Wie PUBG Fortnite kopieren wollte und dabei gnadenlos scheiterte

Victoria Scholz 2

Stelle dir vor, dir gibt jemand ein Eis. Und nachdem du es 10 Sekunden in der Hand gehalten hast, nimmt er es dir wieder weg. Im Falle vom Event Pass in PlayerUnknown’s Battlegrounds ist das Eis eine violette Jacke mit Aufdruck auf dem Rücken und der Bösewicht, der dir dieses Item wegnehmen will, der Entwickler selbst.

Wie PUBG Fortnite kopieren wollte und dabei gnadenlos scheiterte

Das war ganz schön spontan für die Fans von PUBG: Noch freuten sie sich über das erste deutsche PUBG-Turnier im Juli in Berlin und schon kamen die Entwickler mit einer neuen Methode, wie sie Geld einfahren wollen. Reichen die Crates und vor allem die Spieleverkäufe nicht mehr?

Anscheinend nicht, hat jetzt doch Epic Games das Battle-Royale-Zepter in der Hand und zwingt damit Bluehole bzw., die eigens gegründete Tochterfirma, PUBG Corporation sich mit dem eigenen Spiel auseinanderzusetzen. Das wurde zuletzt nämlich geprägt von Cheatern, einer ganzen Reihe Bugs und generell keinem richtigen Ansporn, PUBG noch weitere 100 Stunden zu spielen.

Das ist der Event Pass: Gemeinsam mit der neuen Map Sanhok wurde der Event Pass in PUBG eingeführt. Bis zum 21. Juli kannst du in diesem Rahmen leveln und kosmetische Items bekommen. Der Event Pass kostet 10 €. Geht dir der Fortschritt nicht schnell genug, kannst du wiederum 5 € ausgeben, um 5 Stufen aufzusteigen. Die höchste Stufe ist Level 30. Wer kein Geld ausgeben will, bekommt auch Skins für seinen Charakter, die aber größtenteils zeitexklusiv sind und nach 15 bis 30 Tagen aus deinem Spind verschwinden.

Die Lösung hieß zuerst, neue Maps anzubieten, doch dann kam – mit Blick auf Fortnite – ein weiterer Geistesblitz dazu: „Wir machen auch so einen Battle Pass wie Fortnite – nur nennen wir es ‚Event Pass‘!“. Und wie lief die Idee so für PUBG bisher?

Nicht so gut. Die Reviews für den Event Pass sind zwar ausgeglichen, die Reviews für PUBG sinken aber auf ein neues Tief und sind größtenteils negativ. Auf Reddit und anderen sozialen Plattformen ist die Resonanz ebenfalls negativ. Die Spieler reagierten also – verständlicherweise – ziemlich heftig. Denn das große Problem ist, dass dieser Event Pass eine schlechte Kopie vom Battle Pass in Fortnite ist. Anstatt also richtig zu klauen, haben die Entwickler hier wirklich vieles falsch gemacht.

„Ist Bluehole heimlich EA?“

Die Kommentare unter der Ankündigung des Event Passes auf Steam sprechen eine eindeutige Sprache. Ein User fragt: „Is Bluehole secretly EA? Or are they EA all the time?„. Nicht wenige vergleichen die koreanische Firma mit Electronic Arts und ihrer Lootbox-Diskussion.

Neben den normalen Spielverkäufen bekommen die PUBG-Macher noch Geld durch ihre Crates. Im Spiel kaufst du dir diese Kisten, die kosmetische Gegenstände enthalten, mit BP. Das ist die Währung in PlayerUnknown’s Battlegrounds, die du pro Runde bekommst. Die Höhe wird aus deinen Kills und deinem Platz in dem Match errechnet. Hast du mindestens 700 BP angesammelt, darfst du dir eine Kiste kaufen.

Der Zufall entscheidet nicht nur, welche Kiste du bekommst, sondern auch, welches Item sich darin befindet. Für einige Kisten brauchst du dann Schlüssel, um sie zu öffnen. Diese Keys kosten Echtgeld.

Auch Fortnite bietet seinen Spielern die Gelegenheit, im Shop kosmetische Items zu kaufen. Zwischen Fortnite und PUBG gibt es aber einen großen Unterschied: Der Battle-Royale-Modus von Epic Games ist kostenlos. Viele PUBG-Spieler verstehen nicht, warum sie 30 Euro für ein Spiel und dann wieder 10 Euro für einen Pass ausgeben müssen, der auch nur einen Monat gültig ist.

PUBG: So sieht die neue Map 'Sanhok' aus.

Temporäre Items: Die Sache mit dem weggenommenen Eis

Es gibt zwei Event-Pässe: einen kostenlosen und einen für 10 Euro. Bluehole lässt dir also die Wahl, ob du Geld ausgeben willst oder nicht – aber auch nur vermeintlich. Denn gibst du kein Geld aus und schlägst dich bis Stufe 20 hoch, erhältst du von 9 Belohnungen nur 2 wirklich dauerhaft. Da ist also beispielsweise eine coole, violette Jacke, die du nach 30 Tagen wieder abgeben darfst. Auch der Waffen-Skin für die Kar98 ist nach 20 Tagen verschwunden.

Das einzige, was dir am Ende bleibt, ist die Möglichkeit, deinen Nickname im Spiel zu ändern und einen neuen Fallschirm-Skin zu bekommen, der auch nichts wirklich Besonderes ist. Zur Erinnerung: Steam bietet dir jederzeit an, deinen Profilnamen kostenlos und so oft wie du willst zu ändern. In einigen Fällen ist das aber Ingame nicht möglich, wie auch beim Battle-Royale-Hit. PUBG-Spieler wünschten sich bereits früher diese Option. Zumindest haben die Entwickler die Namensänderung mit dem kostenlosen Event Pass eingeführt.

Was aber der Sinn hinter den zeitexklusiven Items sein soll, erschließt sich mir nicht. Wäre es nicht klüger, hier Skins anzubieten, die auf dem Markt mehrere hundert Euro kosten? Dann könnten Spieler nämlich für kurze Zeit wirklich exklusive Skins tragen. Und wer weiß, vielleicht kaufen sich einige dann auch den PlayerUnknown-Trenchcoat, der derzeit 200 Dollar auf dem Markt kostet.

Diese Items könnte ich mir gut als zeitexklusive Skins vorstellen:

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PUBG: Das sind die teuersten Items, die ihr für Echtgeld kaufen könnt.

Schwerwiegende Probleme mit dem Event Pass (und dem ganzen Spiel)

Eines der Hauptprobleme bei PUBG sind die Bugs. Es gibt lustige, bei denen Spieler auf Motorrädern sitzen und einfach urplötzlich in die Luft geschleudert werden. Dann gibt es aber auch nervige, zum Beispiel wenn der Treffer nicht sitzt und dein Gegenüber nicht stirbt, sondern dich stattdessen wieder in die Warteschlange zurückbefördert.

Viele „game breaking“ Bugs wurden bis heute nicht gefixt. Bei einigen fallen die FPS schneller als die Spielerzahlen von PUBG, als Fortnite veröffentlicht wurde. Und anstatt daran zu arbeiten, entwickelt Bluehole eher einen Event Pass. Das stößt vielen Spielern sauer auf.

Gemeinsam mit der neuen Map Sanhok und dem Event Pass veröffentlichten die Macher aber auch ein großes Update, was leider durch die ganze Pass-Diskussion in den Hintergrund rutschte. Spitzenspieler Shroud lobte das Update mit den Worten, dass PUBG definitiv in die richtige Richtung gehen würde und sich alles seit dem Update besser anfühle (Quelle: Twitch). Auch Sanhok führt durch die Größe von gerade einmal 16 km² ein viel schnelleres Gameplay ein, was dem Battle-Royale-Shooter gut tut.

Leider wird diese positive Richtung durch den Event Pass zunichte gemacht. Besonders, weil auch dieser neue Meisterstreich der Entwickler wahrlich nicht frei von Fehlern ist. Wie auch bei Fortnite gibt es tägliche und wöchentliche Missionen, deren Abschluss dir Erfahrungspunkte bringt. Diese werden aber nicht bei allen Spielern als abgeschlossen angezeigt.

Bei Streamer Shroud war es genau andersherum. Er hat XP für eine Aufgabe bekommen, die er nicht mal abgeschlossen hat:

Fängst du jetzt erst mit leveln an, hast du keine Chance mehr, alle Items zu bekommen

Und neben all den Kritikpunkten wäre da noch der Fortschritt. Rechnest du alle Erfahrungspunkte zusammen, die du durch den Abschluss von Missionen oder einfach durch das Überdauern in einem Match bekommen kannst, hast du etwa ab Mitte des monatlichen Zeitraums keine Chance mehr, alle Stufen zu erklimmen.

Um mit dem kostenlosen Event Pass Level 20 zu erreichen, brauchst du 29 Tage, errechnete ein Reddit-Nutzer. Witzig ist, dass auch ein Entwickler von PUBG diese Diskussion gesehen und weitergegeben hat. Aus diesem Grund änderte Bluehole kurzerhand einige XP-Quellen am Event Pass. Ob sich dadurch so viel ändern wird, ist fraglich. Jedoch geht das Studio damit in eine positive Richtung. Es gibt dir dein Eis also noch nicht zurück, dafür verdienst du es dir aber schneller.

Quiz: Wie lange würdest du bei PUBG und Co. überleben?

Du wolltest schon immer herausfinden, ob du es theoretisch auf Platz 1 in PlayerUnknown's Battlegrounds, Fortnite: Battle Royale und Co. schaffen würdest? Oder überlegst du noch, ob Battle-Royale-Spiele überhaupt etwas für dich sind?

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