Pokémon – Let's Go im Test: Auf zu neuen alten Abenteuern (+ Go-Park- & Pokéball Plus-Bewertung)

Lisa Fleischer 2

Mit Pokémon: Let’s Go, Pikachu! und Let’s Go, Evoli! macht die beliebte Serie rund um Pikachu und Co. die ersten Schritte auf der neuen Konsole Nintendo Switch. Dabei probieren die Entwickler endlich einige neue Ideen aus – auch wenn das Konzept insgesamt doch beim Alten bleibt.

Update: Inzwischen konnten wir auch den Go Park und Pokéball Plus ausgiebig testen. Wir haben den Test dementsprechend angepasst und finalisiert, den Teil zu den beiden Features findest du über dem Fazit.

Pokémon war das erste Spiel, in das ich mich Hals über Kopf verliebt habe – in meinem Fall fing alles mit Pokémon Kristall an. All die liebenswürdigen Taschenmonster, die es zu sammeln und zu trainieren galt, wurden für eine lange Zeit zu meinen Freunden. Das Gameplay war einfach zu lernen, bot aber einige Ansätze, tieferzugehen. Und die Geschichte war abwechslungsreich, wenn auch überschaubar und nicht zu komplex.

Wie sehr wünschte ich mir damals, dass meine geliebten Pokémon auch in meinem realen Alltag eine Rolle spielen könnten, dass sie lebendiger wirken und ich voll und ganz in die fantastische Welt abtauchen könnte, anstatt meinen damals sehr eintönigen Alltag wieder und wieder erleben zu müssen. Umso überraschter war ich, als ich Pokémon: Let’s Go das erste Mal auf meiner Switch startete: So lebensecht wie in den beiden neuen Editionen wirkte die Pokémon-Serie noch nie – inklusive Pokémon, die sichtbar durch die Routen spazieren und einem Partner-Pokémon, das nicht müde wird, mit dir zu interagieren.

Originalgetreu bis ins letzte Detail

Aber von vorne: Nach dem Erfolg mit den ursprünglichen Editionen und mit der fortsetzenden zweiten Generation griff Entwickler Game Freak immer wieder auf das altbewährte Konzept zurück. Die Erfahrung blieb jahrelang dieselbe, lediglich neue Monster, frisches Setting und einige zusätzliche Mechaniken sorgten für Abwechslung. Auch mit Pokémon: Let’s Go erfindet Game Freak das Rad nicht neu, schließlich handelt es sich bei den Spielen um Remakes der Pokémon: Special Pikachu Edition für den Game Boy.

Dementsprechend findest du in den beiden neuen Editionen dieselben Charaktere wie im Original, du begegnest neben den Arenaleitern Misty und Rocko dem aus der Pokémon-Serie bekannten Team Rocket-Trio Jessie, James und Mauzi. Und sogar das singende Pummeluff, dass dich schon in Pokémon: Special Pikachu Edition ganz schläfrig gemacht hat, ist auch wieder in einem PokéCenter zu finden. Übrigens sind auch alle Items genau dort platziert, wo sie in der Pikachu-Edition zu finden sind. Das weckt zahlreiche Erinnerungen an die eigene Kindheit, die in neuem Glanz erstrahlen.

Denn die beiden Editionen sind trotz ihres Konzepts, das den vorherigen Teilen gleicht wie ein Ei dem anderen, etwas ganz besonders: Sie sind die ersten Spiele von Entwickler Game Freak für die Nintendo Switch – und ermöglichen damit erstmals, das komplette Erlebnis uneingeschränkt an einem LED-Fernseher in enorm verbesserter Grafik zu erleben.

Pokémon – So schön wie nie zuvor

Als ich Pokémon: Let’s Go auf der Switch zum ersten Mal starte, staune ich nicht schlecht. Alles sieht gestochen scharf aus, mein Partner-Pokémon Evoli, das ich nach kurzer Zeit fange und mit dem mich von Beginn an eine tiefe Freundschaft verbindet, schneidet die süßesten Grimassen und die Mimik und Gestik der einzelnen Charaktere besteht aus so viel mehr Emotionen als noch in den letzten Editionen Pokémon Ultrasonne und Ultramond – deren Grafik mich im letzten Jahr übrigens genauso positiv überrascht hat, die neben Pokémon: Let’s Go jetzt aber ganz schön alt aussehen.

Zwar läufst du in Pokémon: Let’s Go immer noch in Top-Down-Perspektive durch die Stadt, dafür ist die grafische Darstellung aber wesentlich runder und schärfer als in den vorherigen Teilen. Die Trennung vom Nintendo 3DS zu Gunsten der Switch hat der Serie richtig gut getan. Auf dem großen TV fallen zwar vor allem in den Schatten immer wieder verpixelte Ränder auf, im Handheld-Modus kann ich solche grafischen Unschönheiten aber nicht entdecken – aus dem hässlichen Entlein auf Handheld-Konsolen wurde dank Switch ein respektabler Schwan.

Hinzu kommt, dass ich in Pokémon: Let’s Go schon vor dem Release keinen einzigen Bug oder technischen Fehler finden kann – eine Seltenheit in einer Zeit, in der ansonsten so gut wie jedes Spiel einen Day-One-Patch erhält, der Unschönheiten ausbessert. Hier zeigt sich die wahre Größe von Game Freak: So genau wie der japanische Entwickler arbeiten wohl die wenigsten modernen Studios.

Bewegungssteuerung: (K)ein Muss

Dank der Vielfältigkeit der Nintendo Switch kannst du Pokémon: Let’s Go auf drei verschiedene Arten spielen: Bevorzugst du Bewegungssteuerung oder willst du unbedingt auf dem TV spielen, bist du mit dem JoyCon gut beraten. An die Steuerung gewöhnst du dich sehr schnell, die Tastenbelegung erinnert trotz anderem Layout an klassische Teile auf dem Nintendo 3DS. Einzige Neuerung: Pokémon fängst du nicht mehr per Knopfdruck nach einem Kampf, sondern wie in Pokémon Go mit einem direkten Wurf.

Den löst du am TV aus, in dem du den JoyCon von oben nach unten schleuderst. Das funktioniert nicht immer einwandfrei, besonders dann, wenn ein Pokémon nicht mittig, sondern links oder rechts am Rand steht, misslingen bei mir zahlreiche Würfe, egal was ich tue. Präziser ist das Werfen mit dem separat erhältlichen Pokéball Plus. Dafür musst du bei dem Controller Abstriche bei den vorhandenen Knöpfen machen: Mit Pokéball Plus alleine kommst du nicht ins Hauptmenü der Switch, Screenshots kannst du auch nicht machen.

Wie du in Pokémon: Let’s Go Pokémon fängst, erklären wir dir in folgendem Video.

Pokémon Let's Go – So klappt das Werfen mit dem Pokéball Plus.

Mit einzelnen Controllern, egal ob JoyCon oder Pokéball Plus, kannst du übrigens einen Mitspieler hinzuholen. Dieser übernimmt einen zweiten Charakter und kann mitfangen und mitkämpfen, allerdings nicht mit NPCs oder Gegenständen interagieren. Im Zweispieler-Modus werden die Kämpfe einfacher, zudem steigt deine Chance, Pokémon unmittelbar zu fangen. Vor allem für kleine Kinder, deren erstes Spiel Pokémon: Let’s Go ist, bietet sich der zweite Charakter an, können sie damit doch erste Erfahrungen mit Videospielen sammeln, ohne überfordert zu werden.

Für mobiles Spielen bietet sich der Handheld-Modus an. Hier fängst du Pokémon tatsächlich wieder per Knopfdruck, du musst lediglich deine Switch leicht bewegen, um Pokémon am Rand anvisieren zu können. Am großen Bildschirm kannst du so aber natürlich nicht spielen. Alle drei Optionen haben ihre Vor- und Nachteile, ich persönlich bevorzuge aber den Handheld-Modus – einfach weil ich mit der Switch per se wenig auf dem Fernseher spiele, sondern es mir oft im Handheld-Modus auf der Couch bequem mache.

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Obwohl ich normalerweise kein Fan davon bin, habe ich mich wider Erwarten überhaupt nicht an der Bewegungssteuerung gestört, schließlich macht das Fangen von Pokémon nur einen kleinen Bruchteil des Spiels aus, die meiste Zeit kämpfst du mit anderen Trainern, erkundest die Umgebung, zerschlägst Team Rocket oder versuchst dich an Arena-Kämpfen – wie eben schon in Pokémon: Special Pikachu Edition.

Einfach wie eh und je, aber nicht zu leicht

Wo wir schon beim Fangen von Pokémon sind: Wilde Pokémon verstecken sich nicht mehr länger im hohen Gras, sondern wandern jetzt frei über die Routen. Das macht die Welt wesentlich lebendiger, außerdem ist es dir endlich möglich, unliebsamen Pokémon konsequent aus dem Weg zu gehen. Pokémon spawnen trotzdem noch zufällig, auch in Let’s Go bekommst du also seltene Pokémon nicht von Anfang an zu Gesicht, sondern du musst Geduld investieren, willst du sie fangen. Auch die gewonnene Erfahrung durch Kämpfe mit wilden Pokémon geht nicht verloren – für jeden Fang erhält dein Team einige EP.

Dafür kann es dir jetzt nicht mehr passieren, dass du ein seltenes Pokémon versehentlich K.O. schlägst, obwohl du es eigentlich nur schwächen wolltest, um es leichter fangen zu können. Zwar kannst du noch gegen besondere wilde Pokémon kämpfen, du kannst sie aber trotzdem erst dann fangen, hast du sie komplett besiegt. Das erspart dir so einige Frustmomente.

Auch Vergiftungen sind längst nicht mehr so verheerend wie früher. Dein Pokémon nimmt dadurch nur dann Schaden, ist es im Kampf aktiv, sobald es ausgewechselt wird, beeinflusst es das Gift nicht mehr – bis zum nächsten Kampf. Dafür verursacht eine Vergiftung jetzt wesentlich mehr Schaden, ungefährlich ist die Statusveränderungen also immer noch nicht, du solltest sie so schnell wie möglich heilen.

Ebenfalls vereinfacht wurde der Zugriff auf die Pokémon, die du zwar gefangen hast, die bislang aber keine Rolle in deinem Kernteam spielen. Früher musstest du diese über die PCs aufrufen, die in PokéCentern zu finden waren. Inzwischen sind sie über das Menü ständig verfügbar, was nervige Umwege über das nächstgelegene PokéCenter der Vergangenheit angehören lässt und das Spielerlebnis etwas entschlackt. Und auch die VMs sind nicht länger im Spiel, sie werden durch die Geheimen Techniken ersetzt, die dein ständiger Begleiter in Form von Evoli oder Pikachu ausführen kann – selbst wenn es nicht Teil deines Kampfteams ist.

Trotzdem ist Pokémon: Let’s Go – anders als von vielen befürchtet – keine leichte Version der sowieso schon einfachen Pokémon-Reihe. Zwar geht der Einstieg tatsächlich etwas einfacher von der Hand als noch im direkten Vorgänger, es kommt mir so vor, als ob mein Pokémon bei gleichem Level mehr Schaden als das Gegnerische anrichtet, auch wenn die Attacke nicht effektiv ist. Später steigt der Anspruch an dein Team, außerdem sind die Arena-Kämpfe nach einer kurzen Experimentierphase mit Inselprüfungen in Pokémon Sonne und Mond endlich wieder zurück, wodurch der Schwierigkeitsgrad im Vergleich zu den letzten Teilen sogar etwas angehoben wird.

Verbindung mit Pokémon Go: Ein nettes Extra

Inzwischen konnte ich den Go-Park ausgiebig testen. Er ersetzt in Pokémon Let’s Go die Safari-Zone, du findest ihn ebenfalls in Fuchsania City. Zuerst einmal fällt auf, dass es gar nicht so leicht ist, eine Verbindung herzustellen und dann auch noch Pokémon vom Smartphone auf die Switch zu übertragen – wie das Übertragen funktioniert, erklären wir dir deshalb detailliert in einem gesonderten Artikel. Außerdem kannst du Pokémon leider nicht von der Switch zurück zu Pokémon Go schicken. Hast du sie also einmal von dem Mobile-Spiel übertragen, sind sie dort für immer verloren. Überlege dir im Voraus gut, welche Pokémon du in Pokémon Go wirklich nicht mehr brauchst!

Da du so gut wie alle außer eben der editionsspezifischen Pokémon direkt in Let’s Go erhältst, brauchst du eigentlich auch nicht allzu viele Pokémon übertragen. In meinem Fall hätte sich vor allem der Tausch von Sandan, Fukano und Myrapla angeboten – nur leider brauche ich alle drei Pokémon gerade für Feldforschungen und der Vervollständigung meines Pokédex noch dringend in Pokémon Go. Ein Dilemma!

Zumindest erleichtert der Go Park solchen Trainern das Fangen, die ein Ass in Pokémon Go sind, jedoch niemanden in ihrem Freundeskreis haben, mit denen sie in Pokémon Let’s Go tauschen können – das kannst du dank der neuen Mechanik jetzt ja getrost alleine. Außerdem erhältst du in beiden Spielen für die Übertragung Boni wie Erfahrungspunkte, alleine dafür lohnt sich die Mechanik also schon. Sollte sich der Go-Park auch in zukünftigen Spielen finden lassen, wünsche ich mir trotzdem, dass damit auch andere Pokémon ins Spiel übertragen werden können, die ich auf regulärem Wege nicht finden kann.

Auch der Pokéball Plus ist abseits seines Einsatzes als Ersatzcontroller mehr nettes Goodie als unabdingbare Erweiterung. Überträgst du ein Pokémon in den Ball, kannst du es zwar wesentlich schneller trainieren als auf klassischem Wege im Spiel, außerdem erhältst du immer wieder nützliche Items wie Bonbons und Beeren. Leider kannst du mit dem darin befindlichen Pokémon nicht zu jeder Zeit interagieren, vielmehr schreit der Controller immer mal wieder nach dir – zu zufällig festgelegten Zeiten. In einem Meeting oder in der Schule solltest du den Pokéball Plus also nicht bei dir tragen, das kann ansonsten Ärger geben.

Mein Test-Fazit zu Pokémon: Let’s Go – Ein Spiel für Pokémon-Fans und alle, die es werden wollen

Pokémon: Let’s Go, Pikachu! und Let’s Go, Evoli! sind zwei wunderschöne Remakes von Pokémon: Special Pikachu Edition, die dich noch einmal in Kindheitserinnerungen abtauchen lassen – in deutlich verbesserter Grafik und mit neuen Features. Trotz der zahlreichen Anspielungen auf die ersten Pokémon-Teile und die Serie sind die beiden Editionen aber auch optimal, um erste Erfahrungen mit Pokémon sammeln zu können. Dank lokalem Multiplayer können erstmals kleine Kinder Pokémon gemeinsam mit Eltern oder großen Geschwistern erleben, ohne überfordert zu werden – hätte ich selbst Kinder, wäre Pokémon: Let’s Go meine erste Wahl, um sie mit meiner Begeisterung für die Serie anzustecken.

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Pokémon hätte so viel anders sein können – Verworfene Ideen der Entwickler.

Natürlich darf nicht vergessen werden, dass es sich bei Pokémon: Let’s Go trotz allem um ein Remake handelt. Es gibt nicht allzu viele Interaktionsmöglichkeiten, waren diese doch auch im Original nur rar gesät. Der Go-Park und Pokéball Plus sind nette Ideen, bereichern das Spielerlebnis aber nicht spürbar, sondern sind noch ausbaufähig. Dafür probiert Game Freak mit den beiden neuen Spielen zum ersten Mal aus, was grafisch und technisch auf der Nintendo Switch alles möglich ist. Erstmals wird die Pokémon-Welt auch sichtbar von den niedlichen Taschenmonstern bevölkert, außerdem ist ein lokaler Koop und ein noch leichterer Austausch mit anderen Spielern möglich.

Damit ebnen die Entwickler den Weg für eine erfolgreiche Zukunft auf der Nintendo Switch – und machen Hoffnung, dass das 2019 erscheinende neue Pokémon-Spiel tatsächlich so bahnbrechend wird, wie sich viele Fans jetzt schon erhoffen. Der Grundstein dafür wäre mit Pokémon: Let’s Go zumindest gelegt.

Wie kommt unsere Wertung zustande? Das erklären wir dir in unserer GIGA GAMES-Wertungsphilosophie.

Wird dir gefallen, wenn du Pokémon: Special Pikachu Edition damals gespielt hast, die Serie endlich in guter Grafik genießen willst oder du Kinder hast, denen du endlich deine Faszination für die Serie näher legen möchtest.

Wird dir nicht gefallen, wenn du mit Pokémon noch nie viel anfangen konntest, Bewegungssteuerung ein No-Go für dich ist oder du dir eine Generalüberholung der Pokémon-Serie erhofft hast.

Pokémon: Let’s Go, Pikachu! und Let’s Go, Evoli! erscheinen am 16. November 2018 exklusiv für die Nintendo Switch. Ab demselben Tag wird auch der separat erhältliche Pokéball Plus in die Läden kommen. kannst du dir Spiel und Pokéball Plus im Paket bestellen – im Vergleich sparst du dadurch sogar ein paar Euro. Wirst du dir Pokémon: Let’s Go holen oder bist du immer noch skeptisch, ob das Spiel deinen Erwartungen gerecht wird? Welche Edition bevorzugst du – Pikachu oder Evoli? Schreibe uns deine Meinung doch unten in die Kommentare.

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