Warum ich denke, dass No Man's Sky und The Last Guardian nicht ihrem Hype gerecht werden

Kristin Knillmann 6

No Man’s Sky und The Last Guardian gehören zu den meist erwarteten Spielen des Jahres und werden von vielen von euch schon jetzt hart gefeiert. Warum es in die Hose gehen wird, wenn ihr eure Erwartungen zu hoch schraubt und woran genau diese beiden Spiele scheitern könnten, erzähle ich euch in meinem Artikel.

Warum ich denke, dass No Man's Sky und The Last Guardian nicht ihrem Hype gerecht werden

Hinweis: Dieser Artikel ist ein Meinungsartikel, der den Standpunkt unserer Redakteurin widerspiegelt und nicht zwingend der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen muss. Er erhebt keinen Anspruch auf eine universell gültige Wahrheit und deckt sich vielleicht nicht mit deinen eigenen Vorstellungen.

In Wirklichkeit hoffe ich, dass No Man’s Sky und The Last Guardian richtig gut werden und mich begeistern können - ist ja schließlich was Gutes, wenn Games rauskommen, die nicht nur eine Fortsetzung einer Fortsetzung sind. Und doch bin ich überzeugt davon, dass das mit dem Erfolg nicht so klappt, wie sich das derzeit viele Videospiel-Fans und die Entwickler dieser heiß erwarteten Spiele erhoffen.

Dominic schreibt darüber, warum Hypes scheiße sind

Warum ich das glaube? Das hat zum Beispiel mit dem ganzen aufgeregten Hype um die Spiele zu tun. Wir wissen inzwischen schließlich alle, was passiert, wenn man Wowwwwwatch_Dogs ankündigt, massig Hype aufbauscht, dann aber nur Mittelmaß_Dogs abliefert. Das hat aber auch mit ganz anderen Dingen zu tun - wie internen Unsicherheiten in Entwicklerstudios oder Präsentationen, mit denen Nostalgie gepusht, und Originalität vergessen wird. Mit den folgenden Worten erkläre ich euch, was ich damit genau meine.

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No Man's Sky: Die beeindruckendsten Basen und Architekturen – mit und ohne Mods.

No Man’s Sky: Steckt weniger dahinter als wir denken?

Um zu verstehen, woher meine Angst um No Man’s Sky kommt, blicken wir zurück auf seine Ankündigung: Im Dezember 2013 war es wieder Zeit für die jährliche Verleihung der Video Game Awards, auch bekannt als VGX. In diesem festlichen Rahmen stellte das Entwicklerstudio Hello Games sein neues Projekt vor - und stahl allen anderen Trailern die Show. No Man’s Sky machte es sich mit seiner ungewöhnlichen Optik einfach: Die knallig bunte Farbpalette des Spiels und ihre „Fehlplatzierung“ auf Elementen innerhalb der Spielwelt (z.B. orangefarbene statt grüne Bäume) fielen sofort ins Auge und machten viele Zuschauer neugierig, was hinter dem Titel steckt.

Die Versprechen der Entwickler verschafften dem Spiel sogar noch mehr Aufmerksamkeit, und in vielen Köpfen ratterte es: „Ich brauche wirklich EINE MILLIONEN JAHRE, um alles zu entdecken, was No Man’s Sky bietet? WOW! Das Spiel ist riesig! BEST GAME EVER.“

No Mans Sky - Ive Seen Things - Trailer.

Ja klar, keine Frage. Das klingt wirklich gut und der Look von No Man’s Sky macht auch eine Menge her. Aber so leicht lasse ich mir meine Zeit dann doch nicht nehmen. Vorher möchte ich erstmal wissen, was wirklich hinter diesem Spiel steckt - und das ist eine Frage, die sich bis heute noch nicht genau beantworten lässt.

Nach der ersten Hype-Welle um No Man’s Sky, die zugegebenermaßen auch mich von den Füßen fegte, wurde ich erstmals skeptisch: Hello Games… waren das nicht die, die Joe Danger gemacht haben? Das Spiel war gut, aber irgendwie auch in sehr vielen Aspekten weit entfernt von dem, was das Team mit seinem neuen, ambitionierten Mega-Projekt reißen will. Und wenn ich ambitioniert sage, dann meine ich in diesem Umfang nur schwer stemmbar für ein winziges Team in kurzer Zeit - was sich viel zu schnell durch die ersten Verschiebungen bestätigte.

Versteht mich nicht falsch, eine Verschiebung ist super, wenn sie bedeutet, dass das Spiel vor Release noch ordentlich aufpoliert wird oder zusätzliche Features bekommt. Aber Verschiebungen sind nicht gut, wenn wir Spieler den Eindruck bekommen, dass die Entwickler womöglich mehr vom Kuchen abgebissen haben, als sie kauen konnten.

Dieser Eindruck ist womöglich nicht bei jedem genau so angekommen, aber bei mir aus ganz bestimmten Gründen.

Auf der gamescom 2014 hatte ich einen Termin mit Hello Games, um mehr über No Man’s Sky zu erfahren. Ich versprach mir von der Session detaillierte Gameplay-Infos und mehr Bildmaterial - hauptsache, die Entwickler hauen mich von den Socken und zeigen mir, dass der Hype um ihr Spiel gerechtfertigt ist. Was ich stattdessen bekam, waren zwei sympathische Männer, die eine halbe Stunde lang irrsinnig nervös von ihrem Projekt und ihren Vorstellungen erzählten, und den Zuhörern konstant das Gefühl vermittelten, dass sie Panik haben, den Erwartungen der Leute nicht gerecht werden zu können. In einer ruhigen Minute gestand einer der Verantwortlichen sogar, dass er mit jeder Präsentation sauviele Dinge findet, die er selbst noch richtig scheiße findet und unbedingt ändern muss.

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Hey, das ist eine Ehrlichkeit, die ich total sympathisch finde, und an der es uns in unserer Branche massiv mangelt. Hello Games hat dafür immer noch meinen tiefsten Respekt. Nur… eben auch meine Skepsis. Denn dieser Termin machte mir mehr als deutlich, dass das Thema No Man’s Sky nicht so ganz nach den Vorstellungen des Studios gelaufen ist.

Ein geiles Indie-Game abliefern und dafür gefeiert werden ist eine Sache. Für ein unfertiges Indie-Spiel im Mainstream-Bereich so hart gefeiert zu werden… das bringt Implikationen mit sich, die man vielleicht nicht unbedingt auf seinen noch zierlichen Schultern tragen möchte.

Dass wir aktuell so wenig darüber wissen, was No Man’s Sky überhaupt ist, spricht auch nicht unbedingt dafür, dass Hello Games den vollen Plan hat, was sie mit ihrer wunderschön anzusehenden Welt eigentlich machen wollen. Es gibt keine Story, keine Missionen. Was zählt, ist das reine Entdecken und das besondere Gefühl, wenn man der oder die Erste ist, der/die einen neuen Planeten in diesem zufällig generierten, bunten Universum voller Billionen unterschiedlicher Orte entdeckt.

NoMansSky_2

Und DAS soll über Stunden, Jahre, Jahrzehnte hinweg tragen? Dafür bleiben meines Erachtens einfach noch zu viele Fragen offen: Was entdeckt man denn jetzt eigentlich? Sind es nur die unendlichen Kombinationen aus Tieren, Bäumen und Landschaften? Was bringt es uns, Ressourcen zu sammeln, zu plündern und zu tauschen? Was ist der Zweck hinter der Idee? Welchen Sinn hat das Leben? (42)

Sich unter all diesen Dingen ein funktionierendes Spielprinzip vorzustellen, fällt wirklich nicht leicht - und alles, was sich in meinem Kopf aus den Einzelteilen zusammenbraut, klingt ehrlich gesagt auf Dauer auch nicht besonders spannend. Vermutlich braut sich in euren Köpfen halt das Game of the Year 2016 zusammen - weil ihr Innovation riechen wollt, weil ihr Neues braucht. Ich versteh euch total gut, und sehe genau an dieser Stelle das große Problem: Ich glaube, all die Leute, die sich volle Kanne auf No Man’s Sky freuen, projizieren mehr in das Projekt, als uns Hello Games je bieten wollte und bieten kann.

No Man’s Sky erscheint am 26. Juni 2016 und dann können wir alle gemeinsam rausfinden, ob ich Recht hatte oder nicht.

Auf der nächsten Seite lest ihr, warum ich mich um The Last Guardian sorge.

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