PES 2019 im Test: Ohne Bundesliga bleibt es schwierig

Marco Mainz

Es gleicht schon einer Blutgrätsche! In Pro Evolution Soccer 2019 fehlt erstmals nach zehn Jahren die UEFA Champions League. Doch wichtig ist „auf’m Platz“: Und da hält der Titel mit einer astreinen Fußballsimulation gegen.

PES 2019 - Launch Trailer.

Im April war bei Konami eine Menge los. Der Gefühlslevel muss wohl zwischen Hüpfburgparty und Trauerflor gesprungen sein. Immerhin feierten die Japaner magische 100 Millionen verkaufte Kopien der PES-Serie. Überschattet wurde diese Meldung nur vom Verlust der Nutzungsrechte an den UEFA Vereinswettbewerben. Die Champions League und Europa League wanderten kurzerhand von Konami zum Konkurrenzprodukt FIFA.

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Die Sache mit den Lizenzen

Konami bläst zum Angriff: Mit sieben neuen Ligen möchte der Publisher verlorenen Boden zurückerobern. Unter anderem mit den Lizenzen aus Portugal, Türkei und Russland. Die russische Premier League ist dieses Jahr sogar exklusiv in PES. Ärgerlich für EA, letzten Endes aber nicht mehr als ein kleiner Nadelstich. PES 2019 muss nämlich bei den Ligen aus Spanien und England weiterhin mit Teamnamen wie MD White, statt Real Madrid oder London FC statt Chelsea FC vorlieb nehmen.

Was besonders hierzulande Jahr für Jahr auf massive Kritik stößt, ist das Fehlen der Bundesliga. Dass mit Schalke 04 und Bayer Leverkusen auch in PES 2019 nur zwei deutsche Teams vertreten sind, liegt an der DFL-Lizenz, die noch bis 2021 exklusiv bei EA liegt. Solange darf Konami nur vereinzelt Partnerschaften mit einzelnen wenigen Klubs eingehen. So auch dieses Jahr mit Schalke, der seinen Derbygegner Borussia Dortmund ersetzt. Mit dabei die originale Arena der Königsblauen, die hervorragend in das Spiel eingebaut wurde.

Spielerisch unantastbar

Wenn der Ball erstmal rollt, dann ist die Qualität nicht mehr zu bremsen. Die Aktionen auf dem virtuellen Grün wirken echt: Pässe, Schüsse, Grätschen – einfach alles. Da kommt es auch mal vor, nicht immer vollends die Kontrolle über den Ball zu haben. Passionierte FIFA-Spieler werden jetzt die Nase rümpfen. Wer aber nur einmal im Fußballstadion war weiß, dass Pässe auch mal ins Leere gehen und nicht jede Flanke vollplatziert auf der Brust landet. Fußballer winden sich, machen die Beine lang. Manchmal fallen sie vor Dusel sogar hin. So sind die 90 Minuten in echt und so auch in PES 2019.

Für den Fall, dass du noch nie in den Genuss von PES gekommen bist, gibt es jetzt einen Trainingsmodus, der dich mittels Minispielen an die Steuerung heranführt. Für den nötigen Ansporn ist auch gleich ein Wertungssystem in klassischer Gold-Silber-Bronze-Staffelung mit an Bord. Den Modus haben die Jungs und Mädels von Konami bei EAs FIFA abgeschaut. Ebenso wie die neue Funktion der schnellen Auswechslungen. Bei Spielunterbrechungen kannst du nun fix per Tastendruck einen Slider mit allen Feldspielern öffnen und einen müden Genossen auswählen. Das Spiel schlägt dir daraufhin alle Bankwärmer in sinniger Reihenfolge vor. Möchtest du also Liverpools Salah auswechseln, musst du dich nicht etwa durch die gesamte Bank klicken, sondern bekommst zuerst Offensivspieler vorgeschlagen.

Etwas enttäuschend ist neu angepriesene Feature, durch das die Erschöpfung von Spielern durch spezielle Animationen hervorgehoben werden sollen. In meiner Spielsession sprintete ich dafür bewusst das Feld auf und ab – nichts! Kein Spieler, der sich auffällig die Arme in die Hüfte stemmt, keiner der gebückt läuft. Selbst mit völlig leerer Staminaleiste bewegen sich die Dribbelkünstler in tänzerischer Manier. Schade.

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Wenig Abwechslung, dafür viel kopiert

Waren es in der Vergangenheit immer die fehlenden Lizenzen, die PES das Rückgrat brachen, könnte es schon bald die mangelnde Abwechslung sein. Wagen wir einen Blick in Richtung EA, dann sehen wir einen Storymodus, Frauenfußball und fast schon tagesaktuelle Ereignisse in Ultimate Team. Von solch großer Vielfalt kann PES aktuell nur träumen. Die Innovationen im eigenen altbewährten Modus „Meisterliga“ halten sich beispielsweise in Grenzen. Neu ist zwar das Vorbereitungsturnier „International Champions Cup“, eine große spielerische Bereicherung ist er aber nicht. Zumal du selbst mit Frankreichs Zweitligist Lorient dort teilnimmst und auf den FC Barcelona trifft. Realistisch ist anders. Dazu kommen Änderungen im Design und neue Optionen für Spielerverhandlungen. Also nun wirklich keine Gamechanger.

Besser machen soll es da der Myclub-Modus, der das äquivalent zu FIFA Ultimate Team bildet. Dabei hat sich Konami einiges bei der Konkurrenz abgeschaut. So gibt es fortan auch in PES ein Team der Woche, deren Spieler eine neue verbesserte Inform-Version erhalten. Dazu gesellen sich sogenannte „Players to Watch 18/19“, deren Stats sich volatil auf die realen Leistungen verhalten. Auch neue „Myclub Legends“, ein Tauschsystem für Duplikate und vieles mehr sollen bei Release verfügbar sein. Einen Eindruck konnte ich mir beim Schreiben des Tests noch nicht machen, da die Server zu der Zeit noch nicht online waren.

Fazit

Der neueste Ableger der Simulationsreihe PES 2019 mag zwar die Champion League verloren haben, punktet dafür aber einmal mehr mit realistischem Gameplay und fantastischer Grafik. Mit gleich sieben neuen, voll lizenzierten Ligen wächst die Marke in die Breite und gibt den unterschiedlichen Spielmodi mehr Fleisch. Leidiges Thema am Pro Evolution Soccer ist einmal mehr die fehlende Bundesliga.

PES 2019 wird dir gefallen, wenn du echter Fußballfan bist und der Realismus einer Partie dir besonders am Herzen liegt.

PES 2019 wird dir nicht gefallen, wenn dich die fehlende Bundesliga stört und du einen Hang zu arcadigen Spielen hast.

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