Worlds 2016: 1. Spieltag der League-of-Legends-WM zusammengefasst

Darius Matuschak

Großereignis im eSport: Bereits am ersten Spieltag der League-of-Legends-Weltmeisterschaften platzten einige Bomben: Erst sezierte „CLG“ den europäischen Hoffnungsträger „G2“, dann schaffte es „INTZ“, einen komplett unerwarteten Sieg gegen den Titelfavoriten „EDG“ einzufahren, und schließlich wurde im Spiel „Samsung Galaxy“ gegen „Splyce“ zum ersten Mal der neue Champion „Kled“ gespielt. Unsere Zusammenfassung.

Worlds 2016: 1. Spieltag der League-of-Legends-WM zusammengefasst

Zunächst die Ergebnisse:

  • G2 eSports (G2) vs Counter Logic Gaming (CLG): 0 - 1
  • ROX Tigers (ROX) vs Albus NoX Luna (ANX): 1 - 0
  • H2K-Gaming (H2K) vs AHQ eSports (AHQ): 0 - 1
  • INTZ e-sports (ITZ) vs Edward Gaming (EDG): 1 - 0
  • Samsung Galaxy (SSG) vs Splyce (SPY): 1 – 0
  • Team SoloMid (TSM) vs Royal Never Give Up (RNG): 0 – 1

Für Europa war der erste Spieltag der LoL-Weltmeisterschaft ein Schlag ins Wasser. Das hatte nicht nur mit dem Umstand zu tun, dass alle europäischen Teams Niederlagen einfahren mussten; aufgrund der Ergebnisse der anderen Teams müssen sämtliche europäische Teams nun auch um ein Weiterkommen aus der Gruppenphase bangen. Auch wie die europäischen Teams ihre Spiele verloren, ist frustrierend – gerade G2 als große europäische Hoffnung enttäuschte auf ganzer Linie gegen den amerikanischen Gegner CLG.

Der Umstand, dass die Brasilianer INTZ einen Sieg gegen EDG erringen konnten, wird wohl die größte Überraschung des Turniers bleiben. Das Team, das vorher als Punktefutter verschrien war, besiegte nicht nur einen der Titelfavoriten, sondern dominierte tatsächlich das Spiel. Dass bestbezahlte Topspieler wie „Deft“ oder „Clearlove“ gegen unbekannte Talente wie „Revolta“ oder „Yang“ scheitern und teils an die Wand gespielt würden, ist schlicht zum Niederknien.

Ansonsten gaben sich die asiatischen Teams jedoch keine Blöße, sowohl ROX Tigers, AHQ als auch RNG erspielten souverän ihre jeweiligen Siege. Ob sich der Westen ähnlich gut schlagen wird, wie bei den Weltmeisterschaften 2015 oder der MSI, ist bei der Abgeklärtheit dieser Teams unwahrscheinlich. Falls ihr die Spiele verpasst haben solltet, und euch kurzerhand über die Abläufe informieren möchtet, haben wir hier eine Detailanalyse der jeweiligen Matches.

Bilderstrecke starten
12 Bilder
Dumm gelaufen – Spieler, die beim Cheaten erwischt wurden.

G2 findet in CLG erneut seinen Meister

Gleich im ersten Spiel trafen der europäische Meister G2 eSports, sowie der Vorsaisonmeister Nordamerikas, Counter Logic Gaming aufeinander. Die Europäer hatten einiges gut zu machen, hatten sie doch während des MSI Turniers gegen CLG versagt, und damit einen Spitzenplatz bei den Weltmeisterschaften für europäische Teams verspielt. Der Druck war groß. Offenbar zu groß, denn obwohl G2 durch einen überzeugenden Gank von „Trick“ den ersten Kill des Spiels, ertricksen konnte, spielte G2 schlicht unkoordiniert. CLG hingegen agierte kompakt, als Team geschlossen, und konnte Teamfight für Teamfight für sich entscheiden. Der daraufhin resultierende Vorteil sowie ein exzellent eroberter Baron besiegelten das Schicksal von G2. Das Spiel endete mit 14 zu 4 Kills für CLG.

MVP, also bester Akteur, des Spiels war „Xmithie“, der sowohl in der Anfangsphase als auch in sämtlichen Teamfights durch konsequente Ganks und stets korrekte Entscheidungen in der Auswahl seiner Ziele überzeugte. Er beendete das Spiel als „Olaf“ mit 6/0/5.

Für G2 wird es nun eng: Da sich mit „ROX Tigers“ der klare Favorit auf den Titel in deren Gruppe befindet, müssten sie auf den zweiten Platz innerhalb der Gruppenphase hoffen. Da ihr direkter Konkurrent auf diese Platzierung aber nun gegen sie gewinnen konnte, hat G2 bereits jetzt denkbar schlechte Karten für die Qualifizierung zur nächsten Runde.

Bei den ROX Tigers hat nicht nur Smeb die Carryhosen an

ROX Tigers hingegen ließen sich nicht die Butter vom Brot nehmen, und zersetzten systematisch das gegnerische russische Wildcard-Team Albus NoX Luna. Obwohl das koreanische Spitzenteam in einem Moment der Überheblichkeit dem Underdog zwei Kills bescherte, wodurch sich Albus NoX bis zur zehnten Minute einen minimalen Goldvorteil erarbeiten konnte, waren die ROX Tigers letzten Endes in den Teamfights klar überlegen.

Besonders der ADC der ROX Tigers „Pray“ konnte seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Als MVP überzeugte durch fantastische Duelle sowie smarte Positionierungen bei Teamfights, erreichte er auf „Lucian“ einen Endergebnis von 13/1/7 und konnte sogar einen Quadra Kill abstauben. Auch „Smeb“ konnte dem Publikum zeigen, weshalb viele ihn aktuell als weltbesten Spieler sehen. Mit traumhaften Platzierungen seiner „Rumble“ Ultimate war er ein ums andere Mal die treibende Kraft der ROX Tigers.

Viele kleine Fehler kosten H2K das Spiel

Im dritten Spiel des Tages traf das zweitbeste Team Europas H2K-Gaming auf den taiwanischen Meister AHQ eSports. Da sich auch in dieser Gruppe ein Favorit auf den Titel in Form von Edward Gaming befindet, war dieses Spiel ebenfalls relevant für eine mögliche Entscheidung um den zweiten Platz innerhalb der Gruppe C. Während sich H2K früh einen Vorteil erspielen konnte, und nach 20 Minuten mit einer Differenz von grob 4.000 Gold vorne lag, verspielten sie selbigen mit kleinen, aber Spiel entscheidenden Fehlern. Durch die hohe Mobilität „Bards“, welcher von AHQs „Albis“ koordiniert wurde, konnte AHQ immer wieder einen schnellen Kill abstauben – auch weil H2K enttäuschte, wenn es darum ging den Gegner zu lokalisieren.

So blieb das Spiel lange ausgeglichen, in der 42. Minute allerdings konnte AHQ das Steuer in die Hand nehmen. Mit Hilfe eines forcierten Kampfes um Baron, in dem AHQ strukturiert als Team zusammenarbeitete, fiel H2K nach und nach auseinander. Der Baron Buff sowie ein darauf folgender Elder Dragon verstärkte AHQ zu sehr, als dass H2K hätte dagegen halten können, und so übermannten AHQ ihre Gegner schließlich. Das Spiel endete mit 14 zu 11 Kills für AHQ.

Der beste Spieler des Spiels war Albis auf Bard, welcher seine Gegner häufig auf dem falschen Fuß erwischte, und mit seinen Ultimates das Teamgefüge von H2K störte. Er beendete das Spiel mit 2/1/9.

Die Überraschung des Spieltags

Im vierten Spiel erwartete die Fans aus San Francisco und dem Rest der Welt wohl die größte Überraschung des Spieltags: Das brasilianische Wildcardteam INTZ e-Sports schaffte es, einem der absoluten Favoriten auf den Titel, dem chinesischen Meister EDG Gaming, einen Sieg abzuringen. EDG versuchten sich mit ihrer Champion-Auswahl auf die Laning Phase zu konzentrieren, und innerhalb derselben mit ihren lang antrainierten Fähigkeiten zu dominieren. Dies gelang allerdings nur schleppend, und in Teamfights machte sich die fehlende Crowd Control schnell bemerkbar, als ein EDG-Spieler nach dem anderen von INTZ auseinander genommen wurde. Nachdem INTZ zudem einen Baron sowie Elder Dragon Buff für sich gewinnen konnte, war das Schicksal von EDG besiegelt. INTZ stürmten die Basis von EDG und überrollten ihre Gegner. Das Spiel endete mit 19 zu 12 Kills für INTZ.

Gerade der INTZ Jungler Revolta konnte aufgrund fantastischer „Lee Sin“ Mechaniken nicht nur EDGs Botlane mehrmals erfolgreich ganken, sondern machte auch das Leben des EDG Toplaners „Mouse“ zur Hölle: Nach 25 Minuten stand dieser 1/5/0 auf „Irelia“, sein direkter Toplane-Konkurrent Yang auf „Gnar“ 4/1/3. Revolta beendete das Spiel mit 3/1/11 und war der klare MVP des Spiels.

Europa weiterhin sieglos

Im dritten Spiel des Tages aus europäischer Sicht musste Splyce gegen das Tochterteam des Weltmeisterteams von 2014, Samsung Galaxy, antreten. Splyce konnte bereits in der Champion-Auswahl mit einem Kled-Pick die Blicke auf sich ziehen, eben der sollte Splyce allerdings auch zum Verhängnis werden: Splyces Toplaner „Wunder“ konnte auf Kled keinerlei Akzente setzen und war immer wieder der erste Splyce-Spieler, der in Teamfights das Zeitliche segnete. Zwar versuchten der Midlaner „Sencux“ sowie der ADC „Kobbe“ das Ruder noch herumzureißen, doch nach 34 Minuten hieß es auch hier: Endstation für das europäische Team. Ob wir weitere Kled-Picks sehen werden, ist nach dieser Leistung seitens Wunder fraglich.

Samsung Galaxys Midlaner „Crown“ dominierte in allen Phasen des Spiels, errang einen 6/2/8 Score und beendete das Spiel mit lediglich einem Tod in der regulären Spielzeit. Zusätzlich verteilte er mehr als 35.000 Punkte Schaden, und damit 12.000 Punkte mehr Schaden als sein Konkurrent Sencux.

Support Mata chauffiert RNG zum Sieg

Das letzte Spiel des Tages zwischen Team SoloMid und Royal Never Give Up, sollte eines der meisterwartetsten sein: ADC-Legenden „Uzi“ und „Doublelift“ standen sich gegenüber, Midlane-Spielmacher „Bjergsen“ gegen den verheißungsvollen „Xiaohu“, der beste Rookie Nordamerikas „Biofrost“ gegen die Support-Koryphäe „Mata“. Ein Namens-Feuerwerk, das seinesgleichen suchte.

Im Spiel angekommen gab es erstmal kein Weiterkommen: Ein „Aurelion Sol“ Bug verhinderte, dass das Match einwandfrei weitergeführt werden konnte. Der Champ wurde gesperrt, das Match neu gestartet – inklusiver neuer Champions für die jeweiligen Teams. Von Anfang an erinnerte Mata mit freundlicher Bestimmtheit sämtliche Zuschauer daran, weshalb er als Koryphäe bekannt ist und lieferte auf seinem bekanntesten Champion „Alistar“ die wohl beste Leistung des gesamten Spieltags ab. Er servierte seinem Teamkollegen „Mixg“ den ersten Kill des Spiels auf dem Silbertablett und ermöglichte seinem Lane-Partner Uzi, ein ums andere Mal einen weiteren Kill abzustauben. Zwar versuchte TSMs Jungler „Svenskeren“ gerade in der Anfangsphase, so viel wie möglich das gegnerische Team zu stören – mit einigem Erfolg sogar. Doch waren die Spielmacher-Fähigkeiten von Mata letzten Endes zu groß. Gab es eine Möglichkeit zum Angriff, nutzte er sie instinktiv; musste sich sein Team zurückziehen, stellte er stets sicher, dass erst seine Kollegen und dann er selbst in Sicherheit waren.

Doublelift hingegen enttäuschte auf ganzer Linie, auch Bjergsen konnte seinem Ruf nicht gerecht werden. Insgesamt war auf Seiten TSMs Svenskeren der einzige der Akzente setzen konnte, sehr zur Enttäuschung des angereisten Publikums.

Nach einem letzten Teamfight, der natürlich erneut von Mata initiiert wurde, stürmten RNG siegessicher die Basis von TSM, und zerstörten den Nexus ohne große Gegenwehr. Das Spiel endete mit 17 zu 6 Kills für RNG.

Mata war am Ausgang des Spiels zugunsten RNGs maßgeblich beteiligt, und ist zu Recht der MVP dieses Spiels, sogar des ganzen Spieltags. Der ehemalige Weltmeister war nicht nur an sage und schreibe 16 der 17 Kills von RNG beteiligt, sondern bereitete die meisten sogar selbst vor. Mit pfeilschnellen Reaktionen war er ein Alptraum für sämtliche TSM-Spieler. Wer einen Beweis braucht, dass auch Supports ein Spiel entscheiden können, dem sollte man schlicht die Aufnahme dieses Spiels zeigen – sie ist selbsterklärend. Er beendete das Spiel mit 1/1/15.

Quelle: lolesports.com
Bildquelle „Mata“ im Artikel oben: Riot esports @ flickr

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

Weitere Themen

* Werbung