LiS – Before the Storm: Selten hat mich ein Spiel so gut verabschiedet

Lisa Fleischer 2

Mit der Bonus-Episode Lebewohl findet die Geschichte von Max und Chloe ein ungewöhnliches Ende. Es zeigt, dass Abschiede weh tun – verrät aber auch, wie wir damit umgehen können. Perfekt für mich, die ansonsten nur schwer Lebewohl sagen kann.

Life is Strange: Before the Storm – Bonusepisode – Lebewohl.

Ich kann mich nicht trennen. Hat mich eine Geschichte erst einmal gepackt, lässt sie mich auch nach dem Ende oft nicht mehr los. So kommt es, dass ich Uncharted 4 aufgrund der sympatischen Charaktere schon vier Mal durchgespielt habe. Lieblingsfilme wie Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt und Mein Nachbar Totoro habe ich sogar schon so oft angeguckt, dass sich deren Counter inzwischen bestimmt schon im dreistelligen Bereich befindet. Und längst begrabene Freundschaften versuche ich regelmäßig noch einmal zu beleben – einfach, weil ich nicht verkrafte, dass es eigentlich zu Ende ist und das die Schuld daran vielleicht auch bei mir liegen könnte.

Life is Strange: Die nächste Geschichte, von der ich mich nicht trennen kann

Auch das erste Life ist Strange habe ich zwei Mal durchgespielt. Anders als für viele meiner Freunde war ich nicht der Meinung, das Spiel sei in sich abgeschlossen. Als Before the Storm angekündigt wurde, freute ich mich umso mehr darauf, mehr aus dem Universum erleben zu dürfen. Da Chloe für mich ein durch und durch interessanter Charakter war, der im ersten Teil leider gefühlt viel zu wenig Hintergrundgeschichte mit sich brachte – mein Wissensdurst war einfach nicht zu stillen – erwartete ich vom Spiel einfach alles.

Was hat es mit der Freundschaft zwischen Chloe und Rachel auf sich? Wer ist überhaupt diese mysteriöse Rachel, deren Hintergrundgeschichte sich auf ein paar Charakteristika, aber nichts Konkretem beläuft? Wann wird Chloe zu einem solch vorlauten und unhaltbaren Mädchen, das sie im ersten Teil ist? Und warum ist sie am Anfang so sauer auf und fordernd zu Max? Schließlich lernen wir sie als sehr rücksichtsvoll und nett kennen – was muss sie angestellt haben, dass ihr Chloe nicht verzeihen kann? Oder war Chloe schon immer so, wie sie jetzt ist? Und warum waren sie und Max dann überhaupt ach so gute Freundinnen in ihrer Vergangenheit?

Viele dieser Fragen werden mit den drei Episoden von Before the Storm geklärt. Andere reißt das Prequel nur an. Komplett zufrieden zurückgelassen hat mich Before the Storm also auch nicht – zumindest vorerst. Nach Ende der dritten Episode hatte ich zwar keine Zeit, alles noch einmal zu spielen. Dafür lief der Soundtrack bei mir ständig rauf und runter, nicht nur einmal erwischte ich mich dabei, wie ich über die Charaktere nachdachte und mir wünschte, noch einmal in ihre Welt abtauchen zu können.

So gut hat mir LiS: Before the Storm letzten Endes gefallen*

Wenn der Anfang zum Ende wird

Umso mehr fieberte ich deshalb auf die Bonus-Episode Lebewohl hin. Lange war nichts über die Episode bekannt. Dann wurde der erste Trailer veröffentlicht. Er gab nicht nur das Release-Datum am 6. März bekannt, sondern gab auch erste Einblicke in die Geschichte. Ein letztes Mal wollten mich die Entwickler in die Welt von Chloe und Max ziehen – dieses Mal in deren Kindheit, kurz vor Max Umzug nach Seattle.

Die letzte Episode beginnt genau dort, wo auch der chronologische Anfang der Geschehnisse in Life is Strange liegt: An dem Tag, an dem Max Chloe von ihrem Umzug berichten möchte. Es fällt ihr sichtlich schwer, von ihrer besten Freundin Abschied zu nehmen. Schließlich weiß sie nicht, wann und ob sich die beiden noch einmal begegnen werden. Sie hat also dasselbe Problem wie ich – und macht es mir damit erstaunlich einfacher, mit dem Thema umzugehen.

Denn genau wie ich zögert auch Max den Abschied immer wieder hinaus, will mit ihrer besten Freundin noch einen letzten, wunderschönen Tag erleben. Weil ihre Mutter sie dazu verdonnert hat, muss Chloe ihr Zimmer aufräumen, Max bleibt dabei immer an ihrer Seite. Die beiden entdecken dabei zahlreiche Relikte ihrer Freundschaft: Tagebücher, selbstgemalte Bilder und eine eigens bespielte Kassette. Darauf finden sie ein Rätsel vor, das die beiden vor Jahren für ihre zukünftigen Ichs vorbereitet haben.

Und so beginnt eine Schatzsuche, die die beiden noch mehr in Erinnerung schwelgen lässt – und die mich selbst noch einmal in meine eigene Kindheit zurück versetzt. Da wäre die unglaubliche Kreativität, die die beiden miteinander verbindet, die Lust, Abenteuer zu erleben und der Glaube, dass alles immer so bleiben wird, wie es aktuell ist – noch völlig im Unwissen darüber, dass das Schicksal oft alles ganz anders bringt.

So selten und so gut: Runde Geschichten

Das müssen auch Chloe und Max feststellen, werden sie in der knapp eine Stunde langen Episode doch nicht nur einmal mit schweren Schicksalsschlägen konfrontiert. Diese erklären dann auch, warum Chloe und Max genauso sind, wie wir sie aus den vorherigen Episoden kennen, warum Chloe Max Anfangs so fordernd entgegentritt und warum Max dem allen nachkommt, ohne es in Frage zu stellen.

Das ist aber längst nicht alles; obwohl die Episode kürzer ist als die vorherigen, klärt sie dich darüber auf, warum Chloe ihren verstorbenen Vater so schmerzlich vermisst. Sie erzählt, warum sie auf der Blackwell Academy war, obwohl sie doch später so schlecht in der Schule ist. Und vermittelt endlich, warum alles letzten Endes beziehungsweise ganz am Anfang auf den Tod eines zentralen Charakters hinauslaufen muss.

Als ich Life is Strange zum ersten Mal durchgespielt hatte, wollte mir dieser Tod einfach nicht von den Fingern gehen, beim zweiten Mal habe ich ihn noch weniger verstanden, er ließ mich tatsächlich in Tränen aufgelöst auf der Couch zurück.

Nicht die Lösung des Problems, aber ein Schritt in die richtige Richtung

Nach Ende der Episode Lebewohl flossen bei mir zwar auch die Tränen, ich hatte mich jedoch endlich mit allem abgefunden. Ich werde Life is Strange jetzt nicht noch einmal spielen. Ich habe schlicht nicht mehr das Bedürfnis, mehr über Chloe und Max wissen zu müssen. Nicht nur die beiden Charaktere haben sich voneinander verabschieden können, auch ich konnte das. Ich habe abgeschlossen.

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Das heißt nicht, dass ich nie wieder Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt sehen werde. Es heißt auch nicht, dass ich ab sofort kein Spiel mehr doppelt spielen werde. Und sicherlich kann ich innerlich immer noch nicht Abschied von der ein oder anderen vergangenen Freundschaft nehmen. Ich weiß jetzt aber auch, dass das okay ist.

Ja, Abschied nehmen ist nicht einfach. Es wird mich niemals voll und ganz zu frieden zurück lassen, ich werde mir immer Gedanken darüber machen, ob dies nun die richtige Entscheidung war oder nicht. Aber ich weiß jetzt, so oder so: Das Leben geht für uns beide weiter. Also werde ich versuchen, es wenigstens im Guten Enden zu lassen. Mit einem Knall, viel Spaß und tollen Momenten, an die ich mich gerne zurück erinnere. Eben so wie in Life is Strange: Before the Storm – Lebewohl!

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