Okami HD im Test: Außergewöhnlicher Klassiker im gar nicht so neuen Gewand

Lisa Fleischer 2

Obwohl Okami erst vor elf Jahren veröffentlicht wurde, gilt das Spiel jetzt schon als echter Klassiker. Kein Wunder also, dass Publisher Capcom dem Spiel ein Remaster auf der aktuellen Konsolengeneration gönnt.

Keine Zeit für den gesamten Test? Ganz unten findest du eine Zusammenfassung.

OKAMI HD: Ab sofort erhältlich! Trailer - PS4, Xbox One, PC.

Noch heute hat Okami auf Metacritic einen Score von 93 – das PS2-Spiel kann also getrost als Klassiker bezeichnet werden. Und sogar das PS3-Remaster hat auf der Bewertungsseite eine überdurchschnittlich gute Wertung. Da ist es nur konsequent, dass Publisher Capcom das Cel-Shading-Spiel jetzt auch auf der aktuellen Konsolengeneration ankommen lässt. Schließlich zeigt gerade der Remake-Trailer von Shadow of the Colossus, wie viel besser Spiele auf der PS4 aussehen als noch zu PS2-Zeiten:

Getestet haben wir Okami HD übrigens auf der PS4. Das Spiel ist aber auch für die Xbox One und den PC erhältlich.

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Okami dürfte inzwischen den meisten Gamern nicht nur ein Begriff sein, das Original oder PS3-Remaster wurde bestimmt von so einigen zumindest angespielt. Unser Test soll deshalb hauptsächlich die Frage beantworten, ob es sich lohnt, Okami im aktuellen Remaster noch einmal zu spielen. Alle, die Okami noch nicht gespielt haben, finden in solch grauen Kästen wie diesem zusätzliche Informationen zu Story und Gameplay. Außerdem gibt es am Ende dieses Tests eine Zusammenfassung, für wen Okami HD einen Mehrwert bietet – und wer besser die Finger von dem Remaster lassen sollte.

Die Grafik: Hübsch, aber längst nicht mehr weltbewegend

Durch den simplen, aber eindrucksvollen Cel-Shading-Stil von Okami sah das Spiel schon zu PS2-Zeiten erstaunlich detailreich, scharf und farbenfroh aus. Zwar wurden die Konturen im PS3-Remaster noch etwas klarer und weniger verschwommen, die Farben sogar noch etwas kräftiger, insgesamt mussten die Entwickler aber offensichtlich nur wenig ausbessern, war das Spiel im Original doch schon schön.

Die Story von Okami lehnt sich stark an die japanische Mythologie an. Du übernimmst die Kontrolle über Amaterasu, die göttliche Wiedergeburt des weißen Wolfs Shiranui. Ihre Aufgabe war und ist der Kampf gegen den achtköpfigen Dämon Orochi. Der ist, nachdem er von ihr vor genau 100 Jahren besiegt wurde, wiederauferstanden und brachte eine vernichtende Dunkelheit über das Land Nippon.
Begleitet wirst du von dem vorlauten Issun, Angehöriger des winzigen Volkes Korokopel, das oft mit Läusen verwechselt wird. Zusammen erkundet ihr die weitläufige Landschaft des Spiels. Dabei wirst du mit zahlreichen Rätseln konfrontiert, erlernst neue Fähigkeiten und begegnest ganz unterschiedlichen Bewohnern. Deine Aufgabe: Das Land Schritt für Schritt von der Dunkelheit zu befreien und wieder bewohnbar zu machen.
Genau hier beweist Okami seine Stärke: Die weitläufigen Länder sind liebevoll gestaltet, die Bewohner haben alle ihre Tücken und Verrücktheiten, was sie so menschlich macht. Obwohl Okami ein sehr ernstes Thema zu Grunde liegt, vergisst es darüber nicht, humorvoll zu sein. Das ein oder andere Mal muss ich überrascht laut los lachen; etwa, als ich in einen Kampf gerate und die Gegner verwirre, indem ich den hilflosen, alten Herr Mandarine auf sie schleudere.

Dementsprechend wenig grafische Verbesserungen finden sich im aktuellen HD-Remaster, an sich nicht schlimm, bleibt dadurch doch der charakteristische Stil des Originals erhalten. Das ist leider nicht das Einzige, was erhalten bleibt: Auch die für die PS2 charakteristischen Detail-Fehler sind immer noch im Spiel.

Okamis Schwierigkeitsgrad ist definitiv nicht zu hoch und motiviert gerade dadurch, mehr Kämpfe zu bestreiten als du eigentlich musst. Natürlich fordern sie, trotzdem sind deine Gegner gerade zu Anfang relativ leicht zur Strecke zu bringen. Dem ein oder anderen mag das zu leicht sein, für mich persönlich ist der Schwierigkeitsgrad, der langsam ansteigt, aber perfekt.
Trotzdem ist das Spiel nicht zu unterschätzen, ist es doch ein wahrer Zeitfresser. Die Action-basierten Kämpfe wechseln sich ab mit ruhigeren Erzählpassagen, die das Spiel in die Länge ziehen. Das musst du genauso tolerieren wie das Gebrabbel, das im Spiel statt einer richtigen Synchronisation zum Einsatz kommt. Auch der Untertitel ist leider nicht immer perfekt, sondern von kleinen und größeren Übersetzungsfehlern durchzogen. Und so viel sei jetzt schon verraten: Nach dem Kampf gegen Orochi ist Okami noch lange nicht vorbei! Je nach Spielstil kann das Durchspielen sogar bis zu 50 Stunden beanspruchen.

Will ich Wände erklimmen oder laufe nahe an ihnen vorbei, kann es passieren, dass meine Kamera in sie hinein glitcht. Mich aus der leidigen Perspektive zu befreien, ist teilweise mühsamer als Gegner zu bezwingen. Die Texturen laden teilweise sehr langsam. So passiert es, dass ich in unschuldige Rehe renne, die anschließend verschreckt aus dem Weg gehen, nur weil sie eine Sekunde vorher noch gar nicht geladen hatten.

Das Gameplay: Besser, aber noch lange nicht perfekt

Okamis Gameplay lehnt sich an klassische JRPGs an. Dein Rucksack informiert dich nicht nur über deine aktuellen Aufgaben und die Geschichte im Allgemeinen, sondern bietet dir auch zahlreiche Items, die du auf deiner Reise gefunden hast und die deinen Status verbessern. Zudem bekommst du Glück für erfüllte Haupt- und Nebenaufgaben, mit dem du deine Fähigkeiten verbessern kannst – quasi ein aufs Wesentliche reduzierter Skillbaum. Und natürlich gibt es auch eine Karte, mit der du dich orientieren kannst. Das Kampfsystem ist Action-basiert, auf den verschiedenen Tasten liegen leichte Angriffe, mit denen du deine Gegner traktieren kannst.

Das Gameplay und vor allem die Kamera-Steuerung waren schon zu PS2-Zeiten ungewöhnlich präzise für ihre Zeit, dementsprechend gut spielt sich Okami auch heute noch. Nachdem ich die Kamera-Steuerung invertiert habe, geht sie mir auf der PS4 fast noch flüssiger von der Hand als zu Zeiten des Originals. Trotzdem ist sie lange nicht so präzise, wie ich es aus aktuellen Spielen gewohnt bin.

Was das Spiel besonders macht: Amaterasu erlernt im Spielverlauf die 13 göttlichen Pinseltechniken, mit denen du nicht nur Rätsel löst, sondern vor allem effektivere Attacken ausführst. Aktivierst du mit R1 den Zeichenmodus, pausiert das Spiel kurzzeitig. Hältst du nun Viereck gedrückt und bewegst den linken Stick in die entsprechende Richtung, machst du einen Pinselstrich.
Das ist vor allem zu Anfang gar nicht so leicht, mit etwas Übung gelingt es mir aber endlich, gerade Striche, runde Kreise und sogar vereinfachte Bomben zu zeichnen und damit Gegner zu traktieren.

Gewünscht hätte ich mir von Okami HD außerdem mehr Einsatz des Touchpads des Dualshock 4-Controllers. Schon der Startbildschirm deutet nämlich genau das an, lässt sich das Spiel doch nur per Touchpad starten. Denkbar wäre eine Steuerung des so wichtigen göttlichen Pinsels per Touchpad. Stattdessen öffnest du mit ihm nur das Menü – nicht gerade ein spektakulärer Einsatz der besonderen Taste.

Noch mehr HD-Remaster für die aktuelle Konsolen-Generation:

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Das sind die besten HD-Remastered-Spiele für die PS4.

Okami HD im Test: Selbst Klassiker bleiben vom Alter nicht verschont

Auch, wenn Okami nach wie vor gut aussieht, merkst du dem Klassiker sein Alter so langsam an. Die für PS2-Spiele so typisch fehlerbehaftete Kamera macht dir selbst auf der PS4 zu schaffen, die Besonderheiten des Dualshock 4-Controllers wurden von den Entwicklern nahezu durchgängig ignoriert und die Grafik macht auch keinen deutlichen Schritt nach vorne.

Abgesehen von den verpassten Chancen des HD-Remasters bietet dir Okami auf der PS4 natürlich trotzdem ein einmaliges Spielerlebnis, das jeder Gamer mindestens einmal erleben sollte – in besserer Optik und auf der aktuellen Konsolen-Generation spielbar. Die Charaktere hauchen der mystischen Geschichte Leben ein, das Gameplay ist nach wie vor innovativ und die Geschichte so lebensbejahend und herzlich, dass es mir immer noch ein Lächeln auf das Gesicht zaubert. Ein Spiel, von dessen Sorte es gerne mehr geben könnte.

Okami_HD_Fazit

Wird dir gefallen, wenn du den PS2-Klassiker bislang immer verpasst hast, du kein Problem mit ruhigen Sequenzen hast und dich die japanische Kultur sowie JRPGs faszinieren.

Wird dir nicht gefallen, wenn du Okami nicht zwingend noch einmal spielen willst, du mystische Geschichten lächerlich findest und Spiele für dich richtig schwer von Anfang an sein müssen.

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