Persona 5 in der Vorschau: Das perfekte JRPG?

Sandro Kreitlow

Seit der PSone-Ära hat sich Persona zu eine der besten RPG-Reihen aus Japan entwickelt. Der neueste Teil Persona 5 wird im Nippon schon längst als eines der besten Spiele aller Zeiten betitelt. Nun will Entwickler Atlus die Rollenspiel-Herzen auch im Westen erobern. Kann ein Spiel mit solch immensem Hype die Erwartungen überhaupt erfüllen?

Persona 5 - Velvet Room Trailer.

Allen voran lassen die ersten Trailer bereits vermuten: Das in Japan bereits veröffentlichte und zu uns kommende Persona 5 hat einen ganz besonderen Stil. In der gespielten Demo fällt auf: Die schwarz-rote Kombination sticht noch mehr ins Auge als das knallige Gelb in Persona 4. Popkulturelle Einflüsse der US-amerikanischen 60er Jahre treffen dabei auf den klassischen, wunderbar gezeichneten Anime-Stil, wodurch ein ganz eigener, wiedererkennbarer Stil entsteht.

Der Protagonist ist in Persona 5 an eine neue Schule strafversetzt worden, auf der er als Außenseiter wahrgenommen wird. Warum er versetzt wurde? Verschiedenste Gerüchte gehen rum. Als Spieler ist Dir vorerst aber nicht klar, was wirklich passiert ist. Mit der Zeit baut er sich einen Freundeskreis aus quietschbunten Charakteren auf, die voller Humor stecken. Da ist zum beispielsweise diese geheimnisvolle schwarze Katze Morgana, die besonders schlagfertig wie ein Mensch spricht, verschiedene Formen annehmen kann und beim Protagonisten lebt, mit dem sie nicht nur das Bett, sondern auch das Essen teilt. Mit den insgesamt acht spielbaren Charakteren kannst Du verschiedene Areale Tokios frei erkunden, die laut den Entwicklern 1 zu 1 nachgebaut wurden und mit viel Liebe zum Detail geschmückt sind. Wie in der Realität ist die Hauptstadt Tokios voll von Menschen, die ihren regulären Tagesgeschäften nachgehen. Dadurch wirkt die Spielwelt sehr dynamisch und lebendig.

Ein verrücktes Over-the-top-JRPG, denkst Du? Nein, denn in Persona 5 steckt mehr dahinter.

Zwischen kunterbuntem Humor und tiefgründiger Gesellschaftskritik

Die Persona-Formel wird auch im fünften Teil wieder angewendet. Persona 5 besteht aus 50 Prozent Rollenspiel und 50 Prozent Alltagssimulation. Mit dem Protagonisten und seinen Begleitern gehst Du zur Schule, erledigst Minijobs und triffst Dich in der Freizeit mit Freunden. Gleichzeitig führen sie ein Doppelleben, indem sie als sogenannte Phantomdiebe mit übersinnlichen Kräften in die Herzen der Menschen eindringen. Schnell wird ihnen klar, dass die Menschen von der Gesellschaft gezwungen werden, Masken zu tragen, um ihre innere Verwundbarkeit zu schützen. Um ihren Mitmenschen zu helfen, ist es notwenig, dass sich die Helden ihre eigenen Schutzmasken herunterreißen und sich ihrem inneren Selbst stellen.

Welche Masken trägt die heutige Gesellschaft? Das gilt es in Persona 5 herauszufinden. Du gehst dabei nicht nur der Vergangenheit des Protagonisten nach, sondern wirst dabei mit unangenehmen Themen wie Vergewaltigung und Suizid konfrontiert, die mir bereits in der Anspiel-Demo den Boden unter den Füßen weggezogen haben.

Das Innere eines Menschen wird als Palast dargestellt. Der Palast meines Feindes in der Anspiel-Demo ist clever durchgeplant und sehr atmosphärisch. Um ins Zentrum zu gelangen und den Schatz im tiefsten Inneren zu stehlen, schleicht das Team durch das Gebäude, umgeht Feinde oder greift sie von hinten an. Jeder dieser Paläste bietet einen anderen spielerischen Fokus, einen eigenen visuellen Stil und individuelle Musik. So kommt es, dass ich in der Anspiel-Demo gegen den Guard Captain kämpfe, während im Hintergrund Swing-Musik gespielt wird. Neben den Palästen kannst Du Mementos erforschen, das kollektive Unterbewusstsein der Menschen. Hier werden Kämpfe trainiert, Personas gesammelt und Nebenquests erledigt. Das Dungeon-Design stellt sich in der Anspiel-Demo als klares Highlight heraus.

Was hat es mit den Personas auf sich?

Das rundenbasierte Kampfsystem ist ziemlich anspruchsvoll und funktioniert ähnlich, wie in vorherigen Persona-Teilen. So können Gegner mit physischen Angriffen oder mithilfe der Persona besiegt werden, die magische Fähigkeiten besitzen. Personas sind die Kraft, die Deiner Gruppe die Möglichkeit gibt, ins Innere eines Menschen vorzudringen. Dargestellt werden sie von Dämonen aus der Welt von Shin Megami Tensei. Während des Kampfes kann der Protagonist frei zwischen höchstens zwölf unterschiedlichen Personas wechseln, um möglichst effektiv gegen feindliche Dämonen zu kämpfen.

Wer sich dem Button Mashing bedient, wird nicht weit kommen. Hier ist Taktik gefragt, um die Schwächen von Gegnern auszumachen. Physische Angriffe bestehen sowohl aus Nahkampf- als auch Schusswaffen. Letztere bedienen sich zwar nicht unendlicher Munition, können aber immerhin mehrmals in einer Runde abgefeuert werden. Auch in der Wahl der Waffen ist eine taktische Herangehensweise erforderlich, da einige Gegner Stärken und Schwächen gegenüber verschiedenen Waffentypen zeigen. Wenn der Gegner einen kritischen Treffer erleidet, können zudem zusätzliche Angriffe ausgeführt werden.

Gehen alle Gegner gleichzeitig k.o., startet die Truppe eine spektakuläre Finisher-Attacke. Sie können aber auch verschont werden: Im neuen Konversationssystem kann sich die Gruppe nämlich in einem Kreuzverhör mit Gegnern unterhalten, um Geld oder Gegenstände zu erhalten. Oder aber Du rekrutierst gegnerische Dämonen ins eigene Team, indem sie in Dialogen nach Kämpfen überzeugt werden. Die Wahl liegt ganz bei Dir. Nach jeder verbalen oder kämpferischen Konversation werden Dir EP und erhaltene Gegenstände sowie Geld in einer äußerst hübschen Sequenz dargestellt. Selbst im Abspann eines Kampfes weiß Persona 5 visuell absolut zu überzeugen.

Zwei Stunden haben gereicht, um mich komplett von Persona 5 zu überzeugen. Das neue Spiel von Atlus ist höchstwahrscheinlich das stilsicherste JRPG der letzten Jahre, bietet eine clevere, tiefgründige Geschichte in einer lebendigen Welt und viel Motivation im Gameplay. Mehr kann ein JRPG eigentlich kaum bieten.

Persona 5 ist ab dem 4. April 2017 für PS3 und PS4 erhältlich. Die Texte können allerdings nur zwischen Japanisch und Englisch gewählt werden.

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