Einmal Hype und zurück: Der große Pokémon-Go-Jahresrückblick 2016

Björn Rohwer

Dishonored 2? Uncharted 4? Overwatch? Nein, die Frage nach dem Spiel des Jahres braucht in diesem Jahr gar nicht gestellt zu werden. Auch wenn andere Titel vielleicht insgesamt stärker überzeugen konnten, so hatte kein Spiel derartigen Einfluss wie Pokémon Go. Grund genug für mich, zum Jahresende auf die Chronik des Phänomens zu blicken.

Wenn es zum ersten Mal ein Videospiel auf Platz 1 der meist gegoogelten Begriffe eines Jahres schafft, handelt es sich um mehr als nur einen kleinen Hype. Pokémon Go ist zweifelsfrei DAS Spiel des Jahres – zumindest was den Bekanntheitsgrad, die Spielerzahlen und den gesellschaftlichen Einfluss angeht. Bis Anfang Dezember legten die Spieler des Titels 8,7 Milliarden Kilometer, etwa 200.000 Erdumrundungen, zu Fuß zurück und fingen über 88 Milliarden Pokémon. Auch wenn zum aktuellen Zeitpunkt die App nicht einmal mehr in den Top 100 der Charts rangiert – mit täglichen Umsätzen in Millionenhöhe ist Pokémon Go auch fast ein halbes Jahr nach Release noch ein voller Erfolg.

Was bisher geschah

Bevor ich aber einen genaueren Blick auf das vergangene Jahr werfe, schaue ich etwas in die Vorgeschichte des Spiels – Pokémon Go ist schließlich nicht einfach im Juli dieses Jahres vom Himmel gefallen. Angefangen hat alles 2014 mit einem ganz einfachen Witz. Google ist seit Jahren bekannt für besonders ausgefallene und einfallsreiche Aprilscherze – gerade in Verbindung mit ihrem Kartendienst Google Maps. Sei es die NES-Version im Final-Fantasy-Design, das Spiel Pac-Maps, mit dem Spieler auf realen Straßen Pac-Man spielen können, oder eben die große Google Maps Pokémon Challenge – jedes Jahr präsentiert der Suchmaschinen-Riese neue verrückte Ideen. Dieses Mal sollte es aber nicht einfach bei einer Idee und einem ausgefallenen Trailer bleiben.

Bereits seit 2010 werkelte John Hanke mit seinem Google-internen Startup Niantic Labs an dem Zusammenspiel von Landkarten und Games. Nachdem er den Launch von Google Earth betreute und Google Maps auf das Original-iPhone brachte, wollte er nun noch eine neue Ebene aus den schnöden Karten herausholen. Den Anfang machte sein Team mit der Guide-App Field Trip. Mit ihrer Hilfe konnten Nutzer auf der ganzen Welt besonders interessante Orte entdecken – sei es ein ausgefallenes Wandgemälde, der historische Tante-Emma-Laden oder ganz klassische Touristenattraktionen. Die Basis für die heutigen PokéStops war somit gelegt.

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Pokémon: Alle Typen mit Schwächen und Stärken (samt Effektiv-Tabelle)

Kartograph oder Gamedesigner?

Das erste Spiel veröffentliche Niantic Labs schließlich im November 2012. Ingress ist verkürzt gesagt eine weltumspannende Capture-the-Flag-Variante. Als Teil einer der beiden Fraktionen musst Du über den gesamten Globus verteilt Portale erobern und Energie einsammeln – die Portale liegen an eben den Punkten, die heute als Pokéstops und Arenen dienen, und die Energiefelder wurden zu besonders Pokémon-reichen Regionen. So baute Niantic Stück für Stück einen Datenpool auf, der ein Großprojekt wie Pokémon Go erst ermöglichen sollte. Fehlte also nur noch die passende Lizenz.

Als Google Ende 2015 zu Alphabet Inc. wurde, waren die Tage als firmeninternes Startup für Niantic Labs gezählt. Im selben Atemzug mit der Ausgliederung gab Niantic im September 2015 aber bekannt, dass sowohl Google, als auch Nintendo und The Pokémon Company sie auf dem Weg zum eigenständigen Unternehmen mit etwa 30 Millionen Dollar unterstützen werden. Wieso Nintendo und The Pokémon Company? Die Antwort lieferte Niantic prompt mit einem eindrucksvollen Ankündigungstrailer für ihr neustes Projekt – Pokémon Go. Kommt der uns nicht irgendwie bekannt vor? Ja, Ähnlichkeiten mit dem Trailer des April-Scherzes kann man definitiv nicht leugnen. Dass die Zusammenarbeit so schnell und reibungslos zustande kam, lag übrigens maßgeblich an Tsunekazu Ishihara. Der Präsident der Pokémon Company war einer der aktivsten japanischen Ingress-Spieler. „Er wusste sofort, was wir erreichen wollten – wir mussten ihm das Projekt nicht einmal großartig schmackhaft machen, sondern bekamen sofort die Zusage“, verriet John Hanke im Interview mit Forbes.

Pokémon GO.

Bereits kurz nach der Ankündigung machten wir uns bei GIGA GAMES Gedanken, was Pokémon Go bringen könnte. Ganz oben auf der Wunschliste standen damals regionspezifische Pokémon, Leaderboards und ein kompletter Katalog aller 720 Taschenmonster. So groß die Vorfreude schon ganz zu Beginn war – Gedanken an mögliche Bezahlstrukturen und den Einfluss auf unsere Produktivität ließen uns zunächst dann doch stutzen.

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