Liebe auf den ersten Biss: A Vampyre Story

Tizian Nemeth

Es war einmal im ausgehenden 19. Jahrhundert – keine Angst, das wird kein Geschichtsvortrag, sondern die Einleitung zum Point & Click-Adventure „A Vampyre Story“. Aber wie jede gute Geschichte braucht auch diese einen passenden Anfang.

aufderbrucke
Ein düsteres Schloss inmitten der wilden Landschaft Draxylvaniens, Wolfsgeheul erklingt in der Ferne – ein schaurig-schönes Plätzchen für Vampire sollte man meinen.

Aber Mona De Lafitte ist alles andere als glücklich, die blasse Schönheit träumt von Paris und einer Karriere als Opernsängerin.
Den Sprung auf die Bretter, die die Welt bedeuten, hat der blutrünstige Vampir-Baron

shrowdy
Shrowdy von Kiefer mit kalter Hand verhindert. Er hat Mona auf sein Schloss entführt, sie mit einem Biss zu seiner Gefährtin gemacht und hält sie seitdem in dem kalten Gemäuer gefangen.

monadelafitte
Mona schöpft erst neue Hoffnung, als eines Abends gellende Schreie über den Warg-See hallen. Der Blutsauger Shrowdy hat auf seinem nächtlichen Ausflug die unfreiwillige Bekanntschaft zweier Vampirjäger gemacht, die kurzerhand ihrem Beruf nachgehen und mit Hammer und Holzpflock den Untoten zum Volltoten befördern.

Damit ist der Weg für Mona frei – allerdings hat Shrowdy vor seinem Abflug einem der Gargoyls auf der Brücke den Schlüssel in die Freiheit anvertraut. Zu ihrem Glück muss Mona sich jedoch nicht allein auf die Suche nach einer Fluchtmöglichkeit machen, die vorlaut-frivole Fledermaus Froderick begleitet sie auf ihrer Schulter.

Als Spieler stößt Du zu dem Duo als es sich daranmacht, das Schloss nach einem Ausweg zu durchforschen. Mit Deinem Kombinationsgeschick, Monas Talent(en)  Gesprächspartnern so manches Geheimnis zu entlocken, auch Dank ihrer weiblichen Reize und den hin und wieder hilfreichen Kommentaren Frodericks sollte es ein leichtes sein, diesen verwünschten Ort zu verlassen.

kuchevampir

Zunächst müsst ihr herausfinden, welcher der Gargoyls den Schlüssel verwart. Leider gibt es derer eine ganze Reihe, zumindest drei kommen in die engere Wahl. Da sich die steinernen Gesellen wortkarg geben, solltet ihr Mittel und Wege finden, um eurer Bitte um Übergabe des Schlüssels Nachdruck zu verleihen. Vielleicht hilft ja ein wenig Gewalt, aber dazu braucht ihr ein passendes „Werkzeug“. Schaut doch einmal in der Folterkammer im Keller des Schlosses nach.

folterkammervampir

Das Spiel ist mit vielen solcher Rätsel gespickt. Allein der Versuch, durch die Tür am Ende der Brücke zu gelangen, erfordert bereits einige Gedankenakrobatik und sofern Du nicht der Einleitung aus dem Handbuch folgst, auch eine gewisse Zeit.
Ein Hinweis sei Dir mit auf den Weg gegeben: Viele Rätsel lassen sich durch Gespräche mit den Bewohnern des Schlosses lösen. Sprich also im Zweifelsfall mit den steinernen Figuren, der Eisernen Jungfrau, den Ratten im dunklen Verließ oder kurz gesagt mit allem, was Dir begegnet. Du wirst zwar nicht in jedem Fall mit einer Antwort belohnt, aber so gehen Dir zumindest keine wesentlichen Informationen verloren.

navigation

Doch auch für weniger redselige Zeitgenossen bringt das Spiel viel Spaß. Die Gespräche sind selten von großem Umfang, aus einer Auswahlliste sucht man sich die Fragen und Antworten aus. Du kannst das Prozedere außerdem abkürzen, wenn Du die höflichen Floskeln weg lässt, ansonsten klickst Du Dich einfach von oben nach unten durch die Liste. Empfindest Du eine Ausführung doch einmal als zu lang, hilft Dir die Leertaste, um dem Redefluss Einhalt zu gebieten – aber Achtung – es könnte sein, dass Dir dann der ein oder andere Hinweis fehlt.

Das Adventure liefert Dir für einige Stunden süffisanten bis absurden Humor, der Dir in gesprochenen Worten und schön animierten Bildern Kurzweil bietet. Die Synchronisation ist dabei von sehr guter Qualität, weil man mit Comedians wie Tetje Mierendorf oder Hennes Bender professionelle Sprecher engagiert und nicht am falschen Ende gespart hat.

monaszimmer

Das Spiel stammt aus der Feder keines Geringeren als Bill Tiller. Den kennen versierte Adventure-Spieler von Spielen wie „The Dig“ und „The Curse of Monkey Island“.
Anders als bei Spielen dieses Genres ist Dein Inventar lediglich als Notiz vorhanden. Die Opern-Diva schleppt die meisten Dinge nämlich nicht wie ihr Kollege Guybrush Threepwood aus Monkey Island in der Rocktasche herum, vielmehr merkt sie sich den Ort der Geräte, die zukünftig noch von Nutzen sein können und greift erst später auf sie zurück. Für den Spieler wird der Gegenstand als blaue Gedankenblase in der Form des Teils im Inventar abgelegt, dadurch ändert sich im Grunde nichts.

inventar

Bei Bedarf muss die Schöne, zu einer Fledermaus verwandelt, Gegenstände aus ihrem Inventar holen oder ihre kleinen Helfer schicken. Egal, ob Mademoiselle Lafitte die Fledermaus Froderick alleine für Aufgaben einsetzt

froderick
oder sie im Team ein Problem lösen – der Vertreter der Chiroptera erfüllt durchaus seinen Zweck und sorgt darüber hinaus für Humor. Wenn Du etwa immer schon wissen wolltest, wie eine Fledermaus als kleines Mädchen verkleidet einen Wachmann ablenkt, dann solltest Du Dir einen Blick auf „A Vampire Story“ gönnen.

In Punkto Grafik bieten das Schloss und alle anderen Umgebungen schön gezeichnete Kulissen, die Operndiva Mona de Lafitte und ihr kleiner Freund wirken allerdings etwas verpixelt. Einen Pluspunkt erhält der Soundtrack, der die Geschichte stilvoll untermalt und der auch nach stundenlangem Spiel nicht langweilig oder störend wird. Jeder einzelne Schauplatz besitzt ein eigenes Lied, der Komponist Pedro Macedo Camacho schaute sich dabei einiges von Danny Elfmans „Batman“ oder „Nightmare before Christmas“ ab.

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Eine kleine Schlappe müssen Logik- und Rätselfreunde beim Gameplay hinnehmen: Streckenweise kommt man nur mit dem Trial-and-error-Prinzip weiter, man vermisst  klare Handlungsstrukturen.

Besitzer eines mobilen Macs werden sich über die relativ bescheidenen Systemanforderungen freuen. Getestet hat der macmagazin.de-Redakteur das Spiel auf seinem weißen MacBook mit Intel GMA3100-Grafikchip, es lief ohne Wackler. Auf der Fesplatte sollten rund drei Gigabyte Speicher frei sein, dafür kann man dann aber unterwegs auch ohne eingelegtes Medium Draxylvanien bereisen.

Für 40 Euro kann man der schönen Blutsaugerin bei ihrem Abenteuer behilflich sein.

DVD-Laufwerk, Mac OS X 10.4.11, 1,4 Gigahertz Intel-Mac oder PowerPC G4, 3,1 Gigabyte Festplattenspeicher, 512 Megabyte Arbeitsspeicher, GeForce FX 5200/Radeon 9600 mit 64 Megabyte VRAM, läuft auch mit GMA950 und GMA3100.
Das Spiel benötigt außerdem eine Internetverbindung für die Produktregistrierung.

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