Moss im Test: Darum lohnt sich das magische VR-Abenteuer

Stephan Otto

Unzählige Spiele haben es versucht: The Inpatient, Farpoint oder auch Resident Evil 7. Doch kein Game konnte bisher so sehr von VR überzeugen, wie es die kleine Maus Quill in Polyarcs berührendem Moss jetzt schafft. Warum ist das so?

Im Trailer kannst du die Magie von Moss nur erahnen:

Moss: Launch Trailer - PS VR.

Eines zu Beginn: Storytechnisch ist Moss kein herausragendes oder überraschendes Werk. Die kleine Maus Quill findet ein mysteriöses Glasrelikt und bringt dieses nichtsahnend zum eigenen Onkel. Der wiederum fällt aus allen Wolken und macht sich auf den Weg in eine, von den Mäusen und anderen Lebewesen, längst verlassene Welt, bestehend aus einem Schloss und einer undurchsichtigen Vergangenheit. Was genau er da möchte und warum Quill ihn nicht begleiten soll, lässt sich nur erahnen. Doch die junge Mäusedame fürchtet Schreckliches und macht sich auf den Weg, ihren Onkel zu finden und die Geheimnisse des Glasreliktes zu lösen. Wäre Moss ein normales (Indie-)Adventure, wäre nun fast alles gesagt. Doch das kleine Team aus Seattle hat Moss als VR-Spiel konzipiert und damit das vermutlich beste Werk geliefert, welches es derzeit im PlayStation-Store zu kaufen gibt.

Hier gibt es keine vierte Wand

Im Spiel nimmst du als „Leser“ direkt Anteil am Geschehen. Zunächst wäre da das Buch, welches du in einer großen Halle liest. Du findest dich selbst auch im Buch wieder, in dem die Geschichte von Quill stattfindet, als geisterhaftes Wesen, dessen Maske ein wenig an das Ohngesicht aus Chihiros Reise ins Zauberland erinnert. Und letztendlich steuerst du Quill auch noch selbst, gibst ihr den Weg vor, führst das magische Schwert gegen angreifende Roboterkäfer. Und doch hat Quill auch ihren eigenen Willen, sie gibt dir ein High-Five, wenn ihr gemeinsam einen schweren Abschnitt gemeistert habt. Sie gibt dir Hinweise, wenn du zu lange brauchst, um ein Rätsel zu lösen. Außerdem freut sie sich, wenn du sie streichelst – Ja, sie freut sich, wenn du sie streichelst. Zucker.

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Die Entwickler haben sich aber noch mehr Gedanken darüber gemacht, was ein gutes VR-Spiel mitbringen sollte, respektive, wie eine VR-Brille besser genutzt werden kann. So entdeckst du manche Geheimnisse nur, wenn du den Blickwinkel änderst. Bei anderen Spielen bedeutet das oft, den rechten Stick zu drehen. Bei Moss bedeutet es, dich nach vorne zu lehnen, gekrümmt zu stehen, damit du die Szenerie überblicken kannst und beim Umdrehen zusammen zu zucken, weil du Angst hast, dir den Kopf zu stoßen. Letzteres liegt am Level-Design, diese wirken außerdem in Teilen so riesig und erhaben, dass du dir selbst winzig vorkommst. Wie muss sich da erst Quill fühlen?

Moss ist auch eines der wenigen VR-Spiele, in dem du so gut wie nie mit Motion Sickness zu kämpfen haben wirst. Denn du selbst bewegst dich im Grunde nicht, außer eben, wenn du mal um die Ecke schauen willst.

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Fazit zum VR-Abenteuer Moss

So schön die Welt auch ist und so berührend Quill als Heldin funktioniert, so kurz ist auch die Zeit, die du in Moss verbringst. Die Geschichte um die kleine Maus ist in Bücher aufgeteilt, derzeit ist nur Buch 1 spielbar. Unklar bislang, wann, ob und wie das Abenteuer weitergeht. Und ein weiterer Punkt trübt das Bild, ähnlich wie verschmierte VR-Brillengläser. Du bestreitest die Geschichte ganz ohne Level-Aufstieg, Power-Up oder zusätzliche Ausrüstung. Auch an den Skills der kleinen Quill kannst du nichts ändern. Dafür bietet das Spiel aber auch im Kampf mehrere Ansätze, die teils taktische Überlegungen erfordern. So kannst du als Leser die Kontrolle über Gegner übernehmen. Und während du mit Quill einem Käfer den Garaus machst, kannst du einen anderen gleichzeitig mit den Feuerbällen attackieren, die einige Feinde mitbringen. Das erfordert ehrlicherweise auch keinen verzweigten Skill-Tree, sondern lediglich die Fähigkeit, mehrere Aufgaben parallel zu erledigen, auch daran kann man scheitern. Grafisch jedoch gehört Moss zum charmantesten, was ich bislang auf der PSVR gespielt habe, hin und wieder macht das Tracking der Brille Probleme, das liegt jedoch an der Technik, nicht am Spiel. Einen weiteren Pluspunkt sammelt Polyarc mit der Wahl des Soundtracks, mystisch, berührend und mitreißend. Ach ja, und falls ich es nicht deutlich gemacht habe, Quill an sich ist der größte Pluspunkt des ganzen Adventures. So einen süßen Hauptcharakter habe ich selten erlebt.

Wird dir gefallen, wenn du ein durchdachtes VR-Spiel haben möchtest, auf Rätsel-Adventure stehst und einer kleinen Maus bei ihrer großen Mission helfen möchtest.

Wird dir nicht gefallen, wenn du VR nur via PC spielen kannst (der Titel ist PlayStation exklusiv), auf super ausgefeilte RPGs stehst und bei dir dort, wo andere ein Herz tragen, nur ein kalter Eisblock sitzt.

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