Ni No Kuni 2 im Test: Glücklich bis ans Ende ihrer Tage

Lisa Fleischer 3

Mit Ni No Kuni 2 erzählt Level-5 nicht nur von einem König, der idealistische Ziele verfolgt, sie selbst haben mindestens genauso große Ambitionen. Das bremst sie allerdings nicht aus, sondern treibt sie zu Hochleistungen an.

 

Du hast keine Zeit, den gesamten Test zu lesen, willst aber wissen, wie Ni No Kuni 2 abschneidet? Ganz unten findest du eine kurze Zusammenfassung sowie unsere Wertung.

Das (bislang) beste Spiel des Jahres: Ni No Kuni 2 im Test.

Der erste Teil von Ni No Kuni, ein Spiel von Level-5 und Studio Ghibli, bekam zum Release 2013 fast durchgängig positive Wertungen. Die Ankündigung der Fortsetzung ließ deshalb nicht lange auf sich warten: Bereits Ende 2015 wurde Ni No Kuni 2 vorgestellt. Allerdings sollte das Spiel dieses Mal alleine aus den Federn von Level-5 kommen, gönnte sich Studio Ghibli zu dieser Zeit doch eine kreative Pause.

Ob es daran liegt oder andere Gründe hat: Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs ist keine klassische Fortsetzung, sondern ein ganz neues Spiel. Zwar ist die Welt immer noch dieselbe, außerdem finden sich einige Querverweise auf Teil eins. An sich erzählt Ni No Kuni 2 jedoch eine komplett andere Geschichte, mit neuen Figuren, einem überarbeiteten Stil und einem neuen, innovativen Gameplay. Und genau das macht Ni No Kuni 2 so einzigartig und deshalb empfehlenswert.

Das idealistische Ziel von König Evan

Der Anfang von Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs spielt sich wie im ersten Teil in der realen Welt ab. Wir sehen, wie der Präsident eines großen Landes in seiner Limousine sitzt, auf dem Weg zu einem wichtigen Termin. Auf einmal zischt über ihn eine Bombe hinweg, Ziel ist die riesige Stadt vor ihm. Als sie einschlägt, wird die ganze Umgebung zerstört, die Limousine wird hinweggefegt und der Präsident scheint zu sterben.

Plötzlich findet er sich in einer ganz anderen Welt wieder: Ni No Kuni, eine Parallelwelt zu seiner eigenen. Er selbst hat sich verändert: Er ist jetzt wesentlich jünger. Wir erfahren, dass der Präsident Robert heißt. Er steht einem jungen Katzen-Mensch gegenüber, Evan. Er ist der König von Katzbuckel, muss jedoch mit Robert fliehen, weil Untergebene eine Revolte gestartet haben und ihm an den Kragen wollen. Seine Mentorin, Mina, will ihn vor den Übergriffen schützen, stirbt dabei jedoch.

Ohne Heimat und mit nur einem Gefährten findet sich Evan außerhalb der Stadt wieder. Schnell wird ihm klar: Aufgeben will er nicht, er will ein neues Königreich errichten. Für Mina. Sie war es, die ihn auf den Gedanken brachte. Ihr letzter Wunsch: Evan soll ein Königreich aufbauen, „in dem alle glücklich bis zu ihrem Ende leben können“.

Mit dem idealistischen Ziel im Kopf, für Frieden zu sorgen, sucht sich Evan samt Roland ein hübsches, noch leeres Plätzchen, das viele Ressourcen bietet. Hier soll irgendwann Minapolis entstehen. Ganz alleine kann er jedoch kein Königreich gründen: Erst braucht er einen Königsmacher. Den bekommt er allerdings nur, wenn er gefährliche Gefilde durchschreitet und einige Rätsel löst. Und so beginnt die Reise des noch jungen Evan, der erneut König werden will.

Charmant und wunderschön – auch ohne Studio Ghibli

Obwohl Studio Ghibli als solches nicht an Ni No Kuni 2 beteiligt war, ist der Stil des Spiels doch unglaublich schön und erinnert stark an die Werke der Anime-Schmiede. Die Figuren, egal ob Haupt-, Nebencharakter oder Figur am Straßenrand, haben alle ihre eigene Persönlichkeit, die durch ihr Aussehen nach außen getragen wird. So begegne ich beispielsweise Tante Martha, einer älteren, etwas rundlichen Frau, die immer ein Lächeln auf den Lippen hat und um die sich kleine Gnuffis sammeln; Naturgeister, die mich später auf meiner Reise begleiten werden.

Tante Martha ist mir von Anfang an sympatisch, ein Stück weit erinnert sie mich sogar an meine eigene Oma. Fast schon erwarte ich von ihr, dass sie mir einen Kakao macht und Marmeladenbrote schmiert, komme ich zu ihrer Tür herein. Obwohl sie mich nur kurz begleitet, hinterlässt sie bei mir einen bleibenden Eindruck. So geht es mir aber nicht nur mit ihr, sondern auch mit Nyr, Boris, Mianton – kurz: so gut wie allen Charakteren, die mir auf meiner Reise begegnen.

Und auch die Musik, die im Hintergrund läuft, erinnert stark an Ghibli-Klassiker wie Das Schloss im Himmel und Chihiros Reise ins Zauberland. Das alles hat einen einfachen Grund: Auch, wenn Studio Ghibli als Institution nicht am Spiel beteiligt waren, haben doch einige Talente aus dem Animationsstudio an Ni No Kuni 2 mitgewirkt. Am Design des Spiels ist beispielsweise Ghibli-Designer Yoshiyuki Momose beteiligt, der Soundtrack stammt vom legendären Joe Hisaishi.

Enttäuschend ist lediglich, dass nur wenige Passagen in der Geschichte synchronisiert wurden, meistens geben die Charaktere nur Laute von sich oder bleiben komplett stumm. Gibt es doch einmal vertonte Dialoge, kannst du sie dir nur auf japanisch oder englisch anhören. Umso mehr hast du im Spiel zu lesen. Du wirst nicht nur mit Erklärungen, sondern ganzen Dialogen und sogar Tagebucheinträgen bombardiert.

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Dafür ist die deutsche Text-Übersetzung grandios. Wortspiele wurden passend ins Deutsche transferiert, Eigennamen so umgeändert, dass sie zur Situation passen, kein einziges Mal kommt mir ein Grammatik- oder Rechtschreibfehler unter. Alleine dafür verdient Ni No Kuni 2 schon einen Preis, das schafft bei weitem nicht jedes Spiel.

Passender Genre-Mix zu Gunsten der Geschichte

Nicht nur die Geschichte von Ni No Kuni 2 ist eine ganz neue, das Gameplay wurde passend modifiziert. Anstatt dass du erneut die Emotionen der Menschen aus Ni No Kuni zurückbringst, ist es dieses Mal dein Ziel, ein neues Königreich aufzubauen. Dafür steht dir der Regierungsmodus zu Verfügung, der sich wie ein klassisches Aufbau-Strategie-Spiel anfühlt.

Mit Geld, dass deine Bewohner für dich erwirtschaftet haben, erweiterst du deine Stadt, baust Schmieden, einen Basar oder eine Fischerei. Hier kannst du Bewohner einstellen, die du auf deiner Reise rekrutieren konntest. Die Ressourcen wiederum, die dir deine Bewohner bereitstellen, kannst du im Spiel benutzen. Zudem erweiterst du deine Magie- und Kampf-Kenntnisse, investierst du in Forschung, was dich im Kampf wiederum stärkt.

Nicht nur der Regierungs-, auch der Skirmish-Modus untermalt die Geschichte von Evan, der König werden will. Denn was wäre ein König ohne Armee, die ihn vielleicht nicht gegenüber anderen Völkern, aber gegen Monsterhorden verteidigt? Im Skirmish-Modus kämpfst du nicht selbst, sondern befehligst deine Einheiten. Das passiert in Top-Down-Sicht, du hast aber direkten Eingriff auf das Geschehen. Dein Ziel: Die gegnerischen Truppen zurückdrängen, um ihr Gebiet für dich zugänglich zu machen.

Ni No Kuni 2: Alle Gameplay-Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger

Natürlich gibt es trotzdem den klassischen Rollenspiel-Kampf, in dem du fließend zwischen den drei Helden, die in den Kampf ziehen dürfen, wechselst. Im Verlauf des Spiels findest du neue Waffen und Rüstungen, mit denen du deine Helden ausrüstest. Auch, wenn sie deinen Status anheben, mehr Schaden machen oder deine Verteidigung stärken, haben sie aber keinen Einfluss auf das optische Erscheinen deiner Charaktere.

Mit König Evan wird es niemals langweilig

Alleine vom Gameplay her bietet Ni No Kuni 2 unglaublich viel Abwechslung. Das ist aber noch nicht alles: Wer die Haupthandlung nicht mehr verfolgen will, kann sich mit zahlreichen Nebenquests ablenken. Diese werden dir auf der Mini-Map mit einem kleinen Ausrufezeichen angezeigt, außerdem leuchten die Sprechblasen derer, die einen Auftrag für dich haben, blau auf. Manches Mal führt dich sogar die Hauptquest zu einer Nebenquest, die dich erst nach einer Weile zurück auf den eigentlichen Pfad führt.

Eigentlich bin ich von Nebenquests kein Fan, Ni No Kuni 2 bot mir dazu jedoch immer sol kreative Charaktere, amüsante Geschichten und großzügige Belohnungen, dass selbst ich so sehr davon fasziniert war, dass ich den eigentlichen Pfad für mehrere Stunden verlassen habe. Außerdem sind Nebenquests nicht sinnloser Zeitvertreibt, meistens findest du dadurch einen neuen Bewohner für dein Königreich, der für mehr Ressourcen sorgt. Reichen dir die Nebenquests nicht aus, findest du in jeder Stadt den Buchwalter, der weitere Nebenquests für dich bereit hält.

Im Grunde ist das Gameplay von Ni No Kuni 2 leicht zu erlernen, du wirst an alle Mechaniken herangeführt und zu keiner Zeit überfordert. Trotzdem gibt es zahlreiche Möglichkeiten, tiefer zu gehen und an deinen Stärken und Schwächen zu feilen. Nicht nur über dein Königreich erlernst du neue Fähigkeiten, mit dem Kampfequalizer, der wie eine Art Skill-Baum ist, kannst du dein Kampfstil ausbalancieren, dich zum Beispiel gegen Drachen stärken oder deine Verteidigung zusätzlich erhöhen. Allerdings braucht es dazu spezielle Punkte, die du dir erst verdienen musst.

Willst du einmal nicht weiterspielen, sondern mehr zur Hintergrundgeschichte erfahren, gibt es den Almanach des Wissens. In ihm werden nicht nur die verschiedenen Monster, Gnuffis und Begleiter aufgelistet, die dir schon begegnet sind. Du kannst dir auch das MechBook angucken. Dieses ist eine Art Instagram für die Bewohner von Ni No Kuni. Du findest dort also zahlreiche Bilder und Anekdoten aus den Leben der Neben- und Hauptcharaktere, die mal mysteriös, mal unterhaltsam sind.

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Mein Test-Fazit zu Ni No Kuni 2: Überglücklich bis zum Schluss

In Ni No Kuni 2 gibt es unglaublich viel zu entdecken. Weil ich mich wohl ein bisschen zu lange mit den zahlreichen Nebenquests aufgehalten habe, bin ich bislang noch nicht am Ende des Spiels angelangt. Bei meinem Test handelt es sich deshalb um ein Review in Progress. Sobald ich das Ende des Spiels erreicht habe, werde ich diesen Test noch einmal aktualisieren. So lange ist meine Wertung noch nicht final.

Wie Evan hatten auch die Entwickler von Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs ein ambitioniertes Ziel: Anstatt sich auf dem Erfolg des ersten Teils auszuruhen, sind sie ein großes Risiko eingegangen. Alles, was damals funktioniert und nicht funktioniert hat, haben sie über den Haufen geworfen. Sie ließen sich eine komplett neue Geschichte einfallen, mit frischen Charakteren und einem ganz anderen Ziel. Anstatt diese um altbekannte Spielmechaniken zu stricken, passten sie das Gameplay an die Story an und unterfüttern sie so passend.

Ein großes Risiko, das sich jedoch bezahlt macht. Level-5 zeigt damit nicht nur jedem Entwickler, wie Fortsetzungen eigentlich sein sollten. Sie beweisen, dass sie auch ohne die Unterstützung eines so bekannten Namens wie Studio Ghibli genügend kreative Köpfe zusammenbekommen, um ein charmantes, durchdachtes und trotzdem abwechslungsreiches Spielerlebnis zu schaffen.

Auch, wenn synchronisierte Szenen nur sparsam eingesetzt werden und mir an der ein oder anderen Stelle auffällt, das Texturen relativ spät laden und die Framerate abfällt, ist Ni No Kuni 2 ansonsten ein fast schon perfektes Spiel, das mich dank der zahlreichen Gameplay-Mechaniken und Anpassungsmöglichkeiten zu motivieren weiß – und bestimmt glücklich bis zum Schluss macht.

Wird dir gefallen, wenn du gerne langsam an ein neues Spiel herangeführt wirst, du ein Spiel suchst, dass dich potentiell zahlreiche Stunden beschäftigt und du über kleine technische Schwächen hinwegsehen kannst.

Wird dir nicht gefallen, wenn ein Spiel für dich richtig schwer sein muss, damit es dich motiviert, du mit Ghibli-Filmen und Animes absolut nichts anfangen kannst und eine deutsche Synchronisation für dich unabdingbar ist.

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