Mario Party 10 Test: Die Party ist vorbei!

Martin Küpper 5

Ach, Mario Party… du standest mal für Spielspaß und große Emotionen! Du warst der König der Schadenfreude und wir haben dich so unfassbar ernst genommen, dass wir sogar bereitwillig unsere Handfläschen blutig gespielt haben! Aber das ist lange her. Sorry Mario Party 10 – aber du bist echt kein Partystar!

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Änderungen am Konzept von lang bewehrten und beliebten Reihen sind immer eine heikle Angelegenheit. „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.“ – ein Sprichwort das auf Gamer gefühlt ganz besonders zu passen scheint. Auch Nintendo dürfte das mit Mario Party 9 zu spüren bekommen haben, denn dessen zahlreiche Veränderungen am Grundgerüst der Party-Reihe wurden sehr kontrovers aufgenommen. Ich persönlich sah Teil 9 jedoch zumindest im Ansatz als gutes Experiment, als Schritt in die richtige Richtung, da Mario Party den frischen Wind meiner Meinung nach bitter nötig hatte. Fand ich deshalb alles gut? Bei weitem nicht! Aber ich war mir sicher: Nintendo würde die Fehler schon erkennen, ausmerzen und mit Mario Party 10 endlich mal wieder einen richtig gelungenen Party-Kracher abliefern! Leider hat sich diese optimistische Vorhersage nicht bewahrheitet. Nicht mal im Ansatz, wenn ich ehrlich bin.

Mario Party 10 Gameplay.

Mario Party 10: Mit der Fahrgemeinschaft übers Brett!

In Mario Party 10 hat sich zu wenig getan. Eigentlich hat sich gar nichts getan. Klar, es gibt neue Spielmodi (dazu später mehr), doch das eigentliche Kern-Gameplay ist quasi genau wie in Mario Party 9. Im Guten, wie eben auch im Schlechten.
Wie bereits in Mario Party 9, durchstreift man die Spielbretter auch im zehnten Ableger nicht auf Schusters Rappen, sondern ist zusammen mit seinen Mitstreitern in einem Fahrzeug unterwegs. Eine Entscheidung, die mit Sicherheit polarisieren wird, schließlich wurden die Fahrzeuge schon beim Vorgänger eher verhalten aufgenommen. Als Konsequenz sind die Spielbretter nun auch nicht mehr offen gestaltet: ihr folgt einem festen Weg vom Start bis ins Ziel, der sich nur hin und wieder in zwei unterschiedliche Pfade unterteilt, die nach einer Weile aber auch wieder zusammen geführt werden.

Dieser Aufbau dürfte zumindest bei konservativen Fans bereits für Kopfschütteln sorgen, doch die Sache hat durchaus auch positive Aspekte, wie etwa ein deutlich schnelleres Spieltempo. Ein gelungener Einfall sind auch die Team-Events: besonders die Boss-Kämpfe in der Mitte und am Ende jeder Map, in denen ihr gemeinsam gegen einen Gegner antretet, euch aber dennoch auch um den Sieg kebbelt.

Reine Glückssache!

Die eigentlichen Minispiele schwanken qualitativ jedoch stark. Einige machen wirklich mächtig Spaß, andere sind hingegen schaurig schwach und kränkeln mitunter zum Beispiel auch an der Steuerung. Das kennt man von Mario Party aber ehrlich gesagt leider auch nicht wirklich anders. Der eigentliche Aufreger ist für mich, dass die Gewichtung der Minispiele viel zu gering ist, denn der Einfluss auf den Ausgang des Spiels hält sich leider echt in Grenzen. Sie kommen weniger häufig vor und die Anzahl der Sterne, die man als Belohnung erhält ist viel zu mager. Nur zur Erinnerung: Sterne müssen nun nicht mehr gekauft werden. Ihr bekommt sie direkt in Minispielen, bei besonderen Events oder indem ihr sie einfach auf der Karte einsammelt. Das Problem an der ganzen Sache ist die Verteilung. Für ein gewonnenes Minispiel erhaltet ihr fünf Sterne, der Zweitplatzierte erhält drei, der Dritte zwei und der Verlierer bekommt auch noch einen Stern zum Trost. Und nun der Kontrast: Auf der Karte ist es kein großes Ding wenn ein Spieler einfach mal zehn Sterne einsammelt. Die schweben da einfach rum. Zack, zehn Sterne. Bitte sehr! Weil du gerade dran warst. Einfach so. Ach, du bist auf das Feld gekommen, dass dich nochmal zurück schickst? Na dann, hier! Noch mal zehn! Komm gerne wieder.

Wer die Minispiele gewinnt, das ist nahezu völlig irrelevant. Was auf dem Brett passiert ist viel entscheidender. Und darüber habt ihr meist keine Kontrolle. Versteht mich nicht falsch, mir ist natürlich durchaus bewusst, dass der Glücksfaktor in Mario Party immer schon eine große Rolle gespielt hat, aber hier geht es einfach völlig zu weit. Zumal man in Mario Party früher durchaus seines eigenen Glückes Schmieds war. Natürlich hatte man nicht alles unter Kontrolle – aber man konnte zum Beispiel sehr wohl im Laden gezielt einen Boo kaufen, um damit einem Mitspieler einen Stern zu mopsen. Das war dann eine aktive Aktion, ich habe jemandem den Stern geklaut – daraus resultiert Zündstoff. In Mario Party 10 passieren solche Dinge einfach zufällig, ohne dass irgendwer groß Einfluss darauf gehabt hätte. Persönlicher Groll richtet sich somit also höchstens gegen das Spiel, nicht aber gegen seine Mitspieler. Und es passiert so häufig, dass es mich irgendwann einfach völlig kalt gelassen hat. Glück, Pech – das sind in Mario Party 10 ständige, fast penetrante Begleiter und somit einfach keinen Aufreger mehr wert.

 

Bowser rettet die Party!

Welch Ironie: ausgerechnet Bowser - der Spielverderber vor dem Herrn - rettet Mario Party 10. Die fiese Schildkröte hat nun nämlich seinen eigenen, völlig neuen Spielmodi namens „Bowser-Party“ spendiert bekommen – und der funktioniert deutlich besser!

Ein Spieler schlüpft in die Rolle von Bowser und tritt gegen bis zu vier menschliche Kontrahenten (jap, die maximale Spielerzahl in diesem Modus beträgt fünf!) an, die auf dem Brett vor dem wütenden Reptil fliehen müssen. Dafür würfelt jeder Spieler einzeln, um das Gemeinschafts-Gefährt (das hier nun absolut sinnig ist!) möglichst weit voran zu treiben, bevor Bowser schließlich mit mehreren Würfeln gleichzeitig versucht aufzuholen. Gelingt ihm dies, kommt es zu einem Minispiel. Diese Spiele sind alle gezielt auf diesen Modus ausgelegt: Bowser tritt mit dem GamePad gegen die vier Mitspieler an, die ganz normal mit Wii Remotes steuern. Das Ziel der Spiele ist es auch gar nicht unbedingt direkt zu gewinnen. Alle Spieler haben Herzen, die Bowser in den Minispielen reduzieren kann. Hat ein Spieler keine Herzen mehr ist er temporär Bewusstlos, bis seine Mitspieler auf dem Brett neue Herzen einsammeln konnten. Sind alle vier Spieler erledigt, hat Bowser gewonnen – erreicht auch nur einer der Spieler jedoch das Ende des Brettes, geht der Sieg an das vierer Team.

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Mario Party 10: Alle Charaktere des Wii U-Partykrachers.

Die Bowser-Party ist ein frisches Konzept, das wesentlich mehr Spaß und direkte Konfrontation mit sich bringt, als der normale Party-Modus. Sicher, perfekt ist auch dieser Modus nicht. Das größte Problem ist, dass das Spiel für besiegte Spieler recht langweilig werden kann, sollte es den Kollegen nicht gelingen neue Herzen zu ergattern. Man hat zwar lobenswerter Weise versucht dieses Problem zu umgehen, indem besiegte Spieler zumindest den Mitstreitern Spezial-Würfel ergattern können – aber so recht funktioniert das leider nicht. Ein weiteres Problem ist leider auch, dass die Qualität der Minispiele im Bowser-Party-Modus ebenfalls stark schwankt.
Zu guter Letzt noch ein paar kurze Absätze zum Amiibo-Party-Modus, den ihr nur mit Nintendos Figuren nutzen könnt (es funktionieren alle Amiibo-Figuren, die es auch als Charakter im Spiel gibt!). Der Ablauf in diesem Modus erinnert stark an frühere Mario Partys, denn hier sammelt ihr tatsächlich noch Münzen ein und könnt damit an einer bestimmten Stelle im Brett einen Stern kaufen. Leider sind die Bretter jedoch sehr einfach aufgebaut, unterscheiden sich nur geringfügig und allgemein fühlt sich der ganze Modus leider nur wie eine stark abgespeckte Version eines alten Mario Partys an, die auch alte Fans nicht wirklich trösten kann.

 

Mario Party 10 Test-Fazit:

Für Einzelspieler ist Mario Party 10 gewohnt uninteressant und Nintendo auch scheinbar gar nicht erst versucht das zu kaschieren. Die wenigen freischaltbaren Objekte, die sich tatsächlich auch lohnen, habt ihr im Handumdrehen erlangt.

Leider kann ich das Spiel aber auch an Multiplayer-Enthusiasten nicht bedenkenlos empfehlen. Der viel zu große Glücksfaktor und die daraus resultierenden Probleme sind ein absoluter Party-Killer, der sowohl in der GIGA Redaktion, als auch in meiner heimischen WG dem großen Spielspaß im Weg stand. Einzig der Bowser-Modus konnte uns zumindest ein wenig Freude bereiten. Wer Freude an Glücksspielen hat oder Multiplayer nicht im Ansatz aus kompetitiven Gründen spielt, könnte mit diesem Titel tatsächlich etwas anfangen können, alle anderen können Mario Party 10 aber getrost links liegen lassen.

Spätestens jetzt ist Nintendo also gefordert der Reihe endlich etwas mehr Aufmerksamkeit, Zeit und Budget zu schenken. Mario Party könnte so unglaublich gut sein, wenn es auch nur im Ansatz auf dem Produktions-Niveau und mit der Qualität produziert werden würde, wie Mario Kart oder Super Smash Bros. – do it Nintendo. Bitte?

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