Metro Exodus in der Vorschau: Kann genauso klaustrophobisch sein, wie die Tunnel-Shooter

Marina Hänsel

Der Release ist bald da, nicht? Metro Exodus kriecht aus den Tunneln der Metro hinaus in das helle, atomar verstrahlte Licht einer offenen Welt: Weit, grell und voller Fallout-iger Ruinen und Zombies, die durch die Ödnis kleckern. Heißt es also Abschied nehmen vom klaustrophobischen Tunnel-Shooter?

Tschau. Bye. Arrivederci. Au Revoir. Do svidaniya. Die Zeiten der dunkel-engen Höhlen und Gänge sind vorbei, des ekligen Keuchens in der Dunkelheit, wo all die Monstren in Metro 2033 warteten. Wie wäre es, Metro endlich wie eine ungeliebte Ratte aus seinem Loch zu treiben, um Protagonist Artjom den Zombies draußen an der Oberfläche vorzuwerfen? Nun war Metro Exodus‘ Ausflug an die frische Luft nicht allein die Idee von Entwickler 4A Games – aber das weißt du sicherlich schon – sondern von Buchautor Dmitri Gluchowski: Artjom musste schon im ersten Teil an die Oberfläche krabbeln, ebenso wie in allen folgenden Büchern.

Was versteckt sich außerhalb der Metro-Tunnel? Ein Singleplayer-Shooter, der stark auf seine Story setzt:

Metro Exodus - Story Trailer.

Die Welt da oben ist der eigentlich große Deal, die Zauberkiste, deren Inhalt niemand so richtig kennt – das Geheimnis, um das sich die Bücher drehen. Das Ding mit Geheimnissen ist natürlich, dass sie aufgedeckt und sichtbar ihre Heimlichkeit verlieren; ebenso wie Metro Exodus seinen Charme verlieren könnte: Die Dunkelheit und das Unnahbare in den Tunneln der Metro, der leichte Horror und natürlich die klaustrophobische Umarmung.

Aber da oben, in der offenen Welt? Wo ist da das Geheimnis, wo ist der Horrror? Oder wird Metro Exodus eine Art Fallout mit (mehr) Story und einem Schluck Metro-Feeling? Wir haben uns diese Frage gestellt, als wir von den Entwicklern zurück ins atomare Rattenloch nach London gezerrt und vor einen Bildschirm gesetzt wurden: Dieses Mal gab’s einen neuen Abschnitt zu sehen – das kaspische Meer, ausgedorrt bis auf den sandigen, harten Boden. Der jetzt eine Wüste ist.

Mehr Metro bitte? Wir haben schon im Sommer letzten Jahres in Londons Hitze ausgeharrt, um einen Blick auf Metro Exodus zu werfen. Damals gab’s eine nette kleine Dampflok und einen ersten Blick auf fast-nackte Zombies. Lisa erzählt dir alles in ihrer Vorschau.

Row row row your boat

… gently down the desert. Was passiert eigentlich mit einem Ozean, wenn Atombomben überall auf der Welt explodieren? Professor Metro Exodus erklärt es uns: Sie verschwinden. Und lassen eine riesige Wüste hinter sich, geprägt von gefährlichen Gasvorkommen unter der Erde und gigantischen Schiffswracks hier und da, die zum Erkunden einladen. „The Caspian“ ist eine der vielen Map-Puzzlestücke, die sich über die Haupt-Quest erstrecken und nacheinander von Artjom durchlaufen werden.

In jenem Abschnitt, auf dem wir uns einen Tag lang austoben durften, wimmelte es von Händlern, Banditen und natürlich wie auch immer gearteten Mutanten, die zum Auf-sie-schießen einladen. Dabei zeigte sich schon hier, wie unterschiedlich die Maps in der Story sein werden: Während wir in unserer ersten Vorschau durch reiche Vegetation schlichen, bietet das einstige kaspische Meer eine weite, elendig trockene und tote Fläche voller Geheimnisse, über und unter der Erde.

Sieh dir an, was ich gefunden habe!

Metro Exodus wirft uns zwar eine Art offene Welt entgegen, verzichtet aber auf das typischen Prinzip einer einzigen Map, die erkundet werden muss: Stattdessen teilt die Story das Spiel in verschieden große Abschnitte, die du nach und nach mit Artjom erkundest. Dahinter weilen stets Missionen – und natürlich die Hauptquest: Zwei Jahre nach Metro Last Light  verlässt Artjom die Metro-Tunnel, gemeinsam mit einer Gruppe von Sparta-Rangern: Jenen fähigen Kämpfern, die dafür ausgebildet wurden, auf der Oberfläche nach Vorräten und dergleichen zu suchen.

Mit dabei ist auch Artjoms Frau Anna, mit der er die alte Dampflok Aurora aufgerüstet hat: Eine Art mobile Zuflucht, mit der die Gruppe Kämpfer gen Osten zieht. Der Grund ist natürlich nicht nur die Suche nach Vorräten, sondern nach menschlichem Leben und Zivilisation. Und daran mangelt es in Metro Exodus tatsächlich nicht: Ob nun Zombie-ähnliche Wesen, verstrahlte Tiere, okkulte Sekten, Sklavenhändler oder andere seltsame Oberflächler – an jeder Ecke triffst du auf einen neuen Feind, oder in seltenen Fällen auch einen Freund.

Und genau das scheint Metro Exodus größte Stärke zu sein. Während zwar keine ganze offene Welt auf dich wartet, gibt es in jedem großen Weltabschnitt so viel zu sehen. Strikt der Mission folgen ist hier fast schon tölpelhaft, denn was würdest du alles auslassen? Versteckte kleine Bunker, verstrahlte Ruinen und Überbleibsel der ehemaligen Bewohner, NPCs, die neben der Hauptmission in ihren Löchern auf dich warten.

Aber auch Vorräte und Ressourcen. Ohne die Survival-Faust allzu schmerzhaft in dein Gesicht zu rammen, vertraut Metro Exodus dem Prinzip Weniger ist mehr: Zerbrich dir nicht den Kopf um Hunger, Essen und Schlafen, aber pass auf, dass deine Ausrüstung nicht zu kaputt oder verschmutzt ist. Sammel allerlei Crafting-Objekte und bastel an Waffen und Kleidung solange herum, bis du mit ihnen deinen Kampfstil komplimentieren kannst: Kein Problem.

Das Besondere daran ist nicht nur, dass du dich selbst stets verbessern und individualisieren kannst, sondern dass es echt wirkt. Jede Sekunde im Spiel schreit gerade heraus, wie realistisch und immersiv sie sein will. User-Interfaces gibt es nahezu gar keine; stattdessen gibt’s Map, Inventar und Crafting-Tisch integriert in InGame-Objekte. Wenn du einen Ort suchst, holt Artjom in einer Animation eine verknitterte Karte heraus. Und wenn er ins Inventar schaut, öffnet er seinen Rucksack: Glaub mir, dass du dich in mir verlieren kannstflüstert Metro Exodus, und was soll da noch gesagt werden? Außer, dass es bis jetzt klappt.

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Zurück ins Rattenloch

Metro Exodus ist anders als alle vorherigen Teile. Etwas, das bei vergleichbaren Spielreihen oft Sorge hervorruft und keine Jubelrufe – aber hey: Hier und heute besteht kein Grund für Sorgenfalten. Oder graue Haare. Exodus kriecht selbstbewusst an die Oberfläche, verleugnet seine Herkunft aber auch nicht, ganz im Gegenteil. Viel zu oft findest du dich in Höhlen, Bunkern und etwaigen Rattenlöchern wieder. Klaustrophobische Räume angefüllt mit herumlungernden Mutanten und oft auch Gas, sodass deine Gasmaske zu einem der wichtigsten Items im Spiel wird.

Ich nehme an, du oder dein Nachbar-Leser sind noch nicht ganz überzeugt, ob Exodus tatsächlich nicht auf dem Fast-Open-World-Konzept ausrutscht: Alles, was wir jedoch bis jetzt erleben und anspielen durften, überraschte mehr als positiv. Es sind nicht nur die hübsche Grafik und die schöne Shooter-Mechanik, die Spaß machen, sondern vor allem die reiche Story, das Erkunden der Welt und – oh ja – das Gefühl, doch wieder einen Metro-Teil spielen zu dürfen. Denn so anders Exodus anmutet, so ähnlich ist es den Vorgängern in seiner Tiefe, der halb-linearen Story und nicht zuletzt des Gameplays. Da wir gerade von Grafik sprechen: Schön ist es wirklich, wenngleich die Xbox One X-Preview-Version nicht ganz die 60 Frames erreichte und auf dem PC noch einige technische Fehler behoben werden müssen. Ein bisschen Zeit ist aber noch bis zum Release am 22. Februar 2019.

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