Paper Mario Color Splash in der Vorschau: Farbenfroher Remix statt frischer Ideen

Martin Eiser

Während sich der Zyklus der Wii U dem Ende neigt, erwartet uns zum Abschluss nicht nur The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Bereits im Oktober erscheint das erste Action-Adventure mit Mario für die Konsole mit dem Gamepad. In unser Vorschau zu Paper Mario: Color Splash geben wir euch einen ersten Einblick in Marios farbenfrohen Ausflug in die Tropen.

Paper Mario: Color Splash - E3 2016 - Game Trailer.

In Super Mario Sunshine musste Mario bei seinem Ausflug auf die Insel Isla Delfino mit der Wasserspritze für Sauberkeit sorgen und den braunen Farbschleim entfernen. Im Gegenzug gab es zur Belohnung die Insignien der Sonne, die alles wieder zum Strahlen brachten. Das tropische Urlaubsparadies war ein starkes Kontrastprogramm zum Vorgänger Super Mario 64. Doch gerade wegen dieser Eigenheiten war es gleichzeitig so besonders. Mit Paper Mario: Color Splash greift Nintendo erneut ein sommerliches Thema auf. Diesmal heißt die Insel allerdings Prisma und die Aufgabe von Paper Mario ist es, ihr die verlorene Farbe zurückzubringen. Der Papier-Klempner muss dafür Farbsterne befreien, mit denen alles wieder schön bunt wird. Anders als beim Super Mario Sunshine im Jahr 2002, scheint es diesmal mit der Innovation nicht sehr weit hergeholt zu sein.

Bei all der thematischen Ähnlichkeit könnten die Unterschiede ansonsten kaum größer sein. Paper Mario: Color Splash ist spielerisch vielmehr der große Bruder des 3DS-Spiels Paper Mario: Sticker Star. Dazu gehört selbstverständlich der übertriebene Humor, die Charaktere nehmen sich selbst gern auf die Schippe. Aber auch die Spielmechaniken ähneln dem letzten Paper-Mario-Abenteuer. Es gibt ein rundenbasiertes Kampfsystem mit Karten, die wir aus einem vorher zusammengestellten Deck auswählen. Darunter sind wieder besondere Dings-Karten, die vor allem in Bosskämpfen hilfreich sind. Als der Bowser-Bösewicht Morton Koopa Jr. damit droht, alles in Flammen aufgehen zu lassen und unsere Angriffe verpuffen, rettet uns die Spezialkarte mit dem Feuerlöscher.

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Als neues Feature lässt sich die Stärke der Karte im Vorfeld selbst bestimmen. Je mehr wir eine Karte einfärben, desto kraftvoller der Angriff. Während der Attacke wird die Farbe dann wieder aus der Karte herausgezogen. Weil unser Farbvorrat begrenzt ist, müssen wir genau überlegen, wie viel von der roten, gelben und blauen Farbe wir einsetzen wollen. Außerdem gibt es Karten, die es möglich machen, dass Schergen als Verbündete herbeigerufen werden. Beides scheinen aber nur Weiterentwicklungen der Features aus Paper Mario: Sticker Star zu sein – jenem Spiel, das bei den Fans der Serie ohnehin schon herbe Kritik einstecken musste.

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Passend dazu kämpft Paper Mario offenbar auch dieses Mal wieder allein. In der ganzen Welt gibt es noch immer unsagbar viele gleichartige Toads statt diverser einzigartiger Charaktere. Und obwohl ich den Teufel nicht an die Wand malen möchte (Wortspiel, Wortspiel!), der Farbeimer Huey erinnert schon sehr an den wirklich lästigen Kompagnon Kersti aus Paper Mario: Sticker Star. Unsere Aufgabe ist es, der Welt einen neuen Anstrich zu verpassen, aber meine Befürchtung ist, dass Nintendo vergessen hat, ihr eine echte Seele einzuhauchen. Paper Mario: Color Splash erinnert vielmehr an einen Remix bekannter Konzepte – und leider sind nicht alle davon gut.

In dieses Schema passt selbst die Oberweltkarte des Action-Adventures, die stark an Super Mario Bros. 3 erinnert. Sie macht aus der zusammenhängenden Welt einzelne Level, so wie damals bei Sticker Star. Dieses System wurde übrigens in das Handheld-Abenteuer implementiert, damit wir jederzeit wieder leicht in das Spiel einsteigen können und den Überblick behalten. Das klingt natürlich nach einem klugen Plan – vor allem in einem Spiel für eine mobile Plattform. Aber am Ende ist es ein weiterer Sargnagel für die Idee, dass Paper Mario ein Rollenspiel im Mario-Universum sein sollte.

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Noch nie dagewesen scheint die Ausschneide-Funktion, mit der wir Teile der Umgebung entfernen können, um Hindernisse zu umgehen. An einer Stelle ist beispielsweise die Brücke eingestürzt. Cool wäre es gewesen, wenn wir selbst hätten etwas Neues zeichnen müssen. Stattdessen wandeln wir jedoch lediglich durch die bunt leuchtende 2D-Schnittfläche. Zwar kann Nintendo nun damit werben, das Touchpad auf dem Gamepad als Feature integriert zu haben, aber leider auf die denkbar ödeste Art und Weise.

Wer sich daran störte, dass sich Paper Mario zuletzt immer weiter von seinen Rollenspiel-Elementen verabschiedet hat, wird vermutlich auch mit Paper Mario: Color Splash nicht glücklich werden. Alles deutet daraufhin, dass Nintendo mit dem Farbhammer wieder auf ein Gimmick als zentrales Feature setzt. Der Grund dafür dürfte ebenfalls auf der Hand liegen. Um die Wii U noch mit Spielen zu versorgen, ist es natürlich einfacher, bestehende Konzepte nur ein klein wenig weiterzuentwickeln, statt sich etwas ganz Neues einfallen zu lassen.

Doch genau daher ist es auch ein Jammern auf hohem Niveau. Denn obwohl sich wahrscheinlich viele ein Remaster von Paper Mario: Die Legende vom Äonentor wünschen, ist mir eine Neuentwicklung deutlich lieber – aller geäußerter Kritik zum Trotz. Ja, es mag sein, dass Paper Mario: Color Splash vielleicht nicht der erhoffte große Wurf wird. Doch solange am Ende ein rundes Spiel rauskommt, das mich über viele Stunden mit seinem Witz und seinem Charme unterhalten kann, bin ich damit zufrieden, dass die Wii U überhaupt noch mit Nachschub versorgt wird. Und dieses Versprechen wird Paper Mario wohl erneut einhalten können.

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