Nippon Nation: Zankyou no Terror - Wo ist der Terror?

Annika Schumann 11

Ich bin enttäuscht. Es mag daran liegen, dass ich sonst keine realistischen Animes schaue. Es mag daran liegen, dass meine Erwartungen an die Serie zu hoch waren - oder es mag einfach daran liegen, dass Zankyou no Terror, auch unter dem Titel Terror in Resonance bekannt, wahnsinnig viel Potenzial verschenkt hat. 

Zankyou no Terror Trailer.mp4.

Zankyou no Terror: Ohne Terror

Doch fangen wir von vorne an. In Zankyou no Terror / Terror in Resonance geht es um zwei jugendliche Schüler, die nach Tokyo kommen und nur ein Ziel zu kennen scheinen: Terror. Sie sind wahre Meister des Bombenbauens und versetzen somit die Hauptstadt in absolute Panik, indem sie für eine Explosion nach der anderen sorgen. Dabei liefern sie sich, ähnlich wie bei Death Note, ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei, denen sie durch komplizierte Rätsel stets einen Schritt voraus scheinen. Wenn das nicht die Prämisse für einen gnadenlosen, spannenden Anime ist, dann weiß ich auch nicht. Aber am Ende der elften und letzten Episode stellte sich heraus, dass dem nicht so war.

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Zankyou no Terror hätte wirklich richtig gut werden können. Die Grundidee ist erfrischend und durch die realistische Darstellung neu und unverbraucht. Es gibt keine Magie, keine herumfliegenden Protagonisten mit riesigen, leuchtenden Bomben, sondern einfach nur zwei wahnsinnig intelligente Schüler, die in ihrer Vergangenheit durch die Hölle gegangen sind und nun aus gewissen Gründen Bomben hochjagen. Das ist neu, das ist anders, das gefällt.
Doch bei einer Serie, die „Terror“ im Namen trägt, erwartet man diesen auch - doch darauf kann der Zuschauer lange warten. Obwohl die Beweggründe von „Nine“ und „Twelve“ lange ungewiss sind, wird eines schnell klar: bei ihren Anschlägen wird niemand getötet und sie sorgen sogar dafür, dass genau dies nicht passiert und riskieren ihren eigenen Hals. So extrem das auch klingen mag: Das nimmt dem Terror den Terror. Auf diese Weise wird kaum Spannung erzeugt und alleine die Frage, warum sie das tun, kann nicht die gesamte Serie tragen.

Charaktere ohne wirklichen Tiefgang, obwohl so viel mehr drin gewesen wäre

Genau das gleiche gilt für die beiden Charaktere. Bis zum Ende, das zwar tragisch, aber bei weitem nicht so traurig wie gewollt ausfällt, konnte ich keinen richtigen Bezug zu den beiden Figuren aufbauen. Sie ließen den Zuschauer kaum an sich heran und blieben immer irgendwie im Hintergrund, obwohl sie die Protagonisten waren.
Das von Zuhause abgehauene Mädchen namens Lisa, das unfreiwillig und dennoch sehr glücklich in die Welt der beiden hineingezogen wird, trägt nicht besonders dazu bei, das die Serie vor allem durch ihre Charaktere strahlt. Im Gegenteil, sie nahm die Rolle einer unfähigen, nervigen und überforderten Nebenfigur ein, die manchmal nur der groben Existenz und einer Schlüsselszene am Ende der Serie wegen vorzukommen schien.

Die wahnsinnige Five, die als brutale Nemesis-Figur später auftaucht, konnte die Serie mit ihren Methoden zwar etwas anheben, doch bei weitem nicht das bieten, was ich mir an Spannung, Intrigen und perfiden Plänen erhofft hatte.
Der einzige Charakter, der mir wirklich gefallen hat, ist Polizist Kenji Shibazaki. Seine Intelligenz und die unkonventionelle Art, wie er Fälle zu lösen vermag, haben mir sehr zugesagt und die Jagd auf Nine und Twelve wenigstens etwas mit Spannung gefüllt, obgleich die Aufgaben meiner Meinung nach oft zu schnell gelöst waren. Ich denke einerseits, das mehr Folgen der Serie gut getan hätten, aber andererseits hätte das die Serie auch noch schlechter machen können.

Fazit:

Zankyou no Terror verspielt viel Potenzial und kommt, für diese Thematik, zu seicht daher. Die einen werden genau das mögen, die anderen werden sich nach mehr Action sehnen. Allgemein fehlt es mir in der Serie an Tiefgang und Emotionen, obwohl die Vergangenheit, die Five, Nine und Twelve durchgemacht haben, wahrlich unschön ist - aber dennoch konnte sie mich nicht so packen und berühren, wie manche anderen Serien es mit weit weniger vermocht haben.

Zankyou no Terror hat 11 Episoden und kann daher gut in einem Zug gesehen werden. Die Rechte für die deutsche Veröffentlichung hat sich Universum Anime gesichert und die Serie soll hierzulande Mitte 2015 als DVD und Blu-Ray erscheinen.

Unter dem Titel “Nippon Nation“ werde ich euch von nun an Artikel und Specials rund um das Thema Anime, Manga und Japan präsentieren. 

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©Aniplex, Dentsu Inc., Universum Anime

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