil des Kloster herum, musst du dich gegenüber den strengen Ordnern verantworten und landest schlimmstenfalls im Kerker des Klosters. Aus diesem wirst du zwar nach einiger Zeit wieder entlassen, allerdings musst du stets darauf achten, genügend Schlaf und Nahrung zu bekommen. Der potentielle Hungertod in den Klostermauern ist also keine Unmöglichkeit.

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Ganz wie in Der Name der Rose heißt es also, unbemerkt Spuren zu verfolgen, Mönche zu befragen und den obligatorischen Intrigen und Geheimnissen des Klosters auf die Schliche zu kommen. Und ganz nebenbei eine Menge zu lernen, denn Kingdom Come: Deliverance hätte sich schließlich nicht die Mühe einer authentischen Zeitreise gemacht, wenn diese nicht auch sorgfältig dokumentiert worden wäre. So hast du im Menü stets die Möglichkeit, dich über die unterschiedlichsten Facetten des mittelalterlichen Alltags zu belesen, die dir auf deiner Reise begegnen. Wer konnte damals lesen, was ist ein Sühnekreuz, wie lange dauerte seinerzeit der Bau eines Klosters? Kingdom Come: Deliverance kennt die Antworten und will sie lernbegierigen Spielern auch nicht vorenthalten.

Apropos Kloster. Die Gemäuer, die du in Kingdom Come: Deliverance besuchst, kannst du dir auch in echt ansehen, denn die Dörfer und Burgen des Spiels basieren auf realen Vorbildern in Böhmen. Auch die Fürsten und Würdenträger, die dir im Spiel begegnen, haben allesamt wirklich damals gelebt. Wenn du auf die vielversprechende Geschichte rund um Henry also genauso gespannt bist wie wir, dann wollen wir schon jetzt eine dicke Spoiler-Warnung ausrufen: Wie der Krieg letztendlich ausgeht, steht womöglich in einem Lexikon ganz in deiner Nähe.

Theresa oder Stephanie? Wer ist dein Herzblatt in Kingdom Come: Deliverance?

Bereits im Mittelalter war es schon schwer, sein Herzblatt zu finden! Hat Heinrich bei dir in Kingdom Come: Deliverance auch Probleme mit der Liebe? Kannst du dich auch nicht entscheiden? Kein Problem! Wir helfen dir mit der Auswahl, welche Romanze im Rollenspiel deine wahre Liebe ist! Vorsicht: Quiz kann Spuren von Sarkasmus enthalten.

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