Mordhau im Test: Nicht lang schnacken, Kopp vom Nacken

Marvin Fuhrmann

Immer wieder erobern Spiele die Steam-Charts scheinbar aus dem Nichts und ziehen einen ordentlichen Hype nach sich. Auch Mordhau tummelt sich seit Wochen in der Top-Liste. Handelt es sich hierbei nur um eine Eintagsfliege oder werden die Massenschlachten im mittelalterlichen Setting noch länger Thema bei den Spielern bleiben?

Mordhau bringt mit seinem Namen fast schon schmerzhaft auf den Punkt, was dich darin erwartet. Surrende Pfeile, lautes Geschrei und das Klirren von blankem Stahl, der im Chaos der mittelalterlichen Schlachten auf noch mehr Stahl trifft. Natürlich geht es dabei nicht zu zimperlich zu. Mordhau lässt auch gern die Fetzen und etliche Liter Erdbeermarmelade fliegen.

Der offizielle Trailer zur Schlachtenplatte Mordhau:

Mordhau - Trailer.

Ähnlich wie einst bei Chivalry bewegst du dabei deine Maus und bestimmst mit der gewählten Richtung, wie der nächste Schlag ausfällt. Dazu gesellen sich in Mordhau aber noch angetäuschte Schläge, alternative Haltungen für bestimmte Waffen und ein deutlich größeres Arsenal an Kriegsgeräten – unter anderem auch Balliste, Katapulte und allerlei Abwehranlagen, die die Schlacht zu Gunsten deines Teams drehen können.

Wie bei vergleichbaren Spielen gilt auch hier: Wer wild drauf loshauen will, hat seinen Spaß und wird eins mit dem Chaos. Wer sich aber die Zeit nimmt, sich wirklich in das Kampfsystem einzuarbeiten und jede Bewegung des Gegners zu lesen, wird die anderen Spieler mit filigranen Bewegungen in Grund und Boden stampfen. Einigen von ihnen bin ich bereits im Laufe meiner bisherigen Spielzeit begegnet – ich bin wirklich restlos beeindruckt, wie schnell einige Gamer da draußen ein Kampfsystem komplett in sich aufsaugen.

Spannend ist hier auch die Option, dir deinen eigenen Recken zu erstellen. Ähnlich wie in Call of Duty-Ablegern verfügst du über eine bestimmte Punktanzahl, die du in Equipment wie Schwerter, Schild oder stärkere Rüstungen stecken kannst. Wer viel Wert auf Verteidigung setzt, muss also mit einer schwächeren Waffe klar kommen, was für ordentlich Balance in den Matches sorgt. Hier läuft kein OP-Spieler herum und pflügt sich durch die Reihen des gegnerischen Teams – außer du besitzt dafür natürlich genügend Skills!

Apropos Skill: Items kosten zusätzliches Gold, das aber ausschließlich über das Absolvieren von Matches ergattert werden kann. Wer viel spielt, bekommt also auch die besten Waffen zum Kauf feil geboten. Kleidungsstücke, die kosmetischer Natur sind, lassen sich ebenfalls nur über gespielte Zeit ergattern. Ein Pluspunkt, wenn es darum geht, dich auf dem Felde von anderen abzuheben. Die meisten Spieler laufen aber – wer hätte es gedacht – in voller Montur oder gar mit nacktem Oberkörper herum. Willkommen im Mittelalter!

Mordhau bietet zum Zeitpunkt des Tests insgesamt drei Spielmodi für angehende Ritter und Ritterinnen – denen aktuell noch ein spielbares In-Game-Pendant fehlt. Insgesamt lassen sich in Mordhau momentan drei unterschiedliche Modi finden. Der erste Modus besteht aus großen Schlachten mit bis zu 64 Spielern, in denen du bestimmte Punkte einnehmen und Teile der gegnerischen Verteidigung zerstören sollst. Das ist auch der Modus, in dem sich die meisten Spieler tummeln – immerhin kommt hier genau das Feeling, für das die meisten wohl Mordhau gekauft haben.

Der zweite Modus hingegen ist ein Witz von einem Battle-Royale-Modus. Hier spawnen Spieler auf der Karte und suchen dann in Truhen nach Equipment. Wer als letztes noch steht, gewinnt. Da die Spawn-Punkte aber zufällig bestimmt werden und wir uns nicht aussuchen können, wo wir ungefähr starten, kann es sein, dass wir in einem Wald spawnen – während sich der Rest der Spieler im Dorf genüsslich mit Rüstung vollpackt. Spielspaß sieht anders aus, dieser Modus sorgt vielmehr für Frust, die Entwickler hätten ihn sich gerne auch sparen können.

Den Abschluss macht ein Horde-Modus, in dem du mit Freunden gegen immer stärker werdende Gegnerwellen antrittst und dich zwischen den Runden mit gewonnenem Gold ausrüstest. Keine Revolution, aber eine schöne Abwechslung, wenn wildes Draufgekloppe gerade attraktiver als der normale Modus scheint. Leider bietet Mordhau – egal in welchem Modus – zu wenig Kartenvielfalt. Da sich die Community wohl außerdem auf ein paar der Maps eingeschossen hat, grenzt sich die Auswahl noch weiter ein. Hier sollten die Entwickler noch einmal nachbessern und weitere Karten veröffentlichen.

Im Rahmen der Kickstarter-Kampagne, mit der Mordhau finanziert wurde, wurde immerhin schon ein Ausflug ins Heilige Land versprochen, der mit noch größeren Belagerungsmöglichkeiten glänzen soll. Wenn sich Mordhau zusätzlich ein kleines Bisschen von Games wie Mount & Blade abschaut, hätte ich sicherlich nichts dagegen. Immer wieder fällt auch der Vergleich zu einem Battlefield in Ritterrüstung. Doch um dem gerecht zu werden, braucht es zumindest eine Squad-Anzeige, um die Koordination mit Freunden im Spiel zu erleichtern. Doch Mordhau ist ja auch gerade erst am Anfang und dürfte – mit der nötigen Zusatzarbeit der Macher – eine lange Lebenszeit vor sich haben.

Unser Test-Fazit zu Mordhau

Wer einst mit Chivalry schon seinen Spaß hatte, wird in Mordhau einen würdigen (wenn auch nur geistigen) Nachfolger finden, der vieles besser macht. Das Kampfsystem macht auch nach Stunden noch Laune, die Waffen- und Anpassungsoptionen sind vielfältig und dürften jedem Spieler ein geeignetes Instrument in die Hand geben, um sich ins Getümmel zu stürzen.

Während Mordhau noch ganz am Anfang steht, hat sich Mittelalter-Rollenspiel Kingdom Come: Deliverance bereits bewiesen. Dem Spiel ist eine große Nähe zur Realität wichtig – natürlich lassen sich trotzdem einige Verweise auf andere Videospiele finden:

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Kingdom Come Deliverance: 9 Dinge, von denen du nicht wusstest, dass du sie im Spiel machen kannst.

Zum Zeitpunkt dieses Tests gibt es allerdings nur wenige Karten, einen desolaten Battle Royale-Modus und ein paar Ecken und Kanten, die noch unschön hervorstehen. Bleibt zu hoffen, dass die Entwickler durch den Hype und die Jubelrufe der Spieler beflügelt werden und neue Inhalte nachschieben. Denn nur dann kann sich Mordhau auch tatsächlich gegen die Konkurrenz durchsetzen und langfristig in den Charts bleiben.

Mordhau wird dir Spaß machen, wenn Ritter, Bogenschützen und Belagerungswaffen dein Herz höher schlagen lassen.

Mordhau wird dir nicht gefallen, wenn du bei Spielen viel Wert auf ein großes Rundum-Sorglos-Paket legst.

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