Lohnt sich No Man's Sky? Eine erste Test-Tendenz

Kristin Knillmann 6

Der Hype um No Man’s Sky hat sich über die letzten Jahre ins nahezu Unermessliche gesteigert und ist inzwischen fast so groß wie die prozedural generierte Galaxie des Sci-Fi-Abenteuers. Ich habe sechs Stunden gespielt und erzähle euch meinen ersten Eindruck im Pre-Test: Lohnt sich No Man’s Sky?

Lohnt sich No Man's Sky?

Die Frage, ob sich No Man’s Sky lohnt ist eine, die sich gar nicht so leicht beantworten lässt. Denn No Man’s Sky ist ein sehr spezielles Spiel; eines, dessen Charakter sich definitiv nicht allen erschließen wird. Und dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, ist No Man’s Sky eine ganz besondere Erfahrung. So wirklich spoilern lässt sich die zwar nicht, ich werde - bis auf den Anfang des Spiels - trotzdem möglichst vage bleiben. Denn bei No Man’s Sky spielt vor allen Dingen das Entdecken der Ideen, der Mechaniken und natürlich des schier endlosen Universums mit über 18,446,744,073,709,551,616 Planeten eine wichtige Rolle.

Unserer Einsteiger-Guide zu No Man's Sky

Mein erster Eindruck zu No Man’s Sky

Ihr startet dann also auf einem dieser x-beliebigen Planeten des Spiels und seid angehalten, euer zerstörtes Raumschiff zu reparieren. Je nachdem, ob ihr die Begleitung des Guide-Sytems Atlas erwünscht, weist euch No Man’s Sky mit einem Quest-Menü an der Seite oder gar nicht darauf hin, welche Schritte nötig sind, um weiterzukommen. Eine clevere Art und Weise, das Spielprinzip für beide Spielertypen zugänglich zu machen: Die, die einfach frei und allein die Welt erkunden wollen, und die, die ein Ziel vor Augen brauchen.

Welcher Typ auch immer ihr seid, seinen zentralen Aspekt lässt sich No Man’s Sky auch mit Atlas nicht nehmen: Es geht konstant darum, die Welt mit ihren Regeln und Mustern verstehen zu lernen. Das Wissen, welche Ressourcen ihr aus welchen Pflanzen gewinnen könnt, ist ein Wichtiges. Das Wissen, wie ihr unabdingbare Gegenstände im Inventar zur Weiterverarbeitung craftet oder wie ihr an die Übersetzungen der Fremdworte einiger Alien-Rassen gelangt, ein noch viel Wichtigeres. Das fühlt sich ein bisschen so an, als würden wir Minecraft in der Alpha-Version spielen, als wir noch sämtliche Rezepte selbst finden mussten. In No Man’s Sky sind das dann eben Blaupausen für Erweiterungen unserer Tools, des Exosuits oder des Raumschiffs.

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Um all das zu erreichen, ist es nötig, viel herumzulaufen und durch die Weltge- ähhh Universumsgeschichte zu fliegen. In diesem Zwangs“feature“ versteckt sich Last und Wunder zugleich: Die einzelnen Planeten, ganz zu schweigen vom Universum selbst, sind irrsinnig groß. Sich darin wie ein unwichtiger, kleiner Aspekt zu fühlen, ist faszinierend und unwirklich – etwas, das No Man’s Sky mehr zu einer Simulation denn zu einem Spiel werden lässt. Vor allen Dingen aber etwas, das dem Spiel fantastisch gelingt. Ein weit entfernter, in Echtzeit heruntertickernder Marker, der 10 Minuten Spielzeit weit weg ist, ist sowohl langwierig und mühsam zu erreichen, als auch unglaublich cool und echt.

Unterwegs entdeckt ihr Strukturen, Geheimnisse, Ressourcen und – ganz wichtig für eure Einkünfte – Flora und Fauna des jeweiligen Planeten. Die unterschiedlichen Möglichkeiten der Interaktion und Reaktion lasse ich euch selbst erleben. Nur so viel sei gesagt: Sie sind wunderschön, individuell… so lange, bis sie durchschaubar und langweilig werden.

Ihr merkt schon, dass ich in diesem ersten Eindruck immer zwischen A und B schwanke. Eingangs nannte ich No Man’s Sky speziell. Der Grund dafür ist der, dass das kleine, riesige Spiel von Indie-Studio Hello Games eine sehr persönliche Erfahrung ist. Es zeichnet sich zwar ein loses Ziel ab, wenn ihr den Planeten und später das ganze Sonnensystem verlasst. Und doch bleibt das Spiel überwiegend ziellos, WENN ihr euch nicht selbst eine Motivation sucht, die euch antreibt, viele Winkel der überwiegend verlassenen Welten zu erkunden.

Während mancher total darauf abfährt, sich mit Tieren anzufreunden und sein Raumschiff zum fettesten Schiff der Galaxie zu machen, habe ich als alte Linguistik-Studentin Freude daran gefunden, die ungewöhnlichen Sprachen der Alien-Rassen verstehen zu lernen. Zumindest dann, wenn ich nicht weiter darüber nachdenke, dass ich eigentlich nur Fetch-Quest-artig durch die Gegend fliege, um Worte zu suchen. Dann erscheint mir meine Existenz im großen Ganzen der Galaxie wieder ekelhaft wertlos, und ich möchte mich am liebsten unter einem wunderschönen Stein auf meiner „Planet GIGA“ getauften Welt verkriechen, bis es einen ordentlichen Mehrspieler-Modus gibt, der meinem digitalen Leben in No Man’s Sky mehr Sinn verleiht.

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Sinn und Unsinn – die große Frage des Lebens ist also auch die große Frage von No Man’s Sky. Und – total passend für eine Simulation – gibt es in beiden Sphären diejenigen, die sich auf die Suche nach einer Antwort begeben, Planet für Planet. Und ihre ganz eigene Antwort auf diese Frage finden. Und dann gibt es diejenigen, die eigentlich nur ein gutes Videospiel zocken wollten und sich vor Langeweile übers Nichtstun und Herumwandern morgen im Internet die Seele aus dem Leib kotzen werden, wie ungerechtfertigt der Hype um No Man’s Sky im Vorfeld war.

Wie sehr ich es auch versuche, aber ich komme auf keinen Zweig, der No Man’s Sky irgendwo in der Mitte, gut bekömmlich für jeden von euch, einsortiert. Alle, die gern jedes Blatt der Welt umdrehen wollen; alle, deren Fantasie jeden Tag ganz eigene Geschichten erfinden mag; alle, die ein Ziel haben – sei es das Zentrum des Universums, eine archäologische Expedition oder nur das Erleben des wundervollen Gefühls, mit dem Raumschiff abzuheben; alle, die fast schon meditativ durch die Weiten einer toll anzusehenden, prozedural generierten Gegend laufen möchten. Für euch kann No Man’s Sky etwas ganz Besonderes werden.

Findet ihr euch darin allerdings nicht wieder, werdet ihr die schlechte Menüführung hassen, die fehlenden Komfortfunktionen missen, euch wegen der ewigen Laufwege und leeren Welt in den Schlaf weinen, und von der Frage geplagt werden, was „der ganze Scheiß eigentlich soll“ und warum so viele Leute drauf abfliegen.

No Man's Sky - 30 Minuten Gameplay.

Die Fragen, die bleiben

Wie lange genau diese Leute drauf abfliegen, ist für mich tatsächlich eine der großen offenen Fragen, die derzeit bleiben. Das anfängliche Whoa der ersten fünf Stunden ist meine Zeit durchaus wert gewesen. Aber reicht es mir meine anfängliche Motivation wirklich, um Stunden mit No Man’s Skys wenig ausgreiften Gameplay-Systemen zu verbringen? Kann mich das Universum lang genug für sich begeistern, dass ich bereit bin, auch ohne Antrieb des Spiels selbst, bis in seinen Kern vorzudringen? Ich steige in mein Raumschiff ein und begebe mich erneut auf die Reise, um die Antworten für euch zu finden.

Ich bin Commander Kristin, und das ist vielleicht mein neues Lieblingsvideospiel auf der Citadel. Vielleicht aber auch nicht.

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