Mass Effect - Andromeda in der Vorschau: Das Beste aus drei Spielen?

Sandro Kreitlow

Mass Effect: Andromeda hat einen schweren Stand. Mit Andromeda wird Dir zwar ein neues Universum präsentiert, doch im Titel steht nun mal der Name Mass Effect. Die Trilogie ist bekannt für die unzähligen Spezies, ihren diplomatischen sowie persönlichen Beziehungen zueinander, noch intensiveren Konflikten und das Entdecken von Welten. Doch was macht Mass Effect: Andromeda neu? 

Mass Effect Andromeda: Kampf-Gameplay.

Während der Mass Effect-Trilogie entwickelte sich Commander Shepard abhängig von Deinen Entscheidungen. Als sich die Konflikte zuspitzten, wurde die Erde von Reapern angegriffen - Eine schwerwiegende Entscheidung stand bevor. 634 Jahre später erwacht das 20.000 Mann starke Raumschiff der Menschen, die Hyperion, in einer fremden Galaxie. Von Commander Shepard kein Wort mehr. Stattdessen werden mir in der Anspiel-Demo von Mass Effect: Andromeda zu Beginn neue Charaktere vorgestellt, während ich mich nicht für einen männlichen Hauptcharakter, sondern für Sara entscheide. Sie ist eines der beiden Kinder von Alec Ryder, einem sogenannten Pathfinder der Menschen-Arche. Es gibt vier Raumschiffe. Jedes von ihnen hat einen Pathfinder, ein Exemplar der jeweiligen Spezies mit besonderen Fähigkeiten. Die drei anderen Archen sind schon längst nicht mehr erreichbar.

Lost in weightlessness

Als die Hyperion in der neuen Galaxie angekommen ist, in der neue Lebensräume für die Menschheit existieren sollen, dauert es nicht lange, ehe es verrückt spielt – Schwerelosigkeit. Nach einem kurzen Gameplay-Abschnitt in der Schwerelosigkeit des Raumschiffs entdeckt die Crew einen neuen Planeten, umhüllt von einer Energiewolke. Während Saras andersgeschlechtlicher Zwilling im Kälteschlaf verweilt und erst später eine Rolle spielen soll, schickt ihr Vater sie auf Mission, um den Habitat 7-betitelten Planeten zu erkunden. Sara und ihre Crew fliegen los. Je näher sie ihm kommen, desto respekteinflößender wird der Planet. Blitze schießen um Felsen, die frei im Himmel schweben und dem Raufschiff Probleme bereiten – Die Teile fliegen auseinander – Das Raumschiff ist havariert.

Alles neu macht die neue Galaxie?

Zwar sind seit der Mass Effect-Trilogie 634 Jahre vergangen, die Waffen und Rüstungen haben sich für den Pathfinder & Co. trotzdem nicht verändert. Technologisch ist das Arsenal aufgrund des Nickerchens der Crew nicht auf dem neuesten Stand. Deswegen sollte sich Sara als Neuankömmling auf diesem Planeten mit Ressourcen ausstatten. Mit ihrem Multifunktions-Scanner kann sie unbekannte Pflanzen oder wertvolle Materialien untersuchen. Neben den neuen Ausrüstungsgegenständen, die Sara findet, erlernt sie im Laufe des Spiels außerdem das Bauen von neuen Waffen. Und die braucht sie auch, denn schnell wird deutlich: Sara ist nicht alleine auf Habitat 7. Sie findet Alien-Technologie, ehe sie von der ihr unbekannten, animalischen Spezies angegriffen wird. Die Crew ist alles andere als herzlich Willkommen. Dieser Planet soll also die Hoffnung der Menschen, Asari, Turianer und Salarianer
sein? „Auf gar keinen Fall ist das unser zu Hause.“ Gut erkannt, Sara!

Während Blitze vom Himmel jagen, denen es auszuweichen gilt, entdeckt Sara nach und nach weitere durch die brachiale Landung verstreute Crew-Mitglieder. Zunächst läuft die Story recht linear, doch ich finde immer wieder Höhlen, die von mir untersucht werden wollen. Aber die Zeit drängt. Erneut wird die Crew von einer unbekannten, diesmal humanoid-wirkenden Spezies angegriffen, genannt Kett. Gegen sie helfen nur Nahkampfwaffen (Hämmer, Messer und Schwerter), Pistolen, Schrotflinten, Präzisions- und Sturmgewehre oder Bomben. Ich wechsle meine M3 Predator 1 Pistole per Waffenrad mit einem M8-Avenger 1 Sturmgewehr, das sich als kräftige Waffe herausstellt. Die in der Milchstraße gängigen Waffen nutzen nämlich physikalische Projektilmunition, die eine hohe Durchschlagskraft haben. Hinzu kommen Reliktwaffen, die eine hohe Feuergeschwindigkeit haben und extrem präzise schießen. Sie sind strahlenbasiert, wodurch nie die Munition ausgeht, die Waffe aber gelegentlich abgekühlt werden muss. Als dritten Typ kann die Crew Heleus-Waffen nutzen, die aus der neuen Galaxie stammen. Da sie plasmabasiert sind, feuern sie vergleichsweise langsam, profitieren aber von einem Wärmesuchsytem. Einige von ihnen gewinnen abhängig von der Dauer der Aufladung an Effizienz.

Das Jetpack bietet Sara eine neue Ebene. Sie kann damit nicht nur ausweichen, sondern auch erhöhte Plattformen und Deckungsmöglichkeiten schneller erreichen. So kann Sara sowohl hinter dem Raumschiff, als auch hinter das eigene Fahrzeug in Deckung gehen. Nachdem die Feinde erledigt sind, trifft Sara auf ihren Vater, ausgerüstet mit einem Anzug, der das N7-Logo zeigt. Ein Sturm zieht auf, peitscht Sara und ihren Vater weg – Saras Helm geht zu Bruch. Das darauffolgende tragische Ereignis macht Sara zum Pathfinder. An ihr hängt nun die Zukunft der Menschheit, während sie sich erst einmal dieselbe Anerkennung verdienen muss, die ihr Vater bekam. Ihre Aussichten? Nicht besonders positiv.

Im Gespräch mit Produzent Fabrice Condominas erfahre ich, was das Ziel des neuen Gameplay ist:

„Der Multiplayer aus Mass Effect 3 hat uns gezeigt, was Spieler mochten und was sie im Kampfsystem mochten und was nicht. Im Multiplayer gab es beispielweise Melee-Waffen. Dann merkst Du aber, dass ME3 fünf Jahre alt ist, die Industrie sich aber weiterentwickelt hat. Wir versuchen, ein Gameplay zu schaffen, das zugänglicher, angenehmer und spaßiger ist für Spieler.“

RPG-spezifische Ansätze, wie das Progression-System werden trotzdem in Mass Effect: Andromeda enthalten sein. Während des Interviews frage ich mich, wie Bioware sowohl Rollenspiel-Fans, als auch die breite Masse befriedigen will:

„Casual ist nicht unser Ziel, sondern einfach mehr Zugänglichkeit. Andromeda ist ein Bioware-Spiel. Das bedeutet, dass es massive Entscheidungen und Überraschungen geben wird. Abhängig von dem, wie Du das Spiel spielst, unterscheidet es sich von dem einen Spieler zum anderen. Das wird sich nie ändern. Unser Ziel ist es einfach, dass unsere Spiele den Leuten etwas bedeuten, ob in der Handlung oder im Gameplay. Das ist die Zugänglichkeit. Mit der Zeit wollen wir sie an Komplexität ranführen.“

Bereits in den ersten Stunden fällt das Kampfsystem tatsächlich sehr dynamisch aus. Du musst nicht mehr entscheiden, ob Dein Charakter Frontkämpfer, Experte oder Techniker ist. Feste Klassen gibt es nicht mehr. Stattdessen kann Dein Charakter alles gleichzeitig sein. Mit den Stufenaufstiegen erhälst Du Zugriff auf dutzende Fähigkeiten, indem Du Fähigkeitspunkte in bestimmte Talente investierst. Dadurch sollen über 300 Upgrades möglich sein. Dabei gibt es drei Haupttypen von Fähigkeiten: Kampf, Tech und Biotik. Wenn Du so im Verlauf des Spiels Fähigkeiten freischaltest, erhälst Du außerdem Zugriff auf Profile, die jederzeit gewechselt werden können. Davon gibt es wiederum 7 Typen. Das Profil Experte ist beispielsweise ideal für Spieler, die sich auf Biotik spezialisieren wollen. Wenn Du zusätzliche Biotik-Fähigkeiten auswählst, gewährt Dir das Experten-Profil Boni, die zu Deiner Spielweise passen. Je mehr Du in Deine Fähigkeiten investierst, desto höherwertige Profile kannst Du freischalten. In der Anspiel-Demo wird Sara so zu meinem Charakter, angepasst an meiner Art des Gameplays.

Deine Charaktere, Deine Geschichte

Auf der Reise durchs Weltall kannst Du einige Menschen und Aliens außerdem dazu animieren, sich Deiner Entdecker-Gruppe anzuschließen. Da wäre beispielsweise Asari PeeBee, die sagt, was sie denkt und nicht gerade Teamwork unterstützt. Verlässlicher ist dafür Liam, ein ehemaliger Polizist, der zwar ziemlich ungestüm, dafür idealistisch ist. An der Vielfalt der Charaktere sollte es Mass Effect: Andromeda also nicht mangeln. Im Kampf ist es wichtig, gemeinsam mit Deiner Crew zu agieren. Du kannst sie auf dem Schlachtfeld positionieren, die Verteidigung von Positionen anordnen oder sie angreifen lassen. Mit Deiner Crew kannst Du sogar verheerende Kräfte-Combos ausführen, indem ein Du oder einer Deiner Kameraden Gegner mit einem Primer für den Kill belegt. Daraufhin löst Du oder ein Mitstreiter die Detonation aus - Gegner erledigt. Jeder Deiner 6 Mitstreiter hat 3 aktive und 2 passive Fähigkeiten, die Deinen Pathfinder unterstützen und jederzeit verbessert werden können.

Die emotionalen Momente, mit der mich bereits die erste Mission begeisterte, lassen vermuten, dass Beziehungen in der Geschichte wieder viel Tiefgang besitzen. Die aus Mass Effect 2 bekannten Loyalitätsmissionen kommen auch in Andromeda wieder zum Zug. Eine Einteilung in Vorbild und Abtrünniger gibt es hingegen nicht mehr. Dafür entscheidest Du per Dialograd, ob Du gefühlvoll oder klug antworten und professionell oder lockerer wirken willst. Konversationen führst Du nicht nur auf Planeten. Eine Rebellion, die während des langen Kälteschlafs stattfand, führte zu einer Spaltung, wodurch einige Rebellen auf der Oberfläche eines Planeten, sogenannten Space-Ports leben. Diese können neben anderen Hubs wie die Hyperion erkunden werden. So triffst Du auch dort unzählige Individuen, mit denen Du kommunizieren kannst. Anders als in der Trilogie werden Hubs allerdings nicht mehr eingegrenzt. Die Spielwelt wirkt so offener, was allerdings nicht zwangsweise besser ist, wie Bioware nach Meinungen vieler Kritiker und Fans bereits bei Dragon Age: Inquisition gelernt haben sollte. Schließlich müssen Konversationen und daraus entstehende Nebenquests in solch einer großen Spielwelt interessant geschrieben sein. Wünschenswert wäre, wenn die Entwickler daraus gelernt hätten.

Das Beste aus drei Spielen trifft auf Neues

Auf der einen Seite macht es sich Mass Effect: Andromeda mit der neuen Galaxie einfach, die Geschehnisse nach Teil 3 nicht erklären zu müssen. Auf der anderen Seite bietet das neue Spiel von Bioware dem Entwicklerstudio so neue Ansätze in Gameplay und Handlung. Laut Fabrice Condominas steht die Story für sich und hat ein festes Ende, könnte aber eines Tages erweitert werden. Außerdem können die Stärken der bisherigen drei Teile genutzt werden:

„Wir wollten die besten Parts aus den drei Spielen in Andromeda packen. Zum Beispiel die Erkundung aus Mass Effect 1, die Charakterisierungen aus Mass Effect 2 und die Sauberkeit und das Gameplay von Mass Effect 3, was auf den Spieler reagiert.“

Damit lernen die Entwickler zwar aus bisherigen Bioware-Spielen, doch auch die neuen Ansätze gelingen. Den größten Vorteil, den sich Bioware durch die Abgrenzung Andromedas von der Trilogie geschaffen haben, ist wohl der unbefleckte Hauptcharakter. Während Commander Shepard von Anfang an das Zentrum der Handlung war, weißt Du als Spieler zu jeder Zeit genauso wenig, wie Sara. Schon in den ersten Stunden schafft Andromeda es dadurch, dass ich mich mit meinem Charakter identifiziere. Wir lernen und wachsen gemeinsam, die Bindung funktioniert sofort. In der Hauptstory kann insbesondere dadurch nicht viel schief gehen. Auch das gewohnt gute Gameplay mit kleinen Erweiterungen im Kampf, wie das Jetpack, scheint gut zu funktionieren. Ein wenig Sorgen bereitet einzig und allein das Questdesign. Andromeda fühlt sich sofort wie ein Mass Effect an, bietet hier und da aber doch ein paar wichtige Neuerungen. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Mix gelingt.

Mass Effect: Andromeda erscheint am 23. März 2017 für PlayStation 4, Xbox One und den PC.

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