Overkill's The Walking Dead im Test: Wenn dem Zombie-Shooter einfach der Biss fehlt

Marvin Fuhrmann

Overkill’s The Walking Dead sollte die Hoffnungen auf ein richtig guten Zombie-Shooter mit reichlich Taktik und der düsteren TWD-Atmosphäre erfüllen. Die Wahrheit geht aber daran weit vorbei. Warum sich der Shooter doch für manche lohnen könnte, erfährst du im Test zu Overkill’s The Walking Dead.

Payday 2 mit Zombies: So hätten sich sicherlich viele Shooter-Fans damals Overkill’s The Walking Dead ausgemalt, als der erste Teaser über die Bildschirme flimmerte. Eine Mischung aus Left4Dead, aber mit mehr Koop-Potenzial und der düsteren Atmosphäre der Vorlage. Klingt nach dem Spiel, das die dröge Zombie-Landschaft wieder aufrütteln könnte. Nach State of Decay 2, Metal Gear Survive oder auch der eher enttäuschenden und mittlerweile in der Schwebe hängenden letzten Staffel der Telltale-Adventures braucht es mal wieder ein richtig überzeugendes Zombie-Game. Die Hoffnungen, die ich bislang in Overkill’s The Walking Dead hatte, wurden nun mit dem Erscheinen der PC-Version gedämpft.

Overkill’s The Walking Dead fühlt sich dabei eher wie die Serie an, die seit einigen Staffeln vor sich hin verrottet: Größtenteils Langeweile und jeder fiebert im Grunde nur auf zwischenzeitliche Action oder das große Staffelfinale mit hohem Body-Count hin. Warum sich ein Blick für manche Spieler da draußen trotzdem lohnt und Overkill’s The Walking Dead kein kompletter Reinfall geworden ist, liest du in den folgenden Abschnitten. Also: Machete geschnappt und immer schön auf die Köpfe zielen!

Typischer Montag in der Zombie-Apokalypse

Washington D.C., Jahre nach dem Ausbruch einer Seuche, die Tote wieder unter den Lebenden schlurfen lässt: Eine Gruppe von Überlebenden, die sich einst als einsame Wölfe gesehen haben, gibt sich gegenseitig Halt und errichtet ein eigenes Camp. Doch außerhalb der Mauern lauern nicht nur Zombies. Menschen, die sich in großen Scharen zusammenrotten und kleinere Siedlungen bedrohen, marodieren durch Washington. Kommt dir alles bekannt vor? Richtig, weil es zu jeder x-beliebigen Handlung aus einem Zombie-Film, -Spiel und -Buch passen könnte. Und auch Overkill’s The Walking Dead greift voll in die Mottenkiste.

Maya ist nur eine der spielbaren Überlebenden in Overkill’s The Walking Dead: 

Overkills The Walking Dead - Maya Trailer.

Im Rahmen der Geschichte übernimmst du einen von vier Charakteren (Maya, Aiden, Grant oder Heather), die allesamt eigene Hintergrundgeschichten mit sich bringen sollten. Das war zumindest das Gefühl, nachdem ich die ersten Charakter-Teaser zu Overkill’s The Walking Dead gesehen hatte. Am Ende entscheidet die Wahl des Charakters lediglich, welches Polygonen-Modell du spielst – und das siehst du aus der Ego-Perspektive selbst noch nicht einmal. Wirklichen Tiefgang sucht man hier vergeblich.

Wenn du jetzt denken magst, dass die Geschichte im Laufe der folgenden Stunden kreativer oder emotionaler wird, muss ich dich leider enttäuschen. Sie folgt stumpf jedem Klischee der Zombie-Welt und macht den Spieler nicht einmal dann betroffen, wenn die Handlung es wirklich darauf anlegt. Jedweder Charakter bleibt grau und flach. Da haben sogar die maskierten Räuber aus Payday mehr Profil.

Wie wird die Serie „The Walking Dead“ ausgehen? Hier gibt’s die spannendsten Theorien:

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5 Fantheorien: So wird The Walking Dead zu Ende gehen.

Untote, Menschen und andere Monster

Zwei Komponenten bestimmen das Gameplay von Overkill’s The Walking Dead: Schleichen und Ballern. Normalerweise beginnt jede Mission mit langsamen und vorsichtigen Vorgehen. Zombies werden mit Nahkampfwaffen oder schallgedämpften Pistolen ausgeschaltet, um die Horde nicht zu alarmieren, die mit steigendem Sound-Pegel immer aktiver wird. Früher oder später macht aber jeder einen Fehler oder ihr trefft auf wehrhafte menschliche Gegner. Dann müssen die großen Bleispritzen rausgeholt werden. Während das Schleichen und ausschalten von Zombiehorden mit Nahkampfwaffen an sich noch Spaß macht, hört dieser aber mit dem Gunplay irgendwann auf.

Jeder Schuss fühlt sich lasch an und gibt nur wenig Feedback an den Spieler. Die Schusswechsel werden damit zum Stochern im Dunkeln. Während ich also versuche, irgendwas zu treffen, ballert die KI gern mal wie Wassili Saizew und sorgt nicht nur für schnelle Bildschirmtode, sondern auch für jede Menge Frust. Schon seltsam, wenn die PayDay-Spiele diese Elemente deutlich besser hinbekommen haben.

Selbst die Skills der vier Charaktere schaffen keine richtige Abwechslung und bilden trotz des Fokus auf Koop-Gameplay keine Synergien. So bietet Grant etwa einen Molotow-Cocktail, während Maya als Heilerin mit einem stationären Med-Pack fungiert. Im Laufe meiner Runden mit Overkill’s The Walking Dead hat sich aber gezeigt, dass das Med-Pack durch die Bank weg der nützlichste  Gegenstand ist und von allen Spielern irgendwann genutzt wird. So verkommen die einzelnen Charaktere, die auch alle Waffen und Skills mit dem nötigen Level untereinander tauschen können, zu einem Einheitsbrei.

Die Zombie-Apokalypse steht bevor! Was du zum Überleben brauchst, findest du hier: 

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16 Gadgets, mit denen du eine Zombie-Apokalypse definitiv überlebst.

Dabei gibt es aber auch großartige Momente in Overkill’s The Walking Dead. Diese sind aber nicht der Handlung oder der Spielmechanik geschuldet. Stattdessen sind es die Mitspieler, die in der Zombie-Apokalypse tatsächlich zusammenarbeiten und ihren Teil beitragen. Selten habe ich eine Community gesehen, die vollends vom Trollen oder Nerven der anderen Spieler absieht. Dabei hat Overkill’s The Walking Dead enormes Troll-Potenzial: Einfach einer Session beitreten und statt zu schleichen, die großen Kaliber rauspacken, damit die schleichende Gruppe von einer Horde nach der anderen überrannt wird.

Aber hier achten die Spieler aufeinander, helfen sich gegenseitig wieder auf oder kommunizieren im Chat, wenn es eines der sehr einfachen Rätsel zu lösen gilt. Das schafft eine tolle Atmosphäre, die an eine echte Gruppe von Überlebenden erinnert. Ich fühle mich plötzlich mit denen verbunden, die ich noch nie zuvor gesehen habe und bin etwas traurig, dass wir im Anschluss nicht gleich die nächste Mission auf einem höheren Schwierigkeitsgrad angehen. Aber wozu hat man schließlich Freunde? Denn mit ein paar Vertrauten wird daraus glatt eine Teambuildings-Übung.

Die Nacht der lebenden Bugs

Zwischen den einzelnen Missionen schreit das Camp nach deiner Aufmerksamkeit.. Überlebende wollen entweder selbst Aufträge bekommen oder in einem bestimmten Bereich eingesetzt werden, um Boni und Ressourcen zu generieren. Wirklich tiefgreifend ist das nicht und trotz schwindender Ressourcen auch nie wirklich bedrohlich. Das System wirkt eher aufgesetzt, um Overkill’s The Walking Dead noch Tiefe abseits der Missionen zu verschaffen. Doch ich glaube kaum, dass sich hier wirklich ein Spieler mehr Gedanken darüber macht, als einfach irgendwelche Verbesserungen anzuklicken, sobald sie verfügbar sind.

Die meisten wird auch der Grind abschrecken, der für neue Waffen oder das Leveln der anderen Charaktere von Nöten ist. Wer sich alle Charaktere hochzüchten und dabei noch die Camp-Bevölkerung glücklich machen möchte, muss so einige Level wiederholen und immer wieder dieselben Aufgaben erfüllen. Da beißt sich der Zombie selbst ins Fleisch. Denn wer möchte stundenlangen Grind, wenn das Gameplay nur zu 50 Prozent überzeugt?

Das Menü von Overkill’s The Walking Dead und einige Bugs des Spiels sind zum Zeitpunkt des Tests zudem eine Geduldsprobe. Nach den meisten Aufträgen geht’s zurück ins Camp, um Belohnungen einzustreichen. Heißt im Endeffekt: Ladezeit, um aus der Mission rauszukommen, Wartezeit, um das Camp anzusteuern sowie eine Ladezeit für das Laden des Camps plus eine Wartezeit, um rauszukommen. So schön das Lager der Überlebenden sein mag, es wäre doch für den Spieler komfortabler und einfach gegangen. Auf Seiten der Bugs gibt es ebenfalls einige Baustellen. Overkill’s The Walking Dead bleibt beispielsweise für einige Sekunden komplett stehen, wenn ein neuer Spieler die Verbindung aufbaut, Gegner teleportieren sich durch die Gegend und es kann dazu kommen, dass Überlebende komplett stecken bleiben. Fehler, die die Entwickler beheben können. Aber sie müssen eben auch erst behoben werden.

Fazit zu Overkill’s The Walking Dead

2014, als der erste Teaser zu Overkill’s The Walking Dead veröffentlicht wurde, war ich sofort begeistert. Ein TWD-Spiel von den PayDay-Machern? Das kann ja nur der Hammer werden. Vier Jahre später steht fest, dass das Projekt zwar kein kompletter Reinfall, aber eben auch kein Hammerspiel geworden ist. Overkill’s The Walking Dead schafft es nicht, tiefe Charaktere zu zeichnen, enttäuscht beim Gunplay und hat noch so einige Ecken und Kanten. Dafür ist die Atmosphäre in der apokalyptischen Zombie-Welt ganz vorn mit dabei und sorgt aufgrund der Horden von Untoten immer wieder für spannende Momente.

Am Ende steht fest: Overkill’s The Walking Dead ist ein Spiel, auf das du dich einlassen musst. Am besten mit ein paar Freunden, die nicht wild durch die Gegend ballern wollen, sondern lieber leise und mit Bedacht durch die Level schleichen. Mit präzisen Absprachen und der richtigen Taktik können die Zahnräder dann ineinander greifen und den Spaß erschaffen, von dem ich vor so vielen Jahren geträumt habe.

Overkill’s The Walking Dead wird dir gefallen, wenn du Koop-Spiele und Zombies magst.

Overkill’s The Walking Dead wird dich nicht beeindrucken, wenn du auf Story, exzellentes Gunplay und schnelle Action stehst.

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