Mario Kart 8 Test: Die Rückkehr der blauen Bedrohung!

Thomas Goik 31

Es ist höchst faszinierend, wie ein Spiel bereits nach drei kurzen Sekunden die Augen seiner Spieler vor lauter Fahrfreude zum Funkeln bringen kann. „Mario Kart 8“ macht sofort Spaß. Weil es bekannten Mechanismen folgt, weil es diese sinnvoll erweitert und weil Entwickler Nintendo am altbewährten Spielprinzip wenig geändert hat. „Mario Kart 8“ frustriert aber auch, weil es nicht aus den Fehlern der Vergangenheit lernt. Unfehlbar ist der Genre-Primus nämlich nicht und es stellt sich mir die Frage: Ist „Mario Kart“ überhaupt noch der König der Fun-Racer?

Nach den ersten Rennen durch eine der 16 neuen Strecken möchte man diese Frage sofort bejahen. Was da an kreativer Kursgestaltung abgeliefert wird übertrifft sogar das ohnehin schon großartige Angebot der Vorgänger. Das liegt mitunter an der neuen Anti-Gravitations-Mechanik, die es Mario und Co. erlaubt an Wänden und sogar an der Decke zu fahren. Die neuen Strecken sind dementsprechend wild, verdreht, aufregend. Da gibt es Verfolgungsjagden über Luftschiffe, Rasereien auf aktiven Flughäfen oder die Abfahrt auf einer verrückten Ski-Piste. Eines meiner Highlights ist die wohl beste Bowser-Stage aller Mario Kart-Teile, in der eine riesige Stein-Version des Obermotzes auf die Strecke schlägt und selbige zum Wabern bringt.

Mario Kart 8 - Video-Review.
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Neben den neuen Tracks gibt es natürlich wieder 16 altbekannte Strecken aus den Vorgängern, die um neue Details erweitert wurden. Trotz dieser Sanierung fallen manche der Pisten aus der SNES-, N64- oder Wii-Version im Vergleich zu den grandiosen neuen Strecken ab. Gerade die Staubtrockene Wüste oder die Donut-Ebene sind regelrecht langweilig.

Ebenfalls in die Kategorie „öde“ fallen die freischaltbaren Charaktere. Insgesamt stehen am Ende 30 Recken zur Auswahl, ein Großteil davon will erst freigeschaltet werden. Meine Freude hielt sich allerdings in Grenzen, als ich insgesamt sieben Mal einen der Koopalinge freispielte. Aber auch sonst sind mit Charakteren wie Rosalina oder Metal Mario keine großen Überraschungen dabei. Warum nicht mal über das Mario-Universum hinaus gehen und Fahrer wie Toon Link, Captain Falcon oder Fox etablieren, Nintendo?

Zum Thema: Mario Kart 8: Freischalten aller Charaktere und Autoteile

Deutlich spannender wird es bei den individualisierbaren Karts. Wie schon in „Mario Kart 7“ kann ich auch im neusten Ableger der Spaß-Raserei meinen fahrbaren Untersatz aus insgesamt drei Teilen selbst zusammenstellen. Durch das Aufsammeln auf den Strecken verteilter Münzen werden nach und nach neue Teile freigeschaltet, teilweise mit herrlich beklopptem Design. So sitzen Mario und Co. etwa in einem fahrenden Turnschuh oder einem kleinen Holzschiff, während das Segel zu einer riesigen Blume oder einer Bowser-Decke wird. Natürlich hat jedes Teil seine eigenen Vor- und Nachteile in den Kategorien Tempo, Beschleunigung, Gewicht und Co. – lediglich die Status-Werte der Fahrer werden nicht transparent genug angezeigt.

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Momente in Videospielen, die 90er-Kinder bis heute kennen.

Mario Kart 8
Mit Bumerang und Piranha-Pflanze!

Neue Items, die man seinen bangenden Gegnern mit einem fetten Grinsen im Gesicht gegen das Kart ballern kann, gibt es natürlich auch. Der Bumerang erlaubt drei gezielte Würfe nach vorn oder nach hinten und ist im Einsatz ein wahres Vergnügen. Die neue Piranha-Pflanze schnappt bei Aktivierung mehrmals wild nach vorn und verleiht so kleine Geschwindigkeits-Schübe, außerdem beißt sie in der Nähe befindliche Konkurrenten und wehrt andere Gegenstände ab – auch dieser Neuzugang im Arsenal ist sehr willkommen.

Noch viel willkommener ist das rote Horn, das bei Aktivierung andere Fahrer in der direkten Umgebung zum Drehen bringt und feindliche Items zerstört. So sollte es jedenfalls sein, denn mit dem Ding lassen sich sogar die gefürchteten blauen Panzer abwehren, die zielstrebig den Erstplatzierten verfolgen und ihn nach dem Aufprall stark verlangsamen. In meiner Spielerfahrung war es aber so, dass ich so gut wie nie das neue Horn-Item bekam, wenn ich gerade in Führung lag und somit ein potentielles Ziel für die immer noch recht häufigen blauen Geschosse darstellte. Das ist schade, denn endlich eine Antwort auf den berüchtigten blauen Panzer zu haben wäre ein Segen für die Spielbalance und das Frustlevel jedes halbwegs ehrgeizigen „Mario Kart“-Spielers. So bleibt der blaue Panzer nach wie vor eine unfaire Waffe.

Neben altbekannten Items wie grünen und roten Panzern, Bananenschalen, Feuerblumen und Co. kehren auch die Münzen zurück – der wohl langweiligste aller „Mario Kart“-Gegenstände. Ein kleiner Boost und eine Stelle mehr auf dem Münz-Zähler bringen die Dinger, was sich im Einzelnen nicht großartig auswirkt. Auf den ersten Plätzen kriegt man die güldenen Teile blöderweise viel zu oft – selten konnte die Führung in einem „Mario Kart“-Spiel so langweilig werden wie hier.

Mario Kart 8
Spielmodi-Einöde?

Auch in anderen Bereichen glänzt „Mario Kart 8“ nicht gerade mit Mut zum Neuen: Die Spielmodi bedienen Standards wie Time Trials, Grand Prix-Rennen und Ballon-Kämpfe. Letztere finden nicht in Arenen, sondern lediglich auf normalen Strecken statt. Dadurch wirken die sonst so spannenden Geplänkel weniger direkt, weil man seine Kontrahenten erst langwierig suchen muss. Dass auch „Mario Kart 8“ wieder eine Gummiband-KI einsetzt, dürfte wohl nur die wenigsten Spieler überraschen: Ich würde mir für ein besseres Singleplayer-Erlebnis endlich auch eine künstliche Intelligenz wünschen, die mir nicht nur weil sie schummelt an der Ferse klebt.

Neu sind übrigens die Highlight-Videos, die nach jedem Rennen dynamisch zusammengestellt werden. Diese kleinen Clips lassen sich leicht bearbeiten und sogar hochladen, Lieblings-Momente gehen  also nicht verloren. Zwar ist es nicht immer einfach, die gewünscht Stelle in einem Video auch zu finden, trotzdem gefällt mir die Share-Funktion.

Technisch mag „Mario Kart 8“ keine Bäume ausreißen, trotzdem sieht es grandios aus. Die visuelle Gestaltung der Strecken könnte kreativer kaum sein, die Animationen der Fahrer sind liebevoll, die Effekte gewaltig. Es macht einfach schon Spaß, diesem Spiel zuzusehen. Und es macht fast noch mehr Spaß, „Mario Kart 8“ zuzuhören – der Soundtrack besticht mit seinen großartigen Remixes bekannter Melodien und seinen neuen Tracks.

Mario Kart 8

UPDATE: Der Online-Modus

Inzwischen hatte ich auch die Gelegenheit, den Online-Modus von „Mario Kart 8“ ausführlich zu spielen. Leider strotzt Nintendo auch hier nicht gerade mit einer Vielfalt an Spielmodi. Rennen nach Rang, ganz normale Rennen und Turniere sind die Optionen für Online-Raser in „Mario Kart 8“. Verbindungsprobleme habe ich bei meinen Besuchen der Rainbow Road via Internet nicht erlebt, alles lief butterweich und problemlos. Kommunikation im Online-Modus funktioniert via vorgefertigten Text-Nachrichten in der Lobby, in der sich mehrere Miis treffen und für die nächste Rennstrecke abgestimmt wird.

Voice Chat ist nur in Lobbies möglich, die aus Online-Freunden bestehen – mit Fremden quatschen ist also nicht möglich, auch nicht via Chat. Die von Spielern erstellten Turniere sind eine gute Möglichkeit, Communities zu bilden – so sieht man jetzt schon verschiedene große Magazin- oder Let’s Player-Namen unter den vorhandenen Turnier-Varianten. Da kann man dann auch eigene Regeln erstellen, also Items beschränken, KI-Gegner festlegen oder bestimmen, in welcher Klasse gefahren wird.

Der Online-Modus von „Mario Kart 8“ ist gelungen, überrascht aber nicht gerade mit cleveren Zusatz-Features. Warum gibt es keine Möglichkeit zur Facecam via Wii U Gamepad? Warum keine Spiel-Modi à la Ballon-Ballerei? Löblich ist immerhin, dass man den Online-Modus auch mit einem Koop-Partner auf der Couch starten kann. Am meisten Spaß macht „Mario Kart 8“ mit Freunden – das gilt auch für den Online-Modus.

Fazit:

Grandioses Streckendesign, eine berauschende Präsentation und ein gewohnt spaßiges Fahrgefühl: „Mario Kart 8“ ist vor allem im Multiplayer mal wieder eine Wucht – und überrascht damit genau niemanden. Bis auf Fortschritt in der Streckengestaltung bleibt das neue „Mario Kart“ auf der Stelle stehen und bietet wenig Neues. Altlasten wie eine wenig nachvollziehbare KI oder wackeliges Item-Balancing haften auch am achten Teil des beliebten Fun Racers. Dem unumstößlichen Spielprinzip stehen diese Mängel aber kaum im Weg, „Mario Kart 8“ macht auch in HD einfach wieder Spaß.

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