Pokémon Sonne & Mond: Fans in Hongkong protestieren gegen Pikachus neuen Namen

Sebastian Moitzheim 7

In Hongkong und Taiwan werden die Namen der Pokémon für die neuen Editionen an die Schreibweise des chinesischen Festlands angeglichen. Das verärgert vor allem Fans in Hongkong, die von Nintendo fordern, ihre Kultur zu respektieren.

Pokémon-Fans in Hongkong sind wütend: Pokémon Sonne & Mond werden erstmalig in traditionellem und vereinfachtem Chinesisch spielbar sein (damit sind die beiden schriftlichen Varianten der Sprache gemeint). Eigentlich eine gute Nachricht, doch damit einher geht die Vereinheitlichung vieler Pokémon-Namen und -Bezeichnungen in China, Taiwan und Hongkong. So wird der Titel nun in Hongkong, China und Taiwan einheitlich 精靈寶可夢 oder Jingling Baokemeng lauten („Jingling“ bedeutet laut Quartz Elfe oder Geist, „Baokemeng“ ist schlicht eine Schreibweise von Pokémon). Zuvor nutzten die Comics und Anime in Taiwan und Hongkong eigene Übersetzungen. Schon diese Änderung sorgte für Unmut, sowohl in Hongkong als auch in Taiwan.

Das noch größere Problem der Fans in Hongkong liegt allerdings in den neuen Namen der Pokémon selbst, vor allem des Maskottchens Pikachu. Auch dessen Name wird an die Schreibweise des chinesischen Festlands angeglichen: 皮卡丘 oder Pikaqiu. Im Mandarin-Dialekt, der in China und Taiwan verbreitet ist, wird dies ähnlich wie unser „Pikachu“ ausgesprochen. Im in Hongkong verbreiteten Kantonesisch allerdings wird diese Schreibweise „Pei-kaa-jau“ ausgesprochen. Zuvor war die Schreibweise 比卡超, ausgesprochen „Bei-kaa-chyu“.

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Diese Pokémon sind viel zu stark

Pokémon-Fans in Hongkong kündigten an, Pokémon und Nintendo zu boykottieren. Sie gründeten eine Facebook-Gruppe und sammelten in einer Petition für eine eigene Übersetzung mehr als 6000 Stimmen. Einige protestierten sogar vor dem Japanischen Konsulat gegen die Änderungen und sangen den Pokémon-Titelsong auf kantonesisch. Einer der Demonstranten sagte Quartz: „Nintendo sollte unsere Kultur respektieren“.

Tatsächliche sollte, falls ihr eine Demonstration wegen des Namens eines Pokémon übertrieben findet, folgendes angemerkt sein: In Hongkong gibt es eine reale, weit verbreitete Angst davor, dass die dortige Kultur von der des chinesischen Festlands verdrängt wird. Dazu gehört auch das Kantonesische, das noch sehr weit verbreitet ist, aber zum Beispiel nur noch in 40% der Grundschulen unterrichtet wird. Der Kampf gegen die neuen Pokémon-Namen ist also nur ein kleiner Teil eines größeren Bestrebens vieler Hongkonger, die Kultur und Traditionen ihrer Heimat zu bewahren.

Nintendo in Hongkong reagierte bereits auf die Proteste: Sie bitten Fans, den Namen unabhängig von der kantonesischen Aussprache als „Pikachu“ zu lesen (Link in chinesisch, übersetzt nach Quartz).

Quelle: Quartz

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