New World: Krieg im neuen MMO von Amazon

Daniel Kirschey 1

„Normalerweise dauert es 24 Stunden, bevor der Krieg beginnt. Außerdem legt derjenige, der angegriffen wird, den Zeitpunkt fest. So lange warten wir jetzt natürlich nicht. Also los, heute geht’s direkt in den Kampf“, erklärt Mike Willette, Senior Producer bei Amazon Game Studios. Dann entfernt er die 24 Stunden Wartezeit und wir pirschen uns ans Lager der Gegner an.

New World Fortbuild Lapse Video.

Wir, das ist eine Gruppe an Redakteuren und Entwicklern, die sich im Spiel New World von Amazon zur Company Order of Hops zusammengeschlossen haben. Unser Gegner ist Bull Haven. Amazon Game Studio lädt in Berlin zum zocken ein – wir dürfen die Alpha-Version testen. Das Spiel ist, wie die Entwickler nicht müde werden zu sagen, ein Sandbox MMO. Das wird deshalb so oft erwähnt, weil während des Spielens vielen der Begriff „Survival“ einfällt. Das liegt wiederum am Beginn des Spiels. Aus der Verfolgerperspektive schaue ich meiner Figur über die Schulter und erblicke Meer, Strand und etwas Grün: Der Spawn-Punkt für neue Spieler liegt am Strand. Viel am Leib hat in der frischen Gruppe niemand.

Also erst einmal Holz und Flintsteine aufsammeln, ein Lager bauen, dass als neuer Respawn-Punkt fungiert. Krieg führt sich auch virtuell am besten mit Waffen. Also folgen wir einem der Entwickler in ein Lager. „Alle Gebäude, die ihr seht, sind von Spielern aufgebaut“, erzählt Willette. Im Lager finden wir eine Schmiede-, Leder-, Holz-, Alchemie- und Stein-Werkstatt – hier können die aufgeklaubten Ressourcen weiterverarbeitet werden. Im hinteren Teil des Lagers liegen für uns in Kisten dann Rüstungen und Waffen bereit.

Die Truhe, die ich auswähle, kleidet mich in eine Trapper-Rüstung und stattet mich mit einem Speer aus. Langsam sammelt sich die Gruppe in der Mitte. Heiler mit Hirschgeweih-Helmen, Pest-Doktoren mit Schild und Schwert und Konquistadore mit zweihändigem Hammer stehen um mich herum. Schließlich sind wir in einer neuen, magischen Welt im 17. Jahrhundert. Am oberen Rand des Bildschirms leuchten die beiden Logos der Companies auf, wie die Gilden in New World heißen: Bull Order vs The Order of Hops – WAR DECLARED – Prepare for War. Unser Anführer ist der Gouverneur, wir sind nur ein paar Siedler am unteren Rand der Company-Hierarchie. Bald geht es in den Krieg. Statt wie erwähnt 24 Stunden zu warten, schrumpft die Frist auf ein paar Minuten.

Krieg in der neuen Welt

Speermänner, Heiler und Konquistadore ziehen los. Dazu müssen wir aber erst einmal in die Nähe des feindlichen Lagers kommen. Auf dem Weg kann ich glücklicherweise meinen Speer an Untoten-Soldaten und Bären ausprobieren. Die Untoten heißen Withereds und wurden von einer Fäulnis aus dem Norden befallen. Neben dem normalen Angriff hat jeder noch spezielle zur Verfügung. Ich kann meinen Speer werfen, wenn ich will. Heiler wiederum heilen, indem sie einen leuchtenden Kreis auf dem Boden erscheinen lassen.

In der Nähe des Lagers von Bull Haven stellen wir unsere Camps als Respawn-Punkte wieder auf. Das Lager wird von einer Holzpalisade geschützt. Doch alles in der neuen Welt hat im Grunde einen Lebensbalken. Den von Holzpalisaden bekommen wir schnell auf null runter, indem wir Schießpulverfässer als Bomben nutzen und diese Baumstämme in die Luft jagen. Ist eine Bresche geschlagen, stürmen wir hinein und die Gegner von Bull Haven heraus. Es kommt zu vielen einzelnen Gefechten und Scharmützeln. In der finalen Fassung sollen hunderte Spieler miteinander ringen dürfen.

Zurück zum eigenen Krieg: Mit der Zeit gewinnen wir vom The Order of Hops glücklicherweise die meisten Auseinandersetzungen. „Normalerweise würdet ihr natürlich nicht einfach Ausrüstung bekommen, die müsstet ihr euch selbst craften“, erklärt Willette. Die Waffen haben unterschiedliche Ränge, es geht von Tier 1 bis Tier 5 – umso höher, desto ausgefallenere Ressourcen brauche ich. Dafür sind Tier 5-Werkzeuge und -Waffen selbstverständlich nützlicher, machen beispielsweise mehr Schaden.

Das kann ich auch am eigenen virtuellen Körper spüren – unter anderem, wenn ich kriminell werden. Denn ja, New World ermöglicht es mit auch, mich gegen meine eigene Gruppe zu stellen. Greife ich dann andere Spieler an, hilft ein Tier 5-Speer dabei mehr als einer aus der ersten Riege.

Kriminelle & Ressourcen

Kriminell bleibe ich dafür dann auch acht Stunden lang. Wenn ich nun getötet werde, verliere ich nicht nur alles, was in meinem Inventar ist, sondern auch alles, was ich am Körper trage. Wer fürs Mitspieler Umbringen nicht bestraft werden will, darf ja Krieg gegen die andere Fraktionen führen. Denn New World wird ein Player vs. Player-Spiel – oder später eher ein Company vs. Company-Spiel. Spielergruppen fallen in die neue Welt ein und sichern sich ganze Landstriche. Jeder Landstrichtyp bietet andere Ressourcen. Statt normaler Quests sollen am Ende beispielsweise Ressourcen-Aufträge von Spielern an Spielern für genügend Motivation sorgen.

Die Alpha-Version bietet schon ein ordentliches Grundgerüst, das jedoch nicht so neu und frisch ist, wie man vielleicht denken mag. Albion Online geht einen ähnlichen Weg und selbst Bethesdas gescheiterter Versuch mit Fallout 76 hat Parallelen zu dem gar nicht so neuen New World. Ein abschließendes Urteil ist in einer Alpha natürlich nicht möglich und am Ende entscheidet die Community und die damit einhergehende Eigendynamik, ob New World ein Erfolg oder ein Reinfall wird.

Wie sieht es beispielsweise aus, wenn ich von meiner Company gleich die wichtigsten Ressourcen kriege und eine eigene Progression im Spiel nicht mehr nötig ist? Willette führt aus: „Momentan testen wir vor allem aus, wie die Spieler in der Alpha-Phase miteinander umgehen.“ Genau solche Sachen werden also momentan noch von den Entwicklern selbst ausprobiert. Ob die Rechnung von Amazon Game Studios letzten Endes aufgeht, bleibt also abzuwarten.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung