League of Angels: Wie ein ideenloses MMO die Konkurrenz beklaut (Update)

Kristin Knillmann 111

Wer regelmäßig auf Videospiel-Seiten oder in Sozialen Netzwerken unterwegs ist, dürfte sie bereits erfolgreich ignoriert haben: Die Werbeanzeigen des Browserspiels League of Angels. Drüber scrollen und wegschauen sind wir bei irrelevantem Spam schließlich längst gewohnt. Schaut man allerdings eine Sekunde zu lang hin, entdeckt man zwischen lauter Engelsbrüsten den wohl dreistesten Asset-Diebstahl der letzten Jahre.

League of Angels: Wie ein ideenloses MMO die Konkurrenz beklaut (Update)

Zum Ersten mal ist mir das rundenbasierte Browser-Rollenspiel League of Angels im Februar dieses Jahres aufgefallen, als ich harmlos auf Metacritic die ersten Wertungen für Thief nachschlagen wollte. Rechts in der Sidebar prangte die Werbeanzeige. Mitten in der Anzeige? Prangten die überdimensional großen Brüste eines Engels. Damit das Browserspiel sämtliche Aufmerksamkeit der Seitenbesucher - und damit leider auch meine - auf sich ziehen konnte, war die Anzeige vorsichtshalber animiert. Keine flatternden Flügel, kein zwinkernder Engel, nein. Nur die Brust-Partie der Dame bewegte sich ziemlich unnatürlich:

Über Twitter machte ich sofort meinem Ärger über den sexualisierten Werbe-Content Luft. Dass wir nach der ganzen Sexismus-Debatte in dieser Branche noch solch dreist-schlechten Lockmittel finden würden, machte mich zwar wütend, überraschte mich angesichts des pornofizierten Internets allerdings nicht. Und so kam es, dass mir League of Angels einen Tag lang Diskussionsmaterial lieferte, dann aber dank seiner Irrelevanz wieder in Vergessenheit geriet. Für eine Weile jedenfalls.

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Dreist geklaut: 12 Spiele-Klone, die Erfolgskonzepte fast eins zu eins kopieren.

Brauchst du eine Pause von LoL?

Um genau zu sein: Bis Mitte Mai. Da stolperte ich erneut über League of Angels - diesmal allerdings in einem komplett anderen Kontext. In meinem Facebook-Stream buhlte der Titel um League-of-Legends-Spieler, die womöglich Genug von (Jungle-Monster Baron) Nashor hatten und eine Pause vom beliebten MOBA brauchten. Wenngleich die Herabsetzung des Spiels der (Nicht-mal-)Konkurrenz ziemlich frech ist, wird es erst richtig dreist, wenn man sich die verwendeten Werbebilder von League of Angels ansieht:

Der fiese Bär im Hasenkostüm, der ein kleines Mädchen in blauem Kleid auf dem Arm trägt, ist sicherlich ein schöner Blickfang für Fantasy- und Alice-im-Wunderland-Fans, die durch ihren Facebook-Stream scrollen. Er ist vor allen Dingen aber komplett (und dann auch noch richtig offensichtlich und dumm) geklaut: Das Original stammt aus genau der Konkurrenz, die League of Angels in seiner Anzeige denunziert. Annie im Wunderland ist ein Skin für Annie aus League of Legends, der bereits im August 2010 veröffentlicht wurde.

Copy / Paste

Jetzt war ich neugierig: Ist die Firma hinter League of Angels nur dann dreist, wenn es darum geht, ahnungslose Spieler in ihren Bann zu ziehen? Hatten sie vielleicht sogar eigene Ideen für das beworbene Spiel? Pustekuchen! Auch bei den im Spiel auswählbaren Heroes wurde fröhlich weiter geklaut. Einige Beispiele:

Als wenn es dann nicht langsam endlich mal genug wäre, täuscht League of Angels nun seit Juni mit weiteren geklauten Assets - diesmal sogar noch offensiver: Statt wie bisher Artworks zu kopieren und leicht abzuwandeln, sieht man in dieser Anzeige nun einen direkten Screenshot aus dem Client von League of Legends - die Skin-Auswahl vom bekannten Champion Teemo. Den Emo-Skin gibt es im Spiel allerdings nicht. Hier wird neben Riot Games zusätzlich auch gleich noch ein Reddit-User seines aufwändig erstellten Fan-Artworks beraubt.

Die Aufforderung der Anzeige: Teemo in League of Angels ganken. Was obendrein natürlich völliger Quatsch ist, da weder Teemo noch Gank-Möglichkeiten bei LoA auftauchen.

loa_werbung

Dass Werbung im Internet auch schnell mal unseriös sein kann, wissen wir ja. Bei so viel Dreistigkeit solltet ihr - egal wie viele Brüste LoA denn nun zu bieten hat - die Finger von dem Spiel lassen. Wenn das Studio bei seiner Werbung nicht mal vor einer solch schlechten und offensichtlichen Kopie Halt macht, um an Spieler zu kommen, will ich gar nicht wissen, was sie mit euren Daten und eurem Geld anstellen.

LoA, oder: League of Assholes

Bei R2Games bzw. Reality Squared Games, das für League of Angels verantwortliche Publisher, arbeiten scheinbar nicht nur LoL-Fans. Auch Dead or Alive gehört zu den Titeln, die ihre Assets unfreiwillig an den in China ansässigen Publisher verliehen haben. Mit folgender Anzeige wirbt LoA - was man inzwischen auch einfach mit League of Assholes übersetzen könnte - auf NeoGAF, YouTube und weiteren Seiten:

League of Angels Ripoff

Da ist es dann auch nicht mehr verwunderlich, dass R2Games auf ihrer Webseite unter Job-Angeboten nach einem Creative Director und Game Designern sucht - wenn sie ja offensichtlich selbst so gar nichts auf dem Kasten haben.

Update vom 06. Juni 2014

Inzwischen hat R2Games im offiziellen Forum des Spiels Stellung zu meinem Artikel bezogen. Offenbar will man mit den Entwicklern reden, um den Inhalt des Spiels anzupassen. Außerdem streitet der Publisher ab, mit der geschalteten Werbung in Zusammenhang zu stehen.

R2Games_Statement

Wie gut kennst du League of Legends? (Quiz)

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