Prey in der Vorschau: Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Martin Eiser

Lange war unklar, ob Prey überhaupt eine Fortsetzung bekommt. Offensichtlich war die Suche nach dem richtigen Rezept aber erfolgreich. Das kommende Action-Adventure könnte eines der besten Spiele in diesem Jahr werden.

Prey - 8 Minuten Gameplay.

Stell Dir doch einfach mal vor, dass John F. Kennedy nicht erschossen worden wäre. Was hätte er dann wohl gemacht? Vielleicht ein Raumfahrt-Programm zusammen mit den Russen? Warum nicht. Gemeinsam hätten die beiden Supermächte sicherlich etwas Großes auf die Beine stellen können. Vielleicht wären sie 2030 sogar so weit gewesen, dass sie eine fette Raumstation ins All geschossen hätten. Tja, und vielleicht wärst Du ein Forscher auf dieser Station und würdest an neuen Technologien arbeiten. Alien-Technologien. Tja, und womöglich wären dort plötzlich Aliens eingefallen und hätten fast die komplette Besatzung erledigt.

Kannst Du dem noch folgen?

Es wäre wirklich nicht schlimm, wenn Dich das ein bisschen überfordert. Der Einstieg in Prey wirft so viele Fragen auf, dass ich irgendwann selbst aufgehört habe, mich zu wundern. Ich weiß nur, dass irgendetwas gehörig faul ist auf der Thalos I. Eigentlich ging ich davon aus, irgendwo auf der Erde zu sein und auf den Start ins All zu warten. Ich habe Tests gemacht, die scheinbar meine Eignung prüfen sollten. Doch irgendwie hing ich in einer Schleife fest und musste jeden Tag von vorn erleben – und täglich grüßt das Murmeltier.

Als es mir bei einem Zwischenfall dennoch gelingt, aus der Scheinwelt auszubrechen und hinter die Fassade zu schauen, sorgte das aber keinesfalls für Klarheit. Was zum Teufel ist nur los? Und was sind das für furchtbare, schwarze Kreaturen?

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Einzigartige Welt

Arkane Studios haben mit Dishonored bereits demonstriert, was für herrlich abgefahrene Welten sie erschaffen können. Auch diese Serie erzählt eine ungewöhnliche Geschichte in einem einzigartigen Paralleluniversum. Es ist ein Ort, der gleichzeitig fremd und vertraut wirkt. Die Beschaffenheit dieser Welt macht einen erheblichen Teil ihres Charmes aus. Es ist interessant zu sehen, dass Prey in genau die gleiche Kerbe schlägt, ohne sich dabei tatsächlich zu wiederholen. Wenn Du genau hinschaust, dann erkennst Du die Handschrift – in den Charakteren, der Stimmung und der Art, wie Dir die Geschichte erzählt wird. Diese Welt ist düster und trotz all ihrer Fortschrittlichkeit so unglaublich morbide. Und es sind die kleinen Dinge, die Randinformationen und Notizen, die für die Handlung wesentlich sind.

Du durchforstest E-Mails, hörst Dir Audio-Nachrichten an, um mehr darüber zu erfahren, was hier passiert ist. Du findest Audio- und Video-Nachrichten und entdeckst manchmal sogar Hinweise in Objekten, die nicht interaktiv sind – beispielsweise auf normalen Tafeln oder der Art und Weise wie ein Toter auf dem Boden liegt. Du schleichst vorsichtig durch die Gänge, weil bereits hinter der nächste Ecke eine Gefahr lauern könnte, musst Dich entscheiden, welchen der vielen möglichen Wege du einschlagen willst und kannst Deinen Spielstil durch Fähigkeiten wieder nach belieben anpassen. Sogar der manchmal fast comichaft wirkende Grafikstil aus Dishonored findet sich in Prey wieder.

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Remix statt Playback

In Fall von Prey handelt es sich jedoch eine sehr moderne Zukunftsvision, die allerdings eine ordentliche Portion Achtziger Jahre inhaliert hat. Wer die Serie Stranger Things kennt, kann sich ungefähr ausmalen, wie sich die Mischung aus Horror, Science-Fiction und übernatürlichen Phänomenen anfühlt. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den Soundtrack von Mick Gordon. Dich erwartet hier ganz offensichtlich eine geniale musikalische Untermalung mit sphärischen Synthesizer-Klängen und zarten, treibenden Beats. Es ist der Sound für eine Generation, die jene Zeit nie bewusst erlebt hat und trotzdem durch sie sozialisiert wurde.

Und auch das Design der Einrichtung, nebst Kleidung und Waffen ist ein Mix aus kühler Modernität und dem warmen Mief vergangener Tage. Hier trifft High-End-Technik auf dunkle Oberflächen aus Holz. Es ist ein bisschen wie in Bioshock, das sich ebenfalls an einer solchen Mischung aus alt und neu probiert hat. Die eigentlich übliche sterile Atmosphäre einer solchen Raumschiffstation wirkt auf diese Weise fast heimelig. Und wieder scheint es dem Studio zu gelingen, bekannte Elemente nicht einfach nur zu kopieren, sondern durch einen gekonnten Remix etwas ganz Eigenes zu erschaffen.

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Mehr Freiheit und mehr Horror

Als ich die erste Ankündigung von Prey gesehen habe, konnte ich mir noch nicht so recht vorstellen, was mich da eigentlich erwartet. Nach den ersten Stunden verstehe ich gut, warum sich Bethesda nicht so recht festlegen will, was Prey eigentlich ist. Natürlich findest Du im Spiel immer auch Waffen. Es gibt kleine Handfeuerwaffen, eine Art Schrottflinte, automatische Gewehre und echt coolen Kram wie die Gloo-Kanone. Letztere kann Gegner für begrenzte Zeit bewegungsunfähig machen oder die erschaffenen Minifelsen dienen als Plattform, um höhere Ebenen zu erreichen. Trotzdem ist Munition knapp und Du sollst auf Deine besonderen Fähigkeiten angewiesen sein. Im Fall von Dishonored wäre ja auch niemand auf die Idee gekommen, von einem Shooter zu sprechen, sondern von einem Action-Adventure.

Die Raumstation ermöglicht außerdem eine offenere Welt, in der Du Dich frei bewegen kannst. Nicht überall kannst Du immer sofort hin, weil Dir zunächst Zugangskarten oder Fähigkeiten fehlen, um Hindernisse zu überwinden. Das Prinzip haben Spiele wie Metroid oder Castlevania populär gemacht. Die Note, die mich an Prey aber am meisten überrascht hat, ist die düstere Spannung. Dadurch, dass ich es mit einem nichtmenschlichen, unbekannten Gegner zu tun habe, gab es durchaus Momente, in denen ich so etwas wie Angst gespürt habe. Es ist in diesen Situationen ein Horror, wie Du ihn vielleicht aus Alien: Isolation kennst. Ich hoffe, dass sich das durch das ganze Spiel zieht und nicht nur den Einstieg auflockert.

Prey - The History of TranStar.

Der erwartbare Überraschungskandidat

Vielleicht hattest Du Prey bisher noch nicht auf dem Schirm, weil es keine bekannte Serie ist und Bethesda bisher noch nicht viel über das Spiel verraten hat. Falls Du bereits Dishonored kennst und das Spiel mochtest, solltest Du es auf jeden Fall im Auge behalten – das hier könnte ein ganz ähnlicher Hit werden wie das Abenteuer von Corvo und Emily. Weil Prey aber trotz gewisser Ähnlichkeiten ein ganz anderes Spiel ist, könnte es Dich vielleicht mehr ansprechen. Mein Eindruck nach den ersten Spielstunden ist, dass es nicht nur gruseliger ist, sondern auch noch mehr Adventure. Über weite Strecken habe ich erkundet und entdeckt, statt zu schleichen und zu kämpfen – da wundert es nicht, dass Prey auch komplett ohne Waffen spielbar ist.

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Am besten jedoch gefällt mir die Mischung aus Retro- und SciFi-Elementen, die Prey einzigartig machen könnten. Nach allem, was ich spielen und sehen konnte, ist das hier definitiv ein Anwärter auf das Spiel des Jahres. Und am 5. Mai 2017 ist es bereits so weit, dann erscheint Prey für PC, PlayStation 4 und Xbox One.

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