Faszination Monster Hunter: Wir erklären, warum die Spielreihe so wahnsinnig beliebt ist

Markus Grundmann

Heute stehen die Fans in aller Welt für den Release von Monster Hunter Generations in den Startlöchern, denn die Spiele-Reihe ist ein Phänomen – mehr als sonstwo in Japan. Wir erklären, was die Faszination der Serie ausmacht, wieso sie sich über die Jahre kaum verändern musste und warum sie trotzdem erfolgreich geblieben ist.

Monster Hunter Generations - TV-Spot.

Um die Spielserie Monster Hunter ranken sich Mythen wie jene, dass Kinder am Erscheinungstag schulfrei bekommen. Auch die Krankmeldungen sollen explodieren und der japanischen Wirtschaft so beträchtlichen Schaden zufügen.

Diese beiden urbanen Legenden sind nicht richtig – aber sie zeigen doch: Monster Hunter ist eine außergewöhnliche Spielserie, deren Faszination sich dummerweise nicht auf den ersten Blick erschließt. Was wiederum komisch ist, weil Monster Hunter auch eines der Spiele ist, die allein in ihrem Namen vollständig erklären, worum es geht: Ihr schlagt Monster tot. Unmengen von ihnen. Warum? Weil sich aus ihren Knochen, Zähnen, Federn, Schnäbeln und Fellen hervorragende neue Waffen und Rüstungen basteln lassen. Diese wiederum sind – wenig überraschend – nützlich, um noch mehr Monster totzuschlagen.

Doch wieso fesselt die Serie einen so festen Kreis an Fans, während sie an anderen vorübergeht wie ein beliebiges Match-3-Puzzlespiel fürs Smartphone?

Der steinige Einstieg

Monster Hunter ist schwer zugänglich, das steht unumstößlich fest. Wer eines der Spiele einlegt und losspielt, wähnt sich zunächst in einem typischen japanischen Rollenspiel – Figuren, Design, Interface, alles erinnert an ein JRPG. Doch von so einem Spiel werden eben auch bestimmte Stärken erwartet: eine komplexe Story im Stil von Final Fantasy etwa, typischerweise zumindest teilweise rundenbasierte Kämpfe. All das kennt Monster Hunter nicht. Ihr seid auch keine aufstrebenden Helden aus irgendeiner Vorhersehung, sondern ein junger Jäger, der nach Anerkennung strebt – der sich gern ein paar schöne Trophäen an die Wand hauen würde, um so Freunde und Kollegen zu beeindrucken. Und so wird Monster Hunter schnell abgestempelt – als simples und daher schlechtes Rollenspiel. Seine wahre Stärke entfaltet Monster Hunter jedoch erst später.

Easy to learn? Hard to master!

Das eigentliche Gameplay von Monster Hunter ist nicht ganz leicht zu erlernen. Es geht darum, Erfahrung aufzubauen – nicht in Form von XP, sondern vor dem Bildschirm: Ihr müsst wissen, welches Monster ihr wie angehen müsst. Vor einer Quest, die meist im Erlegen einer oder mehrerer bestimmter Kreaturen besteht, gilt es, sich durch passende Ausrüstung darauf vorzubereiten, die sich typischerweise in einem kleinen Dorf bei verschiedenen Händlern und Handwerkern zusammenstellen und aufrüsten lässt. Denn: Die Stärke der Spielfigur kommt nicht aus ihren Erfahrungspunkten, sondern aus ihrer Ausrüstung.

Monster Hunter ist mehr Jagdsimulator als JRPG. Ihr müsst lernen, die Monster zu lesen, zu verstehen, wann sie Schwäche zeigen und wann sie zu stark sind und ein Rückzug besser wäre. Zieht sich ein Monster also zurück, muss das nicht bedeuten, dass es nun klug wäre, ihm direkt hinterherzurennen und es weiter zu beharken. Es kann stattdessen bedeutend klüger sein, abzuwarten, dann die Fährten zu lesen und das Vieh schließlich zu überraschen, wenn es gerade versucht, sich in seinem Bau auszuruhen. All das herauszufinden kostet Zeit, das Spiel selbst schweigt sich über solche Details aus. Nicht umsonst ist das Internet heute voll von Tutorials über die besten Monster-Hunter-Jagdstrategien.

Gemeinsam Giganten zu Fall bringen

Noch komplexer werden diese Jagdstrategien durch den Multiplayer-Modus. Zwar könnt ihr sämtliche Monster-Hunter-Teile auch alleine spielen. Bereits seit dem ersten Teil, der im Jahr 2004 für die PlayStation 2 erschien, entfaltet das Spiel seine eigentliche Faszination aber erst im Zusammenspiel mit anderen Jägern. Diese können sich auf viele verschiedene Waffenklassen spezialisieren und nehmen je nachdem andere Rollen bei der Jagd auf ein Monster ein. Sie stellen Fallen, greifen an oder locken es hervor. Ebendieser Prozess gestaltet sich dann wiederum von Monster zu Monster unterschiedlich. Ein großes Monster zu töten, erfordert bei Monster Hunter Vorbereitung. Umso zufriedenstellender ist dann aber das Ergebnis.

Jenseits der Spielmechaniken

Bei all der spielerischen Komplexität ist Monster Hunter aber vor allem durch seine Atmosphäre faszinierend. Und die entsteht, anders als bei den meisten anderen Spielen, nicht durch Wettereffekte, weitläufige Landschaften, Licht und Schatten, gut geschriebene Figuren, glaubhafte Dialoge oder sphärische Musik.

In Monster Hunter entsteht die Atmosphäre nicht aus der Spielwelt heraus, sondern aus dem, was in ihr passiert. Wenn sich vier Spieler gemeinsam darauf vorbereiten, ein bestimmtes Monster zu jagen, das bislang unbesiegbar war, sie sich fachsimpelnd über Strategie und Taktik austauschen, sie dann losziehen und das Monster schließlich besiegen – dann ist das das Gefühl, das Hannibal aus dem A-Team meint, wenn er sagt: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“

Kurzum: Erfolgserlebnisse sind in Monster Hunter noch bedeutend befriedigender als in anderen Spielen, denn hier zahlen sich nicht nur Geschick oder gute Charakterwerte aus, sondern eigens für diese Situation geschmiedete Ausrüstung und eine gemeinsam erdachte Taktik.

Darum lohnt sich Monster Hunter

Wir wissen also: Monster Hunter ist schwer zugänglich, konzentriert sich beinahe auf die Jagd nach großen Monstern, ist aber irgendwie befriedigend. Das Erfolgserlebnis nach der erfolgreichen Jagd auf ein Monster ist ein einziger Endorphinschub – aber reicht das, um einen Einstieg in die Serie zu rechtfertigen?

Kommt auf den Spielertyp an. Der Gelegenheitsspieler wird sich sicher lieber am Feierabend von einem Telltale-Abenteuer unterhalten lassen, und dagegen spricht nichts. Freude mit Monster Hunter haben werden diejenigen, die bereit sind, anfängliche Arbeit als Hürde zu überwinden. Stundenlanges Einspielen.

In einer vielleicht einmaligen Weise vereint Monster Hunter die Notwendigkeit sich durchzubeißen mit herausragendem Spieldesign, Qualität mit Einsteigerfrust, Komplexes mit Kompliziertem. Wer bereit ist, sich durchzubeißen, wird belohnt von stundenlangem Spielspaß und fühlt sich am Ende wie ein virtuoser Musiker auf einem schwer zu erlernenden Instrument.

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