Mirror's Edge Catalyst in der Beta-Vorschau

Kristin Knillmann 2

Nach 8 Jahren bekommt das Parkour-basierte Action-Adventure Mirror’s Edge endlich einen Nachfolger. Wir haben letztes Wochenende für euch 4 Stunden Mirror’s Edge Catalyst in der Closed Beta gespielt und geben euch heute einen Ausblick auf alle wichtigen Neuheiten und die Qualität der Spielerfahrung.

Mirror's Edge Catalyst - Beta-Vorschau.
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Was ist Mirror’s Edge und was ist neu?

Für alle, die sich nicht mehr an das erste Mirror’s Edge erinnern, kommt hier noch mal eine schnelle Auffrischung: Das dystopisch angehauchte Spiel, das von EA DICE entwickelt wurde, drehte sich um die Botin Faith, die den Fängen der Polizei entkam und anschließend eine Ermordung an einem Politiker aufklären musste, die sie und ihre verhaftete Schwester fälschlicherweise ins Fadenkreuz nahm. Der Titel erschien erstmals im Jahre 2008 und kam – auch wegen seines schnellen und frischen Parkour-Gameplays – recht gut bei Spielern und Presse an.

Ab dem 09. Juni steht nun endlich der Nachfolger mit dem Zusatztitel „Catalyst“ an. Und der macht – wie so üblich bei Nachfolgern – einige Dinge neu:

Mirror’s Edge Catalyst verlagert das Spiel von einem linearen Erlebnis zu einem Open-World-Spiel, verteilt viele Sammelgegenstände auf seiner Karte, fügt einige Mehrspieler-Komponenten hinzu, updatet die wegweisende Runner Vision und erlaubt ein schützendes Fokus-Schild, das sich auflädt, je länger wir rennen.

So funktioniert die Runner Vision in Mirror's Edge Catalyst

Wie gut das alles im Detail funktioniert, klären wir gleich. Vorher möchte ich mit euch über die Grundlagen reden.

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Die Grundlagen: Story und Gameplay

Bei einem Titel wir Mirror’s Edge Catalyst stehen vor allem zwei Dinge im Fokus, die besonders wichtig sind: Eine gute Geschichte und hervorragendes Gameplay. Glücklicherweise kann ich euch sagen, dass beides in seiner Grundform enthalten ist:

Die Geschichte dieses Teils scheint wieder genauso spannend zu werden wie die des Vorgängers, denn die Beta deutete an, dass wir endlich erfahren werden, was mit Faiths Eltern wirklich passiert ist. Während sich Fans hierüber freuen werden, könnte es für Neulinge schwierig werden, einen Einstieg zu finden. Die werden nämlich nicht genau verstehen, um was es geht, wenn sich Faith und ihre Gefährten Noah und Icarus unterhalten. Und wer ist überhaupt dieser Dogan, dem Faith irgendwas schuldet? Wer das ursprüngliche Mirror’s Edge nicht kennt, könnte sich etwas verloren fühlen. Wie gut Catalyst diese Story-Fetzen dann im Hauptspiel erklärt, muss man sehen.

Gar keine Vorkenntnisse braucht man für das Gameplay von Mirror’s Edge Catalyst, das wie gewohnt mit seiner Mischung aus Parkour, Missionen und Aufgaben auf Zeit angenehm einzigartig bleibt und richtig viel Spaß macht. Eine gute Hilfe ist da neuerdings die geupdatete Runner Vision, die auf Wunsch wie früher nur die roten Elemente anzeigt, die besprungen werden können, oder einen möglichen Weg per roter Linie oder gar Silhouette anzeigt. Das hilft ungemein zur Orientierung in der immer noch dystopisch-kalten Welt und ist in seiner Abstufung fast schon ein wenig wie die Einstellung eines Schwierigkeitsgrades.

Der ist nicht allzu schwer und spiegelt sich üblicherweise eher darin wieder, dass euch das Spiel in einigen Missionen auf Zeit abverlangt, einen schnelleren Weg zu finden, der euch per Runner Vision nicht angezeigt wird. Ansonsten ist die größte Herausforderung, sich zu Beginn erstmal die Steuerung komplett draufzuziehen. Die ist teilweise nämlich extrem genau, was bedeutet, dass Faith gern mal daneben springt, wenn die Kamera nicht exakt auf das angesteuerte Element schaut. Zu Beginn ist das tierisch nervig, vor allem, weil man jedes Mal den Ladebildschirm abwarten muss. Mit der Zeit hat man den Bogen raus, und dann ist es ein befreiendes Gefühl, mit hoher Geschwindigkeit durch die Welt von Catalyst zu rauschen.

Leider wird dieser gute Eindruck von einigen Dingen wieder getrübt. Zum Beispiel dann, wenn Catalyst einfach kein Feedback für gewisse Aktionen gibt: WANN erscheint die Silhouette bei der Runner Vision und warum wirkt es zufällig? WO ist mein Ziel und warum wird es mir dauernd nicht angezeigt? Warum schalte ich Bewegungen für Faith frei, die sie dann nicht benutzt, obwohl ich sie auslöse? Warum bekomme ich zu Beginn einer Mission, bei der ich einen Container nicht zerbrechen darf, keinerlei Hinweis darauf, durch welche Aktionen der Container zerbrechen kann? Natürlich müssen wir beachten, dass ich eine Beta-Version von Catalyst gespielt habe, und es sich hier möglicherweise um Bugs oder fehlende Features handelte. Dennoch muss EA hier zwingend bis zum Release des Spiels nachbessern.

Ein wichtiger Teil des Gameplays ist natürlich auch wieder das Kampfsystem, das mich komplett zwiegespalten zurückgelassen hat: Irgendwie fühlt sich das Kämpfen durch seine Manöver gar nicht intuitiv an. Was gleichzeitig schwierig, aber auch erfrischend anders sein kann. Das, was Mirror’s Edge Catalyst macht, ist kein richtiges Kämpfen, sondern elaboriertes Fechten, das mit seiner langsamen Geschwindigkeit im kompletten Kontrast zum schnellen Rennen steht. Ob das über längere Strecken taugt oder doch zu sehr aus dem Flow reißt, kann ich euch jetzt natürlich noch nicht sagen.

Hier findet ihr Strategien gegen die Gegner von Catalyst

Apropos „aus dem Flow reißen“: Das neue Focus Shield hilft dabei, Kämpfe pfiffiger zu bestreiten, ohne von Kugeln oder Angriffen getroffen zu werden. Rennt Faith auf lange Dauer, dann lädt es sich auf und wehrt gegnerische Angriffe eine kurze Zeit lang ab.

Die Neuheiten: Open World und Multiplayer

Zu einem grundsoliden, spaßigen Grundgerüst, das im Kern eigentlich nicht so wirklich weit vom ersten Teil abweicht, kommen mit Catalyst doch noch einige Änderungen hinzu. Die sind in ihrer eigentlichen Idee alle ganz gut, bleiben in der Umsetzung aktuell aber noch weit hinter ihrem Potential.

Eine der größten Änderungen ist die offene Welt von Catalyst. Ja, es macht Spaß, sich mit Faith über eine offene Karte von Mission zu Mission zu bewegen. Richtig nervig ist es aber, wenn der überwiegend weiße, kalte Stil des Spiels es schwer macht, sich zu orientieren. Somit gibt es nirgends richtige Anhaltspunkte oder markante Gebäude, die uns als Anker dienen. Die Runner Vision oder Karte helfen natürlich aus, aber selbst da steht das Design teilweise im Weg: Die Map dreht sich dauernd mit Faith mit und besteht – ähnlich dem Stil der Stadt – fast nur aus weißen Häuser-Silhouetten, die eine klare Identifizierbarkeit ab von den Missionssymbolen vermissen lassen. Versteht mich nicht falsch, ich finde, dass der Stil total zu Mirror’s Edge passt. Er lässt sich nur eben nicht wirklich gut in eine offene Welt übertragen, die – zumindest in den Arealen der Beta – zu austauschbar bleibt und nur in den Hauptstory-Missionen einzigartige Setpieces lieferte.

Diese Stadtviertel gibt es bei Mirror's Edge Catalyst

Ansonsten bringt so ein Open-World-Spiel natürlich den ganzen üblichen Kram mit, der zum Genre gehört: Viel Sammelzeug, das zum Beispiel andere Farben für die Runner Vision freischaltet, und einige Nebenmissionen. Darunter findet ihr Dashes, Time Trials und Lieferungen – alles Aufgaben auf Zeit, bei denen ihr entweder einen Job für Erfahrungspunkte erledigt oder die Bestzeiten anderer Spieler schlagen könnt.

Die Erfahrungspunkte braucht ihr für das neue Level-System. Denn Faith hat diesmal noch nicht alle Bewegungen und Fähigkeiten von Anfang an drauf, sondern muss sie mit der Zeit erlernen. Das ist sinnvoll, um sich Stück für Stück an das breite Repertoire von Faith zu gewöhnen. Nur nervt es, dass die freigeschalteten Skills keine ordentliche Einweisung beinhalten – im Gegensatz zum sehr guten Tutorial, das wir ganz zu Beginn mal durchgelaufen sind. Beim Level-System kommt aber vor allem die Frage auf, warum sich nicht alle Fähigkeiten – so wie einige unter dem Menüpunkt „Gear“ – automatisch im Laufe der Geschichte freigeschalten können. Aktiv Punkte in Bewegung zu investieren, fühlt sich seltsam an und ist in vielen Fällen eine schlechtere Wahl, als sich für mehr Gesundheitspunkte zu entscheiden. Außer, ihr seid auf Bestzeit-Jagd, wo das Anheben der Füße schon mal eine Extra-Sekunde ausmachen könnte.

In der heutigen Zeit darf auch eine Mehrspieler-Komponente in einem Singleplayer-Spiel nicht mehr fehlen. Und so setzt auch Mirror’s Edge Catalyst drauf, seine Spieler zu verbinden – leider bislang mehr schwach als sinnvoll. Dass ich meine Freunde auf der aufrufbaren Karte sehen kann, erfüllt keinen richtigen Zweck, und das Erklimmen und Hacken der Werbetafeln fühlt sich wenig erfolgsträchtig an, wenn meine Freunde die gleiche Werbetafel direkt wieder hacken und mit ihrem eigenen Logo versehen – das führt lediglich zu einem anstrengenden Hin und Her, das in ein paar Erfahrungspunkten und verlorenen Nerven resultiert.

Entgegen dessen sind die User-generierten Trials ja eine wirklich schicke Idee – WENN sie einwandfrei funktionieren würden oder einen Zweck hätten. Einen eigenen Trial, also einen Parkour mit Zwischenstationen, kann ich nämlich nur anlegen, wenn noch KEIN User einen in der unmittelbaren Nähe platziert hat. Was nach drei Tagen Beta-Phase ungefähr nirgends mehr war - und nach dem Release sicher nicht besser wird. EA muss hier zwingend runterschrauben, wie viele Trials im eigenen Spiel angezeigt werden, oder bestenfalls eine brauchbare Selektion des User-generierten Contents einführen, sonst ist die Karte schnell voll mit hunderten Flaggen.

Die Probleme: Bugs und Framerate

Hach, die leidigen Problemchen. Davon hatte die Beta von Mirror’s Edge Catalyst so einige, und das nicht nur auf der Ebene des Designs und der teils schwammigen Texturen der NPC-Gesichter, sondern auch in der Technik. Während die Framerate meiner PS4-Version teilweise schon fast in eine Diashow ausartete, hatte die PC-Version meiner Kollegin Vicky mit noch größeren Problemen zu kämpfen:

Dort blieb der Ladebildschirm regelmäßig hängen, dort luden Texturen nicht richtig und NPCs saßen teilweise in der Luft statt auf den Dächern. Nach etwa einer Stunde ließ sich außerdem die Karte nicht mehr aufrufen, und die Runner Vision schaltete sich komplett aus.

Die Systemanforderungen von Mirror's Edge Catalyst

Hin und wieder hatte die Beta einfach keine Lust, richtig zu funktionieren: In meiner PS4-Version erschien in einer Mission auch nicht der richtige Button, den ich benötigte, um einen zerstörerischen Ventilator auszuschalten und davon abzuhalten, mich zu zerfleischen… – womit die Mission für mich unspielbar wurde.

Mein Vorschau-Fazit zu Mirror’s Edge Catalyst:

Nach meinen 4 Stunden mit der Closed Beta von Mirror’s Edge Catalyst ist mir klar geworden, wie nötig die Verschiebung des Titels von Mai auf Juni wirklich ist. Keine Frage: Die Idee und das Grundgerüst sind, genau wie schon beim ersten Teil, komplett vorhanden und absolut unterhaltsam. Die vielen technischen Fehler und Design-Stolpersteine, die Catalyst mit seinen Neuerungen zum jetzigen Zeitpunkt noch hat, müssen aber dringend bis zum Release des Spiels verbessert werden, um eine Erfahrung bieten zu können, die einer Fortsetzung gerecht wird.

Als genau das, also einer Fortsetzung zu Mirror’s Edge von 2008, ist Catalyst vor allem für Fans ein tolles Spiel. Auf Neu-Einsteiger wartet womöglich ein schwieriger Einstieg, aber immerhin ein frisches Spielkonzept, das in den letzten 8 Jahren von keinem anderen Titel so richtig nachgemacht wurde. Genug Fläche ist für Mirror’s Edge Catalyst mit seinem alternativen Spielkonzept also durchaus vorhanden. Dass das Spiel damit auch ein Ausnahmetitel werden kann, muss EA ab Juni aber erstmal beweisen.

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