Portal: Ein Rückblick auf das beste Tutorial aller Zeiten

Alexander Gehlsdorf

In der Regel verzichte ich grundsätzlich darauf Spiele vorzubestellen. Direkt am Erstverkaufstag Geld für ein Spiel auszugeben, für das teilweise noch keine Kritiken und Wertungen veröffentlicht wurden, ist schließlich immer ein Risiko. Als am 21. April 2011 Portal 2 in Deutschland erschien, habe ich diesen Vorsatz jedoch großzügig ignoriert.

Eigentlich wollten alle nur Half-Life 2: Episode 2 spielen, die heiß ersehnte Fortsetzung des Kult-Shooters. Valve hingegen dachte sich „Warum nur ein Spiel verkaufen, wenn wir gleich drei haben?“ und legte noch Team Fortress 2 und Portal mit in die Schachtel. Geboren war im Jahr 2007 die Orange Box.

Ein cleverer Schachzug, denn ohne die Verkaufsgarantie Half-Life hätten wohl nur die wenigsten Spieler zu dem ungewöhnlichen Portal gegriffen. Dabei ist das originelle Rätselspiel aus heutiger Sicht das Highlight der Orange Box — und aus ganz persönlicher Sicht eines der besten Spiele aller Zeiten.

Portal Trailer.

Thinking with Portals

Was Portal so einzigartig machte, war ein vollkommen neuartiger Spielansatz. Rein mechanisch funktionierte es wie ein First-Person-Shooter, stellte dank der Portale aber alles bisher bekannte auf den Kopf. Zwar waren Portale in Spielen selbst zu diesem Zeitpunkt nichts grundlegend Neues, sondern kamen unter anderem bereits in Quake oder dem ersten Prey aus dem Jahr 2006 zum Einsatz, waren bis dahin aber lediglich ein Gimmick und keine grundlegende Spielmechanik.

Thinking with Portals lautete das Motto, dass die Spieler zwang, sich in einer Art und Weise in einem dreidimensionalen Raum zu orientieren, wie es noch kein Spiel zuvor getan hatte. Das allein ist in der Ära der Fortsetzungen, Reboots und Copy-Cats schon eine Leistung, wirklich meisterhaft war es aber, wie die Designer dem Spieler die komplexen und vor allem ungewohnten Mechaniken des Spiels nahe gebracht haben.

Bei genauerer Betrachtung ist Portal nämlich ein einziges, großes Tutorial. Jede der 19 Testkammern macht dich Stück für Stück mit den Mechaniken des Spiels vertraut, stellt bisher gelerntes auf die Probe und lässt sich die ungewohnten Techniken in deinem eigenen Tempo erlernen. Tatsächlich erhältst du erst in Testkammer 11(!) den zweiten Teil der Portal Gun, mit der du fortan auch orangefarbene Portale setzen kannst — dennoch hast du bis dahin zu keiner Zeit das Gefühl, nicht bereits mitten im Spiel zu sein.

Erst nach dem großartigen Story-Twist bist du auf dich allein gestellt und musst alles bisher gelernte kombinieren, um das Spiel zu beenden. Die Entwickler haben es geschafft, dass das Tutorial von Portal vollkommen unsichtbar ist und sich absolut logisch in das Spiel einfügt, statt zum obligatorischen und bevormundenden Spießrutenlauf zu werden. Jedes Rätsel, jedes Level und sogar jede Wartepause in Portal hat einen Sinn. Eine Meisterleistung in Sachen Spiel-Design.

Portal 2 - Teaser Trailer.

Mit dem Zweiten spielt man besser

Der Vertrauensvorschuss, den Portal sich bei mir erarbeiten konnte, führte schließlich also auch dazu, dass ich bei der Vorbestellung des Nachfolgers keine Zweifel hatte. Auch wenn Teil Zwei aus welchen Gründen auch immer nicht ganz so perfekt werden sollte, wie das Original, wird es immer noch ein verdammt fantastisches Spiel.

Tatsächlich konnte die Kampagne dem Vorgänger nicht ganz das Wasser reichen. Zwar war sie dreimal so umfangreich und erzählte eine deutliche komplexere Story, kam aufgrund der längeren Spielzeit in Sachen Level-Design aber dennoch nicht zu 100 Prozent an die Qualität des Vorgängers heran. Gelangweilt hat es mich trotzdem zu keiner Zeit.

Anders als den Vorgänger, den ich inzwischen vermutlich mit verbundenen Augen durchspielen könnte, absolvierte ich die Einzelspieler-Kampagne von Portal 2 nur ein einziges Mal. Jedoch nicht etwa, weil diese schlecht wäre, im Gegenteil. Stattdessen packte mich Jahr für Jahr der geniale Koop-Modus, der den wahren Kult-Faktor von Portal 2 ausmacht.

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Der Zwei-Spieler-Modus macht die fordernden Rätsel nicht nur exponentiell komplexer, sondern ergänzt das Spiel darüber hinaus über eine soziale Komponente. Kommunikation ist Pflicht und egal ob ich die Koop-Kampagne mit einen guten Kumpel, meiner Freundin oder einem zufälligen Online-Partner absolviert habe, das gemeinschaftliche Erfolgserlebnis war stets unvergleichlich.

Auch heute, sieben Jahre nach der Veröffentlichung, profitiert Portal 2 noch immer von Community-Inhalten, die sowohl den Einzelspieler- als auch den Koop-Modus um immer neue Herausforderungen erweitern. Und vielleicht, vielleicht ringt sich Valve ja tatsächlich irgendwann zu einem dritten Teil durch. Wie das mit den Portal funktioniert, wissen wir inzwischen ja schließlich.

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