Monster Hunter Generations im Test: Monsterjagd mit Stil und Anspruch

Martin Eiser 1

Seit mehr als 10 Jahren können wir bereits mit Capcom auf Monsterjagd gehen: In Japan ist die Monster-Hunter-Serie ein riesiges Phänomen, während die Reihe bei uns relativ unbekannt ist. Doch die Community wächst auch in Europa. Der neueste Teil Monster Hunter Generations will eure Herzen erobern. Wir haben im Test einen intensiven Blick auf den Titel geworfen.

Monster Hunter Generations - Eine brandneue Art Jäger - Trailer.

Als ich das erste Mal von Monster Hunter gehört habe, vermutete ich hinter dem Namen nur einen weiteren Pokémon-Klon – diese Art von Spielen war und ist schließlich ziemlich populär und hat diverse Abklatsche in der Videospielgeschichte hervorgebracht. Erst mit der Veröffentlichung von Monster Hunter Tri für die Wii wurde mein Weltbild zurechtgerückt. Als Monsterjäger machen wir uns in der Serie in unbekannte Gebiete auf, um gegen wilde Kreaturen zu kämpfen. Nebenbei sammeln wir nützliche Zutaten und finden seltene Ressourcen. Mit denen können wir dann beispielsweise Tränke, Fallen, starke Rüstungen und mächtige Waffen herstellen oder diese weiter aufwerten können.

Der feine Unterschied zu Pokémon ist: Wir jagen Monster, aber sammeln sie nicht. Ja, beides sind Rollenspiele, allerdings wird Monster Hunter richtigerweise als Action-Rollenspiel bezeichnet. Außerdem setzen sie auf komplett unterschiedliche Spielmechaniken. In Pokémon schlüpfen wir in die Rolle eines Trainers, der sein Team aus süßen Monstern in rundenbasierten Kämpfen antreten lässt. In Monster Hunter dagegen kämpft der Jäger, den wir steuern, in Echtzeit selbst. Immer mal wieder gibt es vielleicht ein paar zufällige Ähnlichkeiten, insgesamt hat Monster Hunter mit Pokémon ungefähr so viel gemein wie Fußball mit American Football.

Anspruchsvolle Monsterjagd

Wer Monster Hunter schon einmal gespielt hat, wird wissen, was den Reiz des Spielprinzips ausmacht: Wir müssen uns gut vorbereiten, vernünftige Ausrüstung besitzen und das Gegnerverhalten genau studieren, um vorbereitet in den harten Kampf zu gehen. Was beim Zuschauen wie ein simpler und netter Hau-Drauf-Spaß aussieht, ist tatsächlich ziemlich komplex und anspruchsvoll; die Jagd auf die teils riesigen Monster kein Zeitvertreib für zwischendurch. Durch das ausgeklügelte und gut balancierte Spieldesign kann es all jene hunderte Stunden fesseln, die sich richtig reinknien. Nicht ohne Grund wird die Reihe daher eher mit Spielen wie Dark Souls verglichen.

Monster Hunter 4 Ultimate, das letzte Spiel in der Serie, versuchte sich durchaus auch EInsteigern zu öffnen, beispielsweise mit ausführlichen Tutorial-Missionen. Trotz vieler Anpassungen blieb das Rollenspiel aber anspruchsvoll und fühlte sich weiterhin etwas hölzern und behäbig an. Monster Hunter Generations will diese Kanten weiter glätten und einladender werden. Es gibt zudem eine Reihe wirklich interessanter neuer Features. Außerdem können wir die niedlichen katzenhaften Helfer namens Felynen, die bereits als Begleiter mitgenommen werden konnten, nun direkt steuern. Sie verfügen über eigene Fähigkeiten und steuern sich ganz anders, als unser Held.

Monster Hunter Generations - Pirscher - Trailer.

Treffen der Generationen

Aber schon an dieser Stelle wird deutlich, dass Capcom diesmal ein anderes Ziel verfolgt hat, als für ein breites Publikum attraktiver zu werden. Die Katzenwesen sind in der Community sehr beliebt. Obwohl sie auch auf Neulinge eine gewissen Anziehungskraft haben könnten, richten sie sich vor allem an jene, die Monster Hunter schon gespielt haben. Das neue Spiel ist eher ein fantastischer Fan-Service, aber macht keinen so deutlichen Sprung nach vorn wie noch der letzte Titel. Und das ist wenig verwunderlich, Monster Hunter Generations läutet schließlich auch kein neues Kapitel ein. Es gehört wie Monster Hunter 4 Ultimate zur vierten Generation.

Der Spinoff-Gedanke spiegelt sich auch in vielen anderen Aspekten des Spiels wider. Die Handlung rückt nach der vergleichsweise monumentalen Geschichte des Vorgängers wieder etwas in den Hintergrund. Durch viele Verweise auf die klassischen Vorgänger machen wir mit dem Spiel eine kleine Zeitreise zu den Wurzeln von Monster Hunter. Neben dem Hauptdorf Bherna gibt es mit Kokoto, Pokke und Yukomo drei Dörfer, die allesamt aus den Spielen der PlayStation-Ära bekannt sind. Auf der PlayStation 2 und PlayStation Portable nahm die Serie nämlich ihren Anfang, bevor Capcom zu den Nintendo-Plattformen wechselte. Einige bekannte Charaktere und Karten werden aber auch Nintendo-Anhänger wiedererkennen.

Findet einen eigenen Stil

Wir können aus den gleichen 14 Waffen wählen, die aus dem Vorgänger bekannt sind. Jede spielt sich anders spielt und unterstützt einen ganz bestimmten Spielstil. Neu sind aber vier spezielle Jagdstile, die zusammen mit der gewählten Waffe einen einzigen Kampfstil bilden und besondere Jagdtechniken freischalten. Letzteres sind Spezialfähigkeiten, die wir im Kampf aktivieren können, wenn sich der dazugehörige Technikbalken aufgeladen hat. Manche dienen dem Angriff, andere helfen uns auf abweichende Art und Weise.

Die vier Jagdstile spielen sich ziemlich unterschiedlich – sowohl hinsichtlich der Techniken, aber vor allem auch bei der Steuerung. Der Gildenstil entspricht der bekannten Erfahrung und hat Zugriff auf sehr unterschiedliche Techniken, von denen zwei ausgewählt werden können. Mit dem Schlägerstil können wir drei spezielle Techniken gleichzeitig nutzen und den dafür nötigen Technikbalken schneller aufladen. Um leichter auf Monster springen zu können, empfiehlt sich der Luftkampfstil. Und wer gut darin ist, in letzter Sekunde einem Angriff auszuweichen, sollte den Konterstil ausprobieren, um damit starke Gegenangriffe zu starten.

Die vier Jagdstile sorgen für mehr Vielfalt und geben vor allem den alten Hasen frisches Futter, um die Monsterjagd zu perfektionieren. Das Spiel lässt sich durch die vielen neuen Kombinationen noch besser an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Auf der anderen Seite wird Monster Hunter Generations dadurch aber noch komplexer als es der Vorgänger ohnehin schon ist. Und trotz optionaler Tutorial-Missionen werden Neulinge von den vielen Möglichkeiten anfangs wohl überfordert sein.

Monster Hunter Generations - Jagdstile - Trailer.

Opulenter Monsterkampf

Es gibt 71 große Monster und 34 weitere, kleinere. Das sind etwas weniger als in Monster Hunter 4 Ultimate, die Auswahl ist dennoch ziemlich groß. Neu mit dabei ist unter anderem Malfestio, der auch in der eShop-Demo spielbar ist. Das fliegende Monster erinnert an einen Uhu. Mit Ultraschall kann uns Malfestio einschlafen lassen, das Biest hat zudem fiese Klauen und zusätzliche Krallen an den Flügeln. Dieses Monster wollen wir lieber nicht wütend erleben – und wenn, sollten wir darauf gut vorbereitet sein. Glücklicherweise müssen wir bei der Monsterjagd gar nicht immer bis zum Ende kämpfen. Manchmal reicht es auch, das Ungetüm zunächst zu schwächen und dann in eine Falle zu locken, um an die wertvollen Ressourcen zu kommen.

Stilistisch wirkt Monster Hunter Generations freundlicher als seine Vorgänger. Der Titel ist ziemlich bunt und das steht im deutlichen Kontrast zum Schwierigkeitsgrad. Dafür ist das Spiel stilsicher: Ich persönlich mag die Präsentation von Monster Hunter Generations ziemlich gern; sie gehört zum Besten, was auf dem kleinen Handheld so möglich ist. Über die Qualität der Grafik mag nörgeln, wer auch mit anderen mobilen Plattformen als dem Nintendo 3DS spielt. Das ist aber ein grundsätzliches Problem der in die Jahre gekommenen Hardware. Die Texturen mögen schwach auflösen, dafür gibt ein paar hübsche Effekte zu sehen.

Mein Test-Fazit zu Monster Hunter Generations

Ich bin der Meinung, dass Monster Hunter in Europa weiterhin unterschätzt wird, weil sich viele nicht so recht vorstellen können, was sich hinter dem Spiel verbirgt. Wer aber eine spielerische Herausforderung sucht und sich von der Komplexität des Titels nicht abschrecken lässt, wird dem Action-Rollenspiel schnell verfallen. Allerdings habe ich ein wenig meine Zweifel, ob Monster Hunter Generations wirklich ein guter Einstieg in die Serie ist. Der Spinoff taugt definitiv als Best of für langjährige Fans und liefert ein paar gelungene neue Ansätze für das vertraute Konzept. Wer sich ganz frisch für die Reihe interessiert, sollte sich aber zunächst besser Monster Hunter 4 Ultimate vornehmen.

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Monster Hunter Generations funktioniert dagegen großartig für all jene, die bereits mit der Monsterjagd vertraut sind. Die Referenzen auf Vorgänger und die neuen Möglichkeiten, den Spielstil zu individualisieren, geben Jägern genügend frisches Futter, um sich wieder viele Stunden mit dem Abenteuer zu beschäftigen – natürlich auch online mit Freunden. Monster Hunter Generations ist ein schöner Blick in die Vergangenheit, der gleichzeitig alles feiert, was an der Monsterjagd so großartig ist.

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