Need for Speed im Test: Haarscharf an der alten Form vorbei

Michael Krüger 5

Für viele von euch ist die jährliche Veröffentlichung eines neuen Need-for-Speed-Ablegers kein Grund zur Freude mehr. Selbst Fans der früheren Teile sind mittlerweile weit über Skepsis hinaus und rechnen schon gar nicht mehr mit einem Racing-Spiel, das dem Titel noch gerecht wird. Ändert sich das in diesem Jahr womöglich? Trailer und Grafik sahen im Vorfeld richtig gut aus. Ob das reicht, verraten wir im Test.

Need for Speed im Test: Haarscharf an der alten Form vorbei
Need for Speed Launch Trailer.

Um die Katze direkt mal aus dem Sack zu lassen: Need for Speed spielt definitiv nicht in der gleichen Liga wie Most Wanted 2012 oder Rivals. Allein schon die Präsentation geht über das hinaus, was die letzten Spiele der Serie euch geboten haben. Blitzende Lichter und deftige Zusammenstöße gibt es zwar nach wie vor, doch das Gesamtbild wirkt nun deutlich stimmiger und geht große Schritte in Richtung Realismus. Auf diese Weise entstehen äußerst sanfte Übergänge zwischen dem Gameplay und den durch Schauspieler dargestellten Zwischensequenzen. Solltet ihr hier mit großen Portionen Fremdschämen rechnen, könnt ihr beruhigt durchatmen. Selbst mit der oft gefürchteten deutschen Vertonung lassen sich die kleinen Filmchen gut anschauen und schaffen es, mindestens so authentisch wie der Film The Fast and the Furious zu sein. Das stellt mit Sicherheit schon die erste der Überraschungen dar, die euch in Need for Speed erwarten.

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Pimp my Ride – Na endlich!

Es ist schon erstaunlich, wie viel Zeit vergehen mussten, bis EA uns Spielern Gehör schenkte. Dabei war es jedes Jahr das gleiche Szenario: Ein neues Need for Speed erscheint und ein Raunen geht durch die Reihen der Fans. Der Grund: EA verzichtete immer wieder auf die Möglichkeit, Autos zu tunen und optisch anzupassen. Wir schickten regelrecht Stoßgebete in den Himmel, nur um im jährlichen Rhythmus erneut feststellen zu müssen, dass uns keiner zuhört. Bis jetzt!

Ja, es darf wieder geschraubt, geklebt, gesprüht und verstellt werden – und das nicht zu knapp. Habt ihr euch einen fahrbaren Untersatz ausgesucht, habt ihr zunehmend mehr Möglichkeiten, diesen nach euren Vorlieben anzupassen. Von der technischen Seite heißt das, dass es eine große Auswahl an Einzelteilen für das Innenleben des Fahrzeugs gibt. Dabei bedeutet ein neues Teil nicht immer nur eine Verbesserung der statistischen Werte. Baut ihr beispielsweise Halb-einstellbare Bremsen ein, eröffnen sich euch neue Tuning-Möglichkeiten. Noch schöner ist die Tatsache, dass ihr nach dem Verlassen der Garage sogar akustisch einen Unterschied der Bauteile feststellen könnt. So macht das Schrauben richtig viel Spaß.

Habt ihr euch für die einzelnen Bestandteile eures Autos entschieden, geht es an die Feinabstimmung. Je nachdem, welche Teile ihr verbaut habt, stehen euch etliche Schieberegler zur Verfügung, die dabei helfen, das Fahrgefühl eurer Träume zu verwirklichen. Hier wird grob zwischen Driften und Haftung unterschieden. Sollte nun der ein oder andere unter euch mit solchen Elementen keine Bewandtnis haben und keinen Wert auf derartigen Firlefanz legen, lohnt es sich, dennoch einen Blick zu riskieren. Die Komponenten des Tunings sind anschaulich erklärt und ermöglichen es sogar dem größten Renn-Muffel, einen Nutzen darin zu erkennen. Habt ihr das Gefühl, die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben, heißt es ab auf die Straße. Hier werdet ihr schnell merken, ob euer Gespür für die richtigen Schalter korrekt ist.

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Need For Speed 2015: Autoliste – alle Fahrzeuge im Überblick.

Bevor es dann zu den ersten Rennen geht, dürft ihr euch ausgiebig der Optik widmen. Auch hier habt ihr eine Vielzahl von Anpassungsmöglichkeiten. Zum einen könnt ihr durch Body-Kits und Einzelteile die Form eures Autos bestimmen. Zum anderen dürft ihr in den Farbtopf greifen und zusätzlich Sticker und Decals platzieren. Selbst die Fahrlage und die Stellung der Reifen sind euch überlassen. Von Seiten der Personalisierung lässt Need for Speed also kaum Wünsche offen; Fans der ersten Ableger bekommen endlich wieder das arg vermisste Spielgefühl zurück.

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Zwischen Adrenalin und Strafzetteln

Auch auf der Straße wird euch Vieles bekannt vorkommen. Need for Speed steht für bestimmte Schlagworte der illegalen Rennszene. Diese sind unter anderem: Geschwindigkeit, Drifts und Verfolgungsjagden. Genau so präsentieren sich auch eure Aufgaben. Während die Mechanikerin Amy eure Drift-Künste auf Herz und Nieren prüft, will Möchtegern-Star Spike den perfekten Raser aus euch machen. Eine Gang namens Outlaws liebt hingegen den Kampf mit dem Gesetz.

Bewegt ihr euch in klassischen Szenarien wie Wettrennen oder Drift-Parcours brilliert Need for Speed. Schnell werdet ihr eins mit der Steuerung eures Autos und spürt jede noch so kleine Anpassung. Das Geschwindigkeitsgefühl ist dabei schön intensiv. Nach ein paar Stunden sind selbst enge Kurven kein Problem mehr, so dass ihr den hübsch dekorierten Lack nicht bereits beim Verlassen der Garage beschädigt.

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Auf der anderen Seite zeichnen sich allerdings Schwächen ab. Zwar ist es eine nette Idee, Verfolgungsjagden mit den Cops zu provozieren, doch mindestens genau so mühsam, diese in die Tat umzusetzen. Das fängt bereits damit an, dass ihr erst einmal ein Polizeiauto suchen müsst, was schon einmal eine Weile dauern kann. Beschäftigt ihr euch mit einer Aufgabe, die ein gewisses Fahndungslevel erfordert, solltet ihr euch Kaffee bereitstellen. Die Cops fahren nämlich derart langsam, dass ihr euch eher anstrengen müsst, sie nicht abzuhängen anstatt zu entkommen. Das hat auf jeden Fall schon einmal besser funktioniert und dauert im neuen Need for Speed VIEL zu lange.

Hinzu kommt die seltsam dünne Karriere. Es ist zwar toll, den eigenen Ruf in Form von Reputations-Punkten zu verbessern, doch ohne die Gespräche mit den Charakteren im Spiel bliebe das eigene Vorankommen fast unbemerkt. Stufe 35 klingt einfach nicht so gut, wenn es in keiner wirklichen Relation steht.

Wie das mit den Online-Zwang dieses Mal aussieht und welche Wertung wir vergeben, erfahrt ihr auf der nächsten Seite.

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