Mass Effect - Andromeda im Test: Ein unfertiges Sci-Fi-Abenteuer

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Planetenerkundung

Um Planeten zu bereisen, steht der Crew die Tempest zur Verfügung. Mit 13 Lichtjahren pro Tag ist sie das schnellste Raumschiff ihrer Klasse. Zwischen den Missionen ist die Tempest das Zuhause der Crew. Im Meetingraum versammelt sich sie sich oder hält Videokonferenzen mit der Nexus. Im Forschungsraum lassen sich Proben und Informationen analysieren, um Waffen, Panzerungen und den Nomad zu upgraden. Der wichtigste Ort der Tempest ist jedoch die Brücke. Hier bedient der Pathfinder das Navigationssystem, wodurch jedes Ziel im Heleus-Cluster bereits angezeigt wird. Wurden die Bedingungen am Boden bestätigt, kann die Tempest landen und der Planet zu Fuß oder per Nomad erkundet werden. Letzterer stellt sich als großes Highlight des Spiels heraus. Immer wieder macht es Spaß, mit dem Nomad zum nächsten Punkt zu fahren. Der Einspritzturbo sorgt für einen kurzen Schub, die Hydraulik dafür, dass ansteigende Wege bezwungen werden können. Dank Mikrotriebwerken kann der Nomad sich zudem per Sprung aus einengenden Situationen befreien. Unnötig wird es, wenn es um die Steuerung geht. Das Fahrzeug wird mit Y (auf der PlayStation 4 mit Dreieck) betreten, auf X (Viereck) verlassen. Wenn Y (Dreieck) wie beim Einsteigen gehalten wird, kehrt die Crew plötzlich mit der Tempest zurück ins Weltall.

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Mass Effect: Andromeda

Facts 
Mass Effect: Andromeda
Mit dem Nomad können längere Wege bestritten werden.

Erschreckend eintönig ist das Planeten-Scansystem. Um Anomalien in der Umlaufbahn von Planeten zu erkennen und so Ressourcen von Satelliten oder verlassenen Raumschiffen zu sammeln, wählst Du das Solarsystem dann einen der insgesamt über 100 Planeten. Dieser wird erkundet, indem Du rund um die Oberfläche scrollst. Die Animation ist dabei von Solarsystem zu Solarsystem und von Planet zu Planet gleich. Das nutzt sich so schnell ab, dass die vergleichsweise wertlose Entdeckung auch gerne einfach übersprungen werden möchte.

Von über 100 Planeten sind nur wenige begehbar, einige von ihnen nicht problemlos zugänglich. Oft hat die Crew mit Umweltgefahren wie Strahlung, giftige Dämpfe oder extreme Temperaturen zu kämpfen. Wie lange die Lebenserhaltungssysteme des Kampfanzugs Ryder am Leben halten, hängt von der Schwere der Umweltgefahr ab. Hierbei gibt es vier Stufen. Wenn die Lebenserhaltung erschöpft ist, sinkt die Gesundheit rapide. Jeder der Planeten wurde schön gestaltet. Du entdeckst unter anderem den eisigen Planeten Voeld, den tropischen Planeten Havarl, der kolonisierte Planet Aya sowie den sandigen Planeten Eos, der unterirdisch einige Geheimnisse für Dich parat hält - Die Vielfalt der Planeten ist in der Gestaltung groß, allerdings nicht besonders kreativ. In einer so weit entfernten Galaxie wären doch der ein oder andere Planet wünschenswert gewesen, der so nicht in der Milchstraße umherkreisen würde. Die Planeten schaffen es, Atmosphäre zu erzeugen, wären da nicht all die technischen Probleme.

Der eisige Planet Voeld
Der eisige Planet Voeld
Der tropische Planet Havarl
Der tropische Planet Havarl
Der kolonisierte Planet Aya
Der kolonisierte Planet Aya
Der sandige Planet Eos
Der sandige Planet Eos
Das unterirdische Eos
Das unterirdische Eos

 

Houston, wir haben viele Probleme

Die Qualität der Technik in Mass Effect: Andromeda könnte kaum mehr auseinandergehen. Zum einen werden toll gestaltete Planeten präsentiert, die Hin und Wieder eine immense Weitsicht bieten, zum anderen steckt das vierte Mass Effect-Abenteuer voller Bugs. Diese sind allerdings nicht immer technischer Natur. Vielfach handelt es sich um eine ziemlich dürftige Umsetzung von den anfangs erwähnten Animationen. Krabben- und Moonwalk-artige Bewegungen sind genauso vorzufinden, wie unnatürliche Gesichtsanimationen:

Merkwürdige Dialoge in Mass Effect: Andromeda

Lies hier, wie sich die Entwickler zu den Animationen äußern

Augen wirken tot, emotionale Reaktionen sind im Gesicht selten zu sehen. Wenn Ryder spricht und der Gesprächspartner einen Moment lang abwartet, um eine Antwort zu geben, die emotionslos vorgelesen wirkt, leidet die Immersion des Spiels immer mehr - von den Figuren im Hintergrund ganz zu schweigen. Ärgerlich: Auf den Planeten müssen logischerweise Helme getragen werden. In Sequenzen wiederum fehlen diese:

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Leider kommt es sogar in Sequenzen häufig vor, dass Texturen erst verspätet geladen werden. Des Weiteren kann es passieren, dass Räume so sehr verbuggt sind, dass Gegenstände wie Kisten bis hin zur ganzen Umgebung wie etwa Wege die Tür versperren, sodass ein älterer Spielstand neu geladen werden muss:

Massive Grafikfehler in Mass Effect: Andromeda

Gemeinsam stark im Multiplayer

Der Multiplayer-Modus in Andromeda spielt sich ähnlich wie in Mass Effect 3. Gespielt wird im 4-Spieler-Koop-Horde-Modus. Allerdings gibt es kein PvP-Modus (Spieler gegen Spieler), sondern PvE (Spieler gegen Umgebung). Das bedeutet, dass zu viert verschiedene Gegnerwellen bekämpft werden müssen. Anders als in Mass Effect 3, wo der Multiplayer immense Auswirkungen (inkl. dem Ende) auf den Singleplayer hatte, ist der Modus diesmal optional, denn die Multiplayer-Missionen sind auch im Singleplayer spielbar. Allerdings gilt es dann, die Gegnerwellen alleine zu bestehen. Dadurch ist der Multiplayer-Modus nicht zwingend, aber von Vorteil. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei hoch, mit Deinen drei Kameraden musst Du Dich gut absprechen.

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Fazit

Die Befürchtung hat sich leider bewahrheitet. Mass Effect: Andromeda enthüllt eine leere, offene Welt, in der eine verlorene Geschichte erzählt wird, die selten Atmosphäre aufbaut. Eine gute Erzählung rückt in den Hintergrund, vielmehr gilt es, Ressourcen zu sammeln, um die Quests nacheinander abzuarbeiten. Laufe von A nach B, scanne Objekte, wenn Dir gesagt wird, dass Du sie scannen sollst, um zu erfahren, dass die Quelle eines Defekts gefunden wurden oder ein neues Tier entdeckt wurde - also nichts, was die Erzählung vorantreibt. An allen Ecken und Kanten wirkt Mass Effect: Andromeda unfertig. Der Spielspaß ist nicht von besonders langer Dauer. Einzig und allein der Drang, Planeten und ihre Hintergründe zu entdecken werden Dich motivieren. Die Chance wurde verpasst, die Reihe mit einer geheimnisvollen Geschichte und zu entdeckenden Planeten mit diversen Leben und Zivilisationen neu zu gestalten. Stattdessen wird Altbekanntes neu verwertet, obwohl die neue Galaxie immens viel Potenzial bietet.

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