„Science-Fiction“ wörtlich genommen

No Man’s Sky ist ein Spiel über Wissenschaft - den Science-Part von „Science-Fiction“. Nicht über konkrete Wissenschaft, im Sinne von „alles in No Man’s Sky ist wissenschaftlich korrekt“. Es ist ein Spiel über den Prozess und den Wert von Wissenschaft.

No Man’s Sky zu spielen, läuft im wesentlichen so ab: Man steuert mit seinem Raumschiff einen Planeten an; man orientiert sich einen Moment, schaut sich das Terrain des Planeten an; und dann macht man sich an die Arbeit, und dieses Wort ist hier bewusst gewählt: Rohstoffe sammeln, Flora und (eventuelle) Fauna katalogisieren, die wenigen Gebäude nach brauchbaren Materialien oder, ganz selten, einem Handelspartner durchsuchen - all das ist Arbeit, eine nötige, aber nur bedingt unterhaltsame Beschäftigung. All das nur, damit man genug Material hat, um sein Raumschiff betreiben zu können, um zum nächsten Planeten zu reisen und das ganze von vorn zu beginnen; irgendwann hat man vielleicht noch genug „Units“ (Geld), um sich ein besseres Raumschiff zu kaufen, das mehr Platz für mehr Rohstoffe hat, die man in mühsamer Arbeit sammeln kann. Kurze Momente der Entdeckung und Befriedigung - wenn man zum ersten Mal einen neuen Planeten betritt, zum ersten Mal auf einen Außerirdischen trifft -, und dazwischen lange Perioden der methodischen, stumpfen Arbeit.

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Aber wenn No Man’s Sky uns etwas sagen will, dann das: Diese kurzen, vergänglichen Momente sind es wert. Die ganze Arbeit lohnt sich, irgendwie, für sie. Nicht, weil sie viele Antworten bereithalten würden - eigentlich stellen sie nur weitere Fragen: Betritt man einen neuen Planeten, wirft das die Frage auf, ob der Planet bewohnbar ist und wenn ja, wer oder was dort lebt; trifft man einen Außerirdischen spricht der viele Worte, die wir nicht verstehen; selbst das Zentrum des Universums, das „Ziel“ des Spiels, hält wohl keine endgültigen Antworten bereit. Wir können nicht alles über das Universum von No Man’s Sky wissen. Das Universum ist hier auch nicht unsere „Sandbox“, denn das würde implizieren, dass wir eine gewisse Macht darüber hätten. Das haben wir nicht - das Universum in No Man’s Sky interessiert sich kein Stück für uns. Zu versuchen, so viel wie möglich über dieses Universum zu erfahren, auch, wenn wir nie alles wissen werden, ist so ziemlich das einzig sinnvolle, was wir in diesem Spiel tun können.

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Und das ist ziemlich genau der Prozess der Wissenschaft: Man beginnt mit der Gewissheit, dass man auch am Ende in Relation zu unserem riesigen Universum im Grunde nichts wissen wird; über viel methodische, oft langweilige Arbeit und fehlgeschlagene Experimente kommt man, wenn man sehr viel Glück hat, zu einer Erkenntnis - die nur wieder neue Fragen aufwirft, Grundlage für neue, manchmal langweilige Arbeit ist. Der Wissenschaft ist auch relativ egal, was die Erkenntnisse sind, die sie gewinnt - wichtig ist, dass sie etwas neues erfährt, egal, ob das langweilig oder spektakulär ist, ob es alles verändert oder nichts.

No Man’s Sky sagt, dass die wenigen Momente der Erkenntnis die mühselige Arbeit wert sind. Dass Neugier über das Universum an sich positiv ist. Das ist ein starker Kontrast zu dem, was uns die Science-Fiction heutzutage sonst anbietet. „Heute scherze ich immer, dass Science-Fiction-Filme doch irgendwie immer gleich anfangen: Da arbeitet ein Wissenschaftler in einem Labor und du weißt genau, was dann passiert. Schraubt er an einem Roboter, wird dieser erst den Wissenschaftler und dann die Menschheit umbringen. Arbeitet der Typ an einem Virus, kommt es zur Zombie-Apokalypse.“, sagt Murray weiter. No Man’s Sky bietet einen Gegenentwurf an.