Pokémon Super Mystery Dungeon Test: Was taugt der neuste Poké-Dungeon-Crawler?

Sebastian Moitzheim

Anstatt sie in Bällen einzusperren, werdet ihr in Pokémon Super Mystery Dungeon wieder mal selbst zum Pokémon. Wieviel Spaß das auf Dauer macht, und warum dieses Erlebnis mir ein paar Tränen in die Augen trieb, erfahrt ihr im Test.

Schaut euch den Trailer zu Pokémon Super Mystery  Dungeon an:

Pokémon Super Mystery Dungeon.

 

Pokémon Super Mystery Dungeon im Test

Bestimmt hatte ich irgendwann schonmal wegen einem Pokémon-Spiel Tränen in den Augen – ich war 9, als die ersten Pokémon-Editionen in Deutschland erschienen, mein kleiner Bruder und ich teilten uns damals einen Game Boy und, naja, manchmal hat er auf meinem Blaue-Edition-Save Dinge gemacht, mit denen ich nicht einverstanden war. Aber das ist lange, lange her und mittlerweile habe ich die Zeit, in der ich wegen Pokémon-Spielen emotional wurde, natürlich hinter mir gelassen. Dachte ich.

Berührende Geschichte für Groß und Klein

Ich hatte erwartet, dass ich Pokémon Super Mystery Dungeon mögen würde, aber nicht, dass mich die Geschichte des Spiels so berühren würde. Wie die vorigen Spiele der Reihe, erzählt auch der neuste Teil eine Geschichte über einen Menschen, der eines Tages aus zunächst ungeklärten Gründen als Pokémon erwacht und gemeinsam mit einem Partner-Pokémon Abenteuer in einer ausschließlich von Pokémon bevölkerten Welt erlebt (welche Pokémon Hauptfigur und Partner werden, entscheidet ein Persönlichkeitstest, dessen Ergebnisse ihr allerdings überschreiben dürft). Von dieser Grundprämisse aus entfaltet sich die Geschichte von Pokémon Super Mystery Dungeon nach und nach von einer kleinen, persönlichen Geschichte zu einer epischen Mystery-Story, bei der deutlich mehr auf dem Spiel steht als in den Games der Kern-Pokémon-Reihe.

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Dabei verständigen sich die Pokémon, anders als in der Kern-Reihe, nicht nur mit ihrem Namen, sondern in ganzen Sätzen, und hier liegt die große Stärke der Story des Spiels: Jedes Pokémon, mit dem man interagiert, hat eine individuelle Persönlichkeit, und ich habe im Laufe der Geschichte starke emotionale Bindungen – und ebenso starke Antipathien – zu einigen Figuren entwickelt. Entsprechend nahe ging es mir, wenn das Spiel das ein oder andere wenig erfreuliche Thema wie Mobbing, Einsamkeit und das negative Selbstbild meines Partner-Pokémons anschnitt. Diese Themen verpackt das Spiel natürlich kindgerecht, doch es beschönigt sie nicht und schreckt nicht davor zurück, gelegentlich ein Kapitel seiner Geschichte auf einem traurigen Cliffhanger enden zu lassen.

Was nicht heißt, dass die Geschichte des Spiels ein einziger Downer ist: Genauso oft, wie sie mich traurig gemacht hat, brachte sie mich auch zum Lachen oder zumindest zum Grinsen, denn allein das Entdecken der spezifischen Persönlichkeiten, die sich die Entwickler für die Pokémon überlegt haben, bleibt über die gesamte Spielzeit ein Quell amüsanter Überraschungen.

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Spaß in kleinen Dosen

Die Story ist die größte Stärke von Pokémon Super Mystery Dungeon und sie tröstet darüber hinweg, dass das Gameplay zwar spaßig, aber auch sehr repetitiv ist. Mit einem Team aus drei Pokémon (in Story-Missionen vorgegeben, in Neben-Missionen frei aus allen bisher freigespielten Pokémon wählbar) erkundet ihr zufallsgenerierte Dungeons. Dabei steuert ihr stets nur den Anführer eures Teams, die anderen beiden Pokémon folgen euch und agieren in den rundenbasierten Kämpfen selbstständig, allerdings lassen sich grobe taktische Vorgaben für ihr Verhalten („bleib eng bei mir“ vs. „stürz dich um jeden Preis in den Kampf“ etc.) festlegen.

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Neben der Wahl der richtigen Attacke im Kampf, die wie in den klassischen Pokémon-Games vom Typ eures und des gegnerischen Pokémons abhängt, liegt die Herausforderung des Spiels vor allem im Ressourcen- und Risikomanagement: Ihr müsst stets ein Auge auf euren Vorrat an Gesundheits- und Wiederbelebungs-Items, die Angriffspunkte eurer Attacken und den Hungerzustand eures Anführers haben (letzteres Feature ist zurückgekehrt, nachdem es im direkten Vorgänger „Portale in die Unendlichkeit“ zum Leidwesen einiger Fans fehlte).

Basierend auf diesen Statistiken müsst ihr wichtige Entscheidungen treffen: Wann setzt ihr die oft knapp bemessenen Vorräte ein, um AP oder Gesundheit wiederherzustellen oder Hunger zu stillen? Wann platziert ihr die noch knapper bemessenen „Speichergeräte“? Nur mit ihnen könnt ihr innerhalb eines Dungeons speichern, allerdings nur auf der Ebene, auf der ihr das Gerät platziert habt (leider gibt es auch keinen Suspend-Save, wie es bspw. Etrian Mystery Dungeon bot, damit ihr euer Spiel innerhalb eines Dungeons zumindest unterbrechen könnt).

Könnt ihr das Risiko eingehen, noch ein paar Ebenen tiefer in den Dungeon einzudringen, in der Hoffnung, dort bessere Items zu finden oder noch eine Quest zu erledigen, oder solltet ihr angesichts eures Zustandes den Rückzug antreten? Trifft man eine falsche Entscheidung, kann das schnell zum Aus für die gesamte Party führen – dann hilft, wenn ihr nicht alle eure Items verlieren wollt, nur eine Rettungsmission, entweder durch einen anderen Spieler via. Friend Code, oder aber selbst durchgeführt über das Pelipper-Island-Feature, mit dem ihr abseits des Hauptspiels und mit anderen Pokémon freie Erkundungen in bereits freigespielten Dungeons unternehmen könnt.

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Einen Schuss zusätzliche taktische Tiefe bekommt das Gameplay durch eine neue Item-Gruppe: „Ringel“ und „Sipale“. Ringel sind Amulette, die Pokémon bei sich tragen können, was ihnen beispielsweise einen Angriffs-, Verteidigungs- oder EXP-Bonus gibt. Interessant wird es allerdings erst mit den Sipalen: Alle Ringel haben mehrere Slots, in denen Sipale platziert werden können, die dem Träger-Pokémon weitere Boni verleihen. Allerdings sind Sipale nur in Dungeons zu finden und verschwinden nach dem Absolvieren des Dungeons – man muss also bei jedem Erkundungs-Gang erneut Sipale sammeln und unterwegs die Entscheidung treffen, welchem Pokémon welcher Bonus nützt – eine nette Idee, die den Spieler dazu zwingt, seine Taktik unterwegs ein Stück weit anzupassen.

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Das Erkunden der Dungeons macht in kleinen Dosen Spaß und ist eine ganze Ecke fordernder als im Vorgänger, wenn auch natürlich nicht so hardcore wie zum Beispiel im letztjährigen Etrian Mystery Dungeon. Gerade im Vergleich mit dem Etrian-Odyssey-Ableger fällt allerdings auch auf, wie wenig abwechslungsreich das Gameplay von Pokémon Super Mystery Dungeon ist: Der Schwierigkeitsgrad steigt ein wenig, doch im Grunde ist das Gameplay zum Ende des Spiels identisch mit dem ganz am Anfang, denn das Aufleveln eurer Pokémon bringt zwar hin und wieder ein paar neue Attacken, doch viel zu viele davon funktionieren exakt gleich, und das Zusammenstellen neuer Pokémon-Teams macht Spaß für Fans der Reihe, bietet spielerisch aber im Grunde keine Abwechslung, anders als die Kombination verschiedener Klassen in Etrian Mystery Dungeon.

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Schnapp sie dir alle – wirklich alle!

Was Pokémon Super Mystery Dungeon neben der Story noch hilft, über das etwas monotone Gameplay hinwegzutrösten, ist der größte Selling-Point aller Pokémon-Games: Der Sammeltrieb. Alle 720 bekannten Pokémon sind im Spiel nicht nur anzutreffen, sondern als spielbare Charaktere freischaltbar. Das geschieht nicht mehr, wie in früheren Pokémon-Mystery-Dungeon-Spielen, indem ihr Pokémon besiegt, sondern indem ihr Quests für sie erledigt. Und jedes neu freigeschaltete Pokémon kennt wieder ein paar andere, die neue Quests für euch haben, und so weiter. Das System macht süchtig und hat bei mir das ein oder andere mal dazu geführt, dass ich, obwohl ich eigentlich erstmal genug vom Gameplay hatte, doch noch einen Trip in die Dungeons drangehängt habe, weil ich wusste, dass er mir eines meiner Lieblings-Pokémon garantieren würde.

Der Sammeltrieb sorgt, kombiniert mit einer Handvoll erst nach der Kampagne freigeschalteter Dungeons, die teilweise einige spielerische Twists mit sich bringen (z.B. darf man einen nur alleine erkunden), auch für ein starkes Post-Game – wer sie wirklich „alle schnappen“ möchte, kann lange nach Abschluss der Story unzählige Stunden mit Pokémon Super Mystery Dungeon verbringen.

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Unser Testfazit zu Pokémon Super Mystery Dungeon:

Auf Dauer lässt das Gameplay an Abwechslung und Tiefe zu wünschen übrig, aber die witzige und berührende Story und der Pokémon-typische Sammeltrieb machen Pokémon Super Mystery Dungeon zu einem lohnenden Abenteuer für Poké-Fans. Ich gehe davon aus, dass ich noch das ein oder andere Abenteuer im Spiel erleben werde, denn so monoton das Gameplay auf Dauer ist, so perfekt ist es als verlässlicher Lieferant von kurzen Gelegenheits-Abenteuern, die zwar nicht die Tiefe haben wie die anderen Mystery Dungeon-Games, aber auch weniger zeitliche und intellektuelle Investition fordern.

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