Magic the Gathering: Pro-Spieler boykottiert die Weltmeisterschaft

Alexander Gehlsdorf 2

Gerry Thompson, einer der erfolgreichsten Magic-Spieler der letzten Jahre, boykottiert die Weltmeisterschaft des Sammelkartenspiels, um gegen den aktuellen Zustand der professionellen Magic-Szene zu protestieren. Allerdings sorgt auch eine umstrittene Kooperation mit Amazon für viel negative Kritik an Publisher Wizards of the Coast.

Magic: The Gathering Arena | Dürfen wir Vorstellen.
Die jährliche Weltmeisterschaft von Magic the Gathering, innerhalb der Szene schlicht als Worlds bekannt, fand am vergangenen Wochenende in Las Vegas statt. Du hast davon nichts mitbekommen? Keine Sorge, denn das obskure nicht-Bewerben des Events hat sich in den letzten Wochen auf Twitter bereits zum Insider Witz verselbstständigt und steht metaphorisch für den umstrittenen Zustand, in dem sich die professionelle Magic-Szene aktuell befindet.

Was hingegen für mehr Schlagzeilen gesorgt hat als die Veranstaltung selbst: Gerry Thompson, einer der 24 qualifizierten Spieler für das Turnier, gab am Freitag bekannt, dass er in diesem Jahr nicht teilnehmen wird. In einem Reddit-Threat erläutert er seine Beweggründe:

  • Professionelle Magic-Spieler werden nicht bezahlt. Das sei keine Voraussetzung, jedoch sorgen die hohen Kosten und der immer schwieriger werdende Qualifikationsprozess dafür, dass kein Anreiz geschaffen wird, Magic-Spieler zu werden.
  • Wizards of the Coasts bewirbt sowohl Events als Pro-Spieler nicht. Kaum jemand wusste, dass Worlds stattfindet, geschweige denn welche 24 Spieler teilnehmen.
  • Schlechte Kommunikation des Unternehmens.
  • Unzureichende Kapazitäten der Pro Tour und immer schwieriger werdende Qualifikation, insbesondere außerhalb der USA.
  • Miserable Berichterstattung und kontraproduktive Auswahl an Spielformaten.
  • Cheater werden nicht hart genug bestraft.

Besonders die Auswahl der Spielformate sorgte in den vergangenen Monaten auch unter den Fans für Verwirrung. So wurde im Rahmen des Silver Showcase Anfang August das Set Beta gespielt. Eingeladen wurden unter anderem bekannte Hearthstone-Streamer wie Amaz, um Magic the Gathering auch einem breiteren Publikum bekannt zu machen.

Das absurde daran: Das Beta-Set wurde seit 1993 nicht mehr gedruckt und die Regeln des Spiels haben sich seitdem stark geändert. Neueinsteiger haben dementsprechend Schwierigkeiten dem Spielverlauf zu folgen, während Interessenten nie die Möglichkeit haben werden, das vergriffene Set selbst zu spielen.

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25 Jahre Magic The Gathering: Das waren die Höhepunkte.

Auch die Auswahl der Formate der Weltmeisterschaft sorgte für Stirnrunzeln. Statt auf das nicht-rotierende Format Modern zu setzen, wurde das praktisch tote Standard-Format gespielt, das in weniger als zwei Wochen(!) rotiert und voraussichtlich alle der gezeigten Decks aus dem Metagame entfernen wird.

Gegenüber Kotaku erklärte Thompson, dass er die Entscheidung Worlds zu boykottieren bereits vor über einem Monat gefällt hat. Mit seinem Protest bis zum ersten Turniertag zu warten, habe er bewusst kalkuliert, da Wizards of the Coast an diesem Punkt keinen Spielraum hinsichtlich der Turnier-Organisation mehr hat und sich öffentlich zur Abwesenheit von Thompson äußern muss.

Auf Twitter reagierte Wizards of the Coast mit einem kurzen Statement, in dem Thompsons Entscheidung bedauert wird, jedoch ohne konkret auf die Vorwürfe einzugehen.

Magic - The Gathering: Amazon-Partnerschaft sorgt für weitere Kritik

Allerding war Thompsons Boykott nicht das einzige Thema, was unter Magic-Spielern an diesem Wochenende für Aufregung sorgte. Auf der offiziellen Webseite gab Wizards of the Coast bekannt, dass in Zukunft Magic-Produkte auch direkt über Amazon verkauft werden.

Zum Vergleich: Das Bestellen von Produkten auf Webseiten wie cardmarket.de oder auch Amazon war bisher zwar möglich, allerdings wurde auf den entsprechenden Webseiten direkt an die jeweiligen Game Stores weitergeleitet. Diese sind auf den Verkauf von Magic-Produkten und Einzelkarten finanziell angewiesen, das bloße Veranstalten von Turnieren bringt den Läden kein Geld.

Sobald jedoch Amazon in der Lage ist, Magic-Produkte direkt zu verkaufen, werden sie in der Lage sein, die Preis der Game Stores signifikant zu unterbieten. Das könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass diverse Game Stores Magic nicht weiter anbieten können beziehungsweise sogar ganz schließen müssen.

Wedge vom YouTube-Kanal TheManaSource, der erst im Juni durch Spenden der Magic-Community eine lebensnotwendige Rückenoperation bewältigen konnte, hat die Situation in einem aktuellen Video zusammengefasst.

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