PUBG für Xbox One im Test: Vom PC-Olymp zum Konsolen-Desaster

Sandro Kreitlow 1

Auf dem PC ist PlayerUnknown’s Battlegrounds unangefochten DER Überhit 2017. Die Xbox One-Version steckt jedoch voller Probleme. 

PlayerUnknown's Battlegrounds auf der Xbox One (4K-Trailer).

Eines der erfolgreichsten Spiele 2017 ist ohne Frage PlayerUnknown’s Battlegrounds. Und das, obwohl der mit PUBG abgekürzte PC-Titel nach wie vor in der Early-Access-Phase ist. Microsoft und Entwickler Bluehole entschieden sich trotzdem dazu, den Titel noch vor Fertigstellung als Preview-Version für Xbox One zu veröffentlichen.

Was mache ich hier eigentlich?

PUBG bietet weder Kampagne, noch Helden oder irgendeine Handlung. Der Überraschungshit fokussiert sich stattdessen auf Battle Royale: 100 Spieler springen unbewaffnet und ohne Rüstung mit dem Fallschirm über einer Insel ab, um anschließend gegeneinander zu kämpfen, bis nur noch einer überlebt. Hast du den gleichnamigen Film mit Takeshi Kitano nicht gesehen, kennst du das Prinzip spätestens seit den Tributen von Panem. Damit nicht jeder einfach in den hintersten Ecken der Map in seinem Versteck abwartet, wird das Kampfgebiet nach einer bestimmten Zeit durch ein blaues Kraftfeld verkleinert. Jeder, der sich außerhalb dieses Feldes bewegt, erleidet zunehmend Schaden.

Warum PUBG überhaupt ohne Handlung auskommt? Ganz einfach: Jede Runde ist anders. Schon die Route des Flugzeugs, von dem aus alle Spieler abspringen, ist komplett anders als die vorherige. Ob du mit der berühmten Bratpfanne oder mit einer Waffe startest, die du schnell findest, hängt einzig und allein vom Zufall ab. Eine Garantie, zu gewinnen, gibt es nie. Auch nicht, wenn du eine starke Ausrüstung samt Waffenaufsätze, erweiterten Magazinen oder Schalldämpfer gefunden hast. Stattdessen beschleicht dich durchgängig das adrenalinreiche Gefühl der Paranoia. In jeder Sekunde in jeder Runde herrscht ein schierer Nervenkitzel – von Anfang bis Ende. Dabei ist es auch egal, wie lange du an dem Battle Royale teilgenommen hast.

Technik: PC > Xbox One

Die Konsolenversion von PUBG wurde vor allem mit der Xbox One X beworben. Und das hat einen guten Grund: Auf der Xbox One und Xbox One S läuft das Spiel so miserabel, dass die Framerate nur selten 30 Bilder pro Sekunde erreicht. Eine schlechte, aber stabile Bildrate kann zwar erträglich sein, aber es sind die Schwankungen, die kaum tolerierbar sind. Denn dadurch ergibt sich ein verzögertes, ungenaues Gefühl der Steuerung. Insbesondere das Schließen von Türen kann ein kniffliger Vorgang sein. Die Aufforderung dazu erscheint und verschwindet nicht mehr synchron zu deinen Bewegungen und lässt dich kurz warten. Ist ja nicht so, dass jede Sekunde in PUBG zählt…

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Schließlich bedeuten offene Türen nicht nur, dass du jedem Gegner deine Präsenz offenbarst, sondern auch Hinterhalte oder Angriffe auf dich. Das Schließen von Türen ist also essentiell. Dasselbe gilt für das Aufnehmen von Gegenständen: Es ist ein schwammiges Gefühl, wenn dein Spielcharakter kleine Items aufnimmt. Wenn du das Gefühl hast, jemand ist in der Nähe, willst du nicht erst ständig über die Waffen gehen müssen, ehe du sie aufnehmen kannst. Die Xbox One X ist da wohl die bessere Erfahrung. Auf Xbox One und Xbox One S hängt alles von deiner Toleranz für die Probleme ab. Oftmals ist also nicht nur Geduld bezüglich In-Game gefragt, sondern auch bei der Technik hinter der Steuerung.

Darüber hinaus wirken nicht nur Texturen von Gräsern und Bäumen arg veraltet, sondern auch Häuser- und Waffenmodelle. Die Spielwelt baut sich erst langsam im Verlauf der ersten Spielminute auf, wodurch Objekte wie Häuser und ihre Inneneinrichtungen erst spät aufpoppen. Ärgerlich wird es, wenn du nach der Landung noch nicht in Häuser gehen kannst, weil Wege oder Treppen noch nicht geladen sind und du fast eine ganze Minute lang warten musst, um Gegenstände looten zu können. Zu leise oder erst gar keine Töne bei Abschüssen gehören ebenfalls zur Xbox One-Version. Abgerundet werden die technischen Probleme von Lags und Serverproblemen. Bist du in einem heißen Feuergefecht, kann so schnell Frustration aufkommen.

Fazit

Das Gameplay ist auch auf der Xbox One ein Wechselbad der Gefühle: ruhig / hektisch; langsam / schnell; spaßig / ärgerlich. Aber vor allem ist es eins: motivierend. Theoretisch klingt PUBG arg langweilig. Hast du aber verstanden, wie gewisse Systeme funktionieren, wirst du in jeder Runde neue Taktiken abhängig von der Situation anwenden. So verändern sich Ausrüstungs- und Waffenauswahl  im Laufe der Zeit. Beispielsweise sind Schrotflinten zu Beginn wichtig, wenn du riskieren musst, Häuser zu betreten, später setzt du allerdings doch eher auf Fernkampfwaffen und Zielfernrohre. Da jeder Spieler mit jeder Runde anders agiert, kann dein eigentlicher Plan aber auch jederzeit über Bord geworfen werden.

Die Faszination PUBG besteht darin, dass Drama nicht mit einer Handlung, sondern nur durch den Multiplayer-Aspekt auf höchster Ebene erzielt wird. Zugänglich ist der Hit ohnehin schon, mit der Xbox One-Version sollen nun noch mehr Spieler auf den Hype-Zug aufspringen. Spieler, die nicht nur 1-2 Titel pro Jahr spielen und schon das ein oder andere Spiel mit mindestens 30 flüssigen Bildern pro Sekunde gespielt haben, werden von dieser Version allerdings enttäuscht sein. Gewöhnst du dich an die Umstände, lassen dich kleine und vor allem große Erfolge (Top 30, Top 20 etc.) all die Probleme zumindest eine Zeit lang vergessen. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht nur die PC-Version stätig verbessert wird, sondern auch die Konsolenversion.

Hinweis: Da PUBG sich nach wie vor in der Early-Access-Phase befindet und hier die Preview-Version der Xbox One getestet wurde, wird noch keine finale Wertung vergeben. 

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