Humor durch Gameplay

Sebastian Moitzheim 8

Wenn man aktuell in Super Mario Maker ein paar zufällig ausgewählte Kreationen anderer Spieler ausprobiert, begegnet man sehr oft denselben Phänomenen: Gegner-Monstrositäten aus Piranha-Pflanzen, die auf Goombas wachsen, die auf Riesen-Koopas reiten. Fragezeichenblöcke, die nicht den erhofften Pilz oder wenigstens eine Münze, sondern einen Hammerbruder offenbaren. Drei Bowsers in einem Level, und dazu noch je zwei Iggy Koopas und Bowser Jrs. Warum designen so viele Spieler Level auf diese Weise – also, außer „weil man’s kann“? Weil sie es lustig finden, so mit den Erwartungen des Spielers zu spielen und die Herausforderung in absurde Höhen zu schrauben.

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Diese 5 Level aus Super Mario Maker MUSST du spielen!

Die Designer von 1001 Spikes bedienen sich ähnlicher Methoden, wenn auch subtiler und gezielter. Wie Rick Dangerous ist 1001 Spikes ein extrem schwerer Plattformer, in dem der Spieler seine Figur durch von unzähligen sichtbaren und unsichtbaren Fallen gespickte Level manövrieren muss. Doch die Level sind kompakter, wesentlich kürzer als die in Rick Dangerous – was zum einen dazu führt, dass die Frustration geringer ist, muss man doch stets nur kleine Abschnitte wiederholen. Zum anderen sind hier so absurd viele Fallen und Herausforderung auf so kleinem Raum konzentriert, dass schon der bloße Anblick eines neuen Levels für einen Lacher sorgt.

Auch töten die unsichtbaren Fallen den Spieler nicht sofort, sondern geben ihm einen winzigen Moment Zeit, zu reagieren – gerade genug, dass jeder Tod Schuld des Spielers, nicht des schlechten Designs ist. Wenn man dann, wie es sehr häufig in 1001 Spikes passiert, einen Schritt vor dem Levelziel doch noch stirbt, fühlt es sich an wie ein Schlagabtausch mit den Designern, als würden diese den Spieler augenzwinkernd ermahnen, nicht kurz vorm Schluss noch unaufmerksam zu werden. Man kann auf solche Tode kaum anders reagieren, als über sich selbst zu lachen.

spelunky

Ein anderes Spiel, das Sterben lustig macht, ist Spelunky. Auch dieses Spiel ist sauschwer, auch hier haben es eine Vielzahl von Fallen und Gegnern auf den Spieler abgesehen und man muss sehr, sehr oft von vorn beginnen. Doch der Tod kommt häufig in Form von langen, Rube-Goldberg-artigen Kettenreaktionen, die für äußerst lustige Slapstickmomente sorgen. So seltsam es klingt, Sterben ist einer meiner liebsten Aspekte von Spelunky.

In beiden Fällen funktioniert der Humor noch besser, wenn man als Spieler ein bestimmtes Vorwissen mitbringt: Nicht zufällig sind sowohl 1001 Spikes als auch Spelunky sowie Rick Dangerous von Indiana Jones inspiriert. Wiedererkennungswert, das weiß jeder, der schonmal ein Meme auf Facebook oder tumblr geteilt hat, spielt oft eine wichtige Rolle, wenn uns Dinge zum Lachen bringen.

Auch aus umständlicher Steuerung lässt sich (absichtlicher) Humor gewinnen: Die Entwickler von Octodad: Dadliest Catch erinnerten sich offenbar an das früher sehr häufige Gefühl, dass ein Spiel sicher total viel Spaß machen könnte, wenn nur nicht die furchtbare Steuerung im Weg wäre. Also haben sie ein Element aus der Gleichung entfernt – und zwar genau das „falsche“. In Octodad gibt es kein „ansonsten sicher tolles Spiel“, sondern nur eine extrem umständliche Steuerung. Wie ein Standup-Comedian nehmen die Entwickler eine dem Publikum bekannte Erfahrung und überspitzen sie ins Absurde. Fehlt nur das Mario Barth’sche „kennste, kennste?“ – nur anders als Mario Barth ist Octodad tatsächlich lustig.

Es gibt sie also doch, die Spiele, die neue, Videospiel-eigene Humorkonzepte erkunden – und sie sind damit auch durchaus erfolgreich. Nur als wichtig für die Entwicklung des noch immer jungen Mediums Videospiel werden sie zu selten anerkannt. Es bleibt zu hoffen, dass sie, wie die Adventures von damals, dennoch ihre Nachahmer finden werden – denn ein Bisschen mehr Humor und Selbstironie würde den meisten Videospielen, auch den „wichtigen“, sicher guttun.

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