No Man's Sky ist todlangweilig – und genau das, was die Science-Fiction gerade braucht

Sebastian Moitzheim 7

No Man’s Sky ist, in den Augen vieler enttäuschter Käufer, ziemlich langweilig. Warum unter anderem genau dies das Spiel zu einem wichtigen Beitrag zur aktuellen Science-Fiction macht, erfahrt ihr in diesem Text.

Wenn ihr das hier lest, habt ihr wahrscheinlich Angst.

Ihr habt die Überschrift dieses Textes gelesen und euch angesprochen gefühlt. Ihr interessiert euch demnach für Science-Fiction, habt also mit ziemlicher Sicherheit in den letzten 10 Jahren das ein oder andere Sci-Fi-Spiel gespielt, den ein oder anderen -Roman gelesen, den ein oder anderen -Film gesehen. Dann habt ihr jetzt wahrscheinlich eine latente, diffuse Angst.

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No Man's Sky früher und heute: Eine Reise durch die Zeit

Science-Fiction hat uns in den letzten Jahren eine Menge Angst gemacht. Vor der Zukunft, vor Technik, voreinander. Das ist gut und wichtig, denn wir leben in einer komplizierten, furchteinflößenden Welt, und wir müssen komplexe, schwierige Entscheidungen treffen. Uns vor den Konsequenzen falscher Entscheidungen zu warnen, ist eine Aufgabe der Science-Fiction.

Aber es ist nicht die einzige Aufgabe der Science-Fiction.

Viele Käufer von No Man’s Sky sind enttäuscht, da sie das Spiel als langweilig empfinden. Damit haben sie Recht: No Man’s Sky ist todlangweilig. Nachdem ihr euch mit dem Rhythmus und den Methoden des Spiels vertraut gemacht hat, landet ihr schnell in einer immer gleichen, monotonen Gameplay-Schleife, nur ganz selten unterbrochen von Momenten, in denen es wirklich etwas neues zu entdecken gibt.

No Man’s Sky fühlt sich oft eher wie Arbeit als wie Spaß an. Und genau so sollte es sein: No Man’s Sky erfüllt, unter anderem gerade weil es streckenweise so langweilig ist, eine andere, in den letzten Jahren vernachlässigte Aufgabe der Science-Fiction. Es ist ein wichtiges Spiel, auch, wenn es selten Spaß macht.

No Man's Sky - 30 Minuten Gameplay.

Science-Fiction ist heute synonym mit Dystopie

Seit 10, 15 Jahren ist „Science-Fiction“ nahezu synonym mit „Dystopie“. Postapokalyptische Filme - oft, aber nicht immer, mit Zombies - dominieren das Science-Fiction-Kino, von 28 Days Later über I Am Legend bis hin zu Mad Max: Fury Road. Die populäre Science-Fiction-Literatur ist dominiert von dystopischen Jugendromanen - Die Tribute von Panem, Maze Runner, Divergent und weitere Bücher in dieser Richtung (die später ebenfalls zu Filmen wurden). Und auch wir Videospiel-Fans haben viele, viele dystopische Welten erkundet (und darin auf jemanden geschossen), von Half-Life 2 über Bioshock bis hin zu The Division und Deus Ex: Mankind Divided.

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Diese Filme, Bücher und Videospiele erfüllen, wie gesagt, eine wichtige Aufgabe: Sie warnen uns vor den Gefahren von Technologie, Wissenschaft und menschlichem Größenwahn. Sie stehen in einer Tradition, die im Grunde bereits mit dem (je nach Interpretation) ersten Science-Fiction-Roman begann, Mary Shelleys Frankenstein, und später von George Orwell und Aldous Huxley, noch später von George Romero, Ridley Scott und Terry Gilliam fortgesetzt wurde. Wir brauchen solche Werke, ganz unabhängig davon, dass viele von ihnen einfach ziemlich großartig sind – will irgendjemand von uns Mad Max: Fury Road missen?

Ich bin ehrlich der Meinung, dass das Lesen von Orwells 1984 jedem Bürger eines halbwegs zivilisierten Staates per Gesetz vorgeschrieben werden sollte (und ja, ich bin mir der Ironie dieses Satzes bewusst). Dennoch kann ich nicht anders, als mit dem Kopf zu schütteln und ein bisschen kulturpessimistisch zu werden, wann immer ein neues postapokalyptisches oder dystopisches Spiel, ein solches Buch oder ein solcher Film erscheint.

Blättert auf die nächste Seite, wenn ihr wissen wollt, was das mit No Man’s Sky zu tun hat.

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