LEGO-Games: Zu gut, um nur Werbung zu sein

Björn Rohwer 1

Ob  Battlefield 1, The Legend of Zelda oder Halo – keine dieser großen Videospielserien kommt an die Verkaufszahlen der LEGO-Games heran. Doch wie wurde aus einem einfachen Spielzeughersteller eine der wichtigsten Medienmarken?

The LEGO BATMAN MOVIE - Trailer.

Im Video: Der Trailer zum neuen LEGO BATMAN MOVIE

Wer für die Marke LEGO vor 15 Jahren den Aufstieg zu einem der erfolgreichsten Videospiel-Franchises prophezeit hätte, wäre wahrscheinlich selbst von der Führungsriege des dänischen Spielzeugherstellers belächelt worden. Videospiele waren damals die Konkurrenz – einer der Gründe, weshalb es LEGO so schlecht ging. 1998 machte die Traditionsmarke zum ersten Mal in der Firmengeschichte Verluste und der erste Versuch mit eigenen Videospielen dagegen zu steuern, scheiterte. Nach dem Motto „Viel hilft viel“ veröffentlichte die regelmäßig umbenannte Gaming-Sparte von LEGO ganze 25 Titel zwischen 1995 und 2002. LEGO Island und LEGO Racer fanden durchaus ihre Fans, aber die meisten dieser Spiele erfüllten nicht die Verkaufserwartungen.

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Nachdem die Verluste immer größer wurden und LEGO kurz vor dem Bankrott stand, wurde die unprofitable Videospiel-Sparte LEGO Interactive 2002 geschlossen. Hier hätten alle Beteiligten einen Schlussstrich ziehen können – LEGO würde auch heute nur für Steine stehen und die Mitarbeiter von LEGO Interactive hätten sich neue Arbeitgeber gesucht. Lizenzspiele zu einer Spielzeugfirma hätte die Gaming-Welt sicher nicht vermisst – sie kannten schließlich noch nicht das letzte Projekt von LEGO Interactive.

Charaktere

Die Briten eilen zur Rettung

Kurz vor der Schließung ihrer Abteilung hatten einige LEGO-Interactive-Manager den britischen Entwickler Traveller’s Tales ins Boot geholt. Das Team war gleichermaßen bekannt für familienfreundlichen Spaß wie für ihre gelungenen Lizenzumsetzung – so veröffentlichten sie zuvor unter anderem Spiele zu Findet Nemo, Toy Story 2 und arbeiteten an Sonic-the-Hedgehog-Titeln mit. Für LEGO sollten sie nun ein besonderes Lizenzkunststück vollführen und in ihrem neuesten Videospiel die Marken LEGO und Star Wars verbinden. Seit 1999 verkaufte LEGO bereits passende Baukästen, aber bereits der Weg zu dieser Kooperation war steinig. Die Führung des Bausteinherstellers hatte Bedenken, in Zukunft die Marke LEGO direkt neben dem Wort „War“ im Spielzeugregal zu lesen. Nach langem Zögern gingen sie den Deal ein – allerdings sollte folgende Prämisse von Søren Torp Laursen, dem damaligen Senior Vice President, stets über der Kooperation stehen: „Gewalt werde niemals explizit dargestellt, sondern immer humorvoll aufgelöst.“ Eben diesem Leitsatz folgte auch Traveller’s Tales mit ihrem Umsetzung von LEGO Star Wars.

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Als das kleine Entwicklerteam den ersten Prototypen präsentierte, waren sowohl die anderen Teams bei Traveller’s Tales als auch die Manager von LEGO Interactive komplett begeistert. „Wir wussten, dass wir da auf einem guten Weg waren, aber wir wussten nicht, ob auch alle anderen das verstehen würde“, erzählte Tom Burton, Gründer von Traveller’s Tales. Der Veröffentlichung kam dann aber wie bereits erwähnt LEGOs Firmenpolitik in die Quere. LEGO Interactive wurde geschlossen und alle Projekte vorerst auf Eis gelegt – fast alle. Einige der frisch entlassenen Manager wollten das vielversprechende Projekt nicht so schnell aufgeben und suchten nach eigenen Wegen in den Handel. Heraus kam der Publisher Giant Interactive, der fortan die exklusiven LEGO-Rechte für den Videospielmarkt hielt und gemeinsam mit Traveller’s Tales weiter an LEGO Star Wars arbeitete. 2005 erschien schließlich das fertige Spiel – es war der Startpunkt einer richtigen LEGO-Welle.

HarryPotter

Zauberer, Fledermäuse und Co

Aus dem Stand gelang es dem Titel immerhin auf den 13. Platz der gesamten Verkaufscharts des Jahres 2005 zu klettern – noch vor Blockbustern wie Resident Evil 4, God of War und Forza Motorsport. Hier wurde nicht nur LEGO wieder hellhörig – mit Warner Bros. interessierte sich plötzlich ein richtiges Entertainment-Schwergewicht für die Marke LEGO. 2007 kaufte Warner Bros. Entertainment Traveller’s Tales für knapp 100 Millionen Pfund auf. In der Zwischenzeit konnte das britische Entwicklerstudio mit dem Release von LEGO Star Wars II zeigen, dass ihre Formel für mehr als ein One-Hit-Wonder nutzbar war.

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So richtig legte das Studio dann aber erst nach der Übernahme durch Warner los. Jetzt wurden ausschließlich LEGO-Spiele produziert und sich einmal durch die Kinolandschaft geforstet. Ob DC oder Marvel – ob Harry Potter oder Herr der Ringe – ob Fluch der Karibik oder Indiana Jones – alles was im Kino Rang und Namen hatte, wurde LEGOisiert. Das Ergebnis waren nahezu perfekte Kinderspiele. Wo die Originalfilme auch mal düster wurden, glänzten die LEGO-Versionen mit Slapstick und Albernheiten. Jede große Explosion wird zu einem Hagel von kleinen Steinen und auch brutale Szenen, in denen  den Helden Körperteile abfallen, sind in der LEGO-Optik einfach nur witzig. Viele der ikonischen Szenen der Filmgeschichte wurden genommen und mit einem eigenen LEGO-Twist versehen – selbstironisch, aber gleichzeitig mit Respekt vor dem benutzten Franchise.

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