Monster Hunter World: Nur gemeinsam sind wir stark [Kolumne]

Alexander Gehlsdorf

Als ich mit Monster Hunter World angefangen habe, durchlebte ich ein Wechselbad der Gefühle aus Frust, Triumph und Stress, das ich ausführlich im Video-Fazit besprochen habe. Dabei hatte ich damals einen zentralen Bestandteil des Spiels fast gänzlich ignoriert, der mir von Beginn an jede Menge Wutausbrüche erspart hätte: Der Mutliplayer.

"Ich habe lange nicht mehr so geflucht bei einem Spiel!" - Unser Test-Fazit zu Monster Hunter World.
Monster Hunter World ist kein einfaches Spiel. Die gewaltigen Monster zu legen erfordert jede Menge Geduld, Konzentration, Zeit und Frustresistenz. Erst vor wenigen Tagen hat meine Kollegin Kamila darüber berichtet, wie stark sie das Spiel an ihre Grenzen getrieben hat, sie am Ende aber mit einem echten Erfolgsgefühl belohnt wurde.

Im Test musste ich ähnliche Erfahrungen machen, denn bereits nach wenigen Spielstunden stellt sich der Anjanath insbesondere für Neueinsteiger als knallharte Backsteinwand heraus, an der es auch nach dem zweiten und dritten Anlauf kein Vorbeikommen gibt. In meinem Fall war das eine immens hilfreiche Lernerfahrung, denn hingegen all des Frusts und der Wutausbrüche, die mir das Biest bescherte, half mir mein Scheitern die Kernmechaniken des Spiels zu verinnerlichen, die Feinheiten der Schmiede kennen zu lernen und zu begreifen, wie wichtig das erneute Erlegen bereits besiegten Monsters ist, um die notwendigen Materialien für Rüstungen und Waffen-Upgrades zu sammeln.

Wie ich später bemerkte, hätte ich mir einen Großteil des damit zusammenhängenden Frustes allerdings auch ersparen können, wenn ich mich einfach in den Multiplayer getraut hätte. Zugegeben, während des Testes stand mir der Multiplayer per se noch gar nicht zur Verfügung, da sich die Server erst nach dem offiziellen Release mit Monsterjägern füllten, ich mein Testmuster aber bereits einige Tage zuvor erhielt. Im Anschluss an den Test war ich wiederum mehr an der Event-Quest rund um Horizon: Zero Dawn interessiert, als daran, meinen Jägerrang zu verbessern.

Ausgerechnet die zweite Horizon-Quest, die seit Ende Februar spielbar ist, war es dann aber, die mich mit dem Multiplayer vertraut machte. Diesmal sollte ein besonders großer Ajanath gejagt werden, um genug Materialien für Aloys Rüstung und ihren ikonischen Bogen zu sammeln. Schon wieder ein Ajanath also, die Backsteinwand meiner ersten Spielstunden — und dann auch noch in Übergröße. Ok, dachte ich, inzwischen konnte ich ordentlich an Rängen zulegen, vielleicht bin ich dem Ungetüm tatsächlich gewachsen. Insbesondere, nachdem ich mich intensiv mit den Schwächen des Biestes auseinandergesetzt habe.

Bilderstrecke starten
44 Bilder
Monster Hunter World: Monster-Liste mit Schwächen und Taktiken für alle Feinde.

Mein Mut und damit meine Motivation landete aber schlagartig im Keller, als ich in der Schmiede erfuhr, wie viele Materialien ich tatsächlich sammeln musste, um Bogen und Rüstung herzustellen. Den übergroßen Ajanath nur ein einziges Mal zu legen wird nicht ausreichen, fünf oder sechs Kills werden mindestens nötig sein. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass das im Alleingang keine Option zu sein scheint. Schließlich bin ich Gaming-Redakteur, andere Spiele wollen getestet oder für Nostalgie-Artikel ausgegraben werden und die Vorwurfsvollen Blicke, die mir mein Pile of Shame zuwirft, versuche ich schon zu lange mit tränenden Augen zu ignorieren.

Glücklicherweise kam mir dann doch der rettende Gedanke, dass ich ja nicht der einzige Spieler bin, der momentan eine Aloy-Rüstung will. Statt also wie sonst üblich eine Quest zu starten und mich im Alleingang auf die Jagd zu begeben, werfe ich einen Blick auf die Liste der Notsignale. Und tatsächlich, alle naselang suchen Spieler nach Team-Mitgliedern um mit dem monströsen Ajanath fertig zu werden.

Und nicht nur gerade-so-High-Rank-Würstchen wie ich, sondern erfahrene Jäger mit Rang 60, 70 oder sogar 80 öffnen ihre Gruppen. Also schnell beitreten bevor die Party dich ist. Was folgt, war ein schlicht und einfach erhabenes Gefühl. Während ich es zuvor gewohnt war, zwischen 30 und 45 Minuten mit dem Kampf gegen ein einzelnes Monster zu verbringen, brach der Ajanath bereits nach wenigen Minuten unter den Schlägen der Veteranen zusammen. Kurze Zeit später war ich Mitglied einer weiteren Party und erneut geht das Biest zu Boden, ohne dass ich vorher Tausend virtuelle Tode gestorben bin.

Gut, ein bisschen unwohl hab ich mich dabei ja schon gefühlt, mich einfach auf der Erfahrung der Veteranen auszuruhen, die Beute einzusacken und selbst relativ wenig zum Tod des Biestes beigetragen zu haben. Aber egal, es hat verdammt noch mal Spaß gemacht! Zumal das Zusammenspiel mit hochrangigen Spielern eine Ausnahme war, die ich wahrgenommen habe, um eine zeitlich begrenzte Event-Quest zu lösen. Für meine noch ausstehenden Story-Quests suche ich mir hingegen Jäger auf meiner Stufe oder feuere im Notfall ein Notsignal ab, wenn ich doch einmal alleine losziehe und meine Fähigkeiten zu sehr überschätzt habe.

Der Multiplayer hat für mich das größte Manko aus dem Spiel entfernt: Den Frust. Und über unüberwindbare Backsteinwände muss ich mir in Zukunft auch keine Gedanken mehr machen. Ich kann jetzt klettern.

Welche Waffe musst du in Monster Hunter World noch unbedingt ausprobieren?

Eine Vielzahl an Waffenarten erwartet dich in Monster Hunter World. Hast du schon alle ausprobiert oder bist du ein blutiger Anfänger im Monster-Hunter-Universum? Wir haben auf jeden Fall das passende Quiz für dich!

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung