Rage 2 in der Vorschau: Die Postapokalypse ist noch bunter

Alexander Gehlsdorf

Nachdem sich id Software mit Rage selbst an einer offenen Welt versucht hat, haben sich die Texaner für Rage 2 die schwedischen Genre-Experten Avalanche Studios mit ins Boot geholt. Ich konnte Rage 2 bereits einige Stunden anspielen, um herauszufinden, ob die Kooperation geglückt ist.

Ein Endzeit-Spiel mit Open World von Bethesda? An diesem Konzept ist ein gesundes Maß an Skepsis nach der Veröffentlichung von Fallot 76 ja durchaus erlaubt. Zwar durfte ich bereits im vergangenen Jahr ein paar Mal Hand an Rage 2 anlegen, viel mehr als ein Tutorial für die unterschiedlichen Spezialfähigkeiten war damals jedoch nicht zugänglich und meine Vorfreude entsprechend überschaubar.

Jetzt durfte ich hingegen mehrere Stunden in der Open World des Spiels verbringen und kann endlich die Entwarnung geben: Rage 2 hat das Zeug zu einem echten Kracher!

Irre, Irrer, Rage 2

Die Filme der Mad Max-Reihe dürften ja die meisten gesehen haben. Rage 2 ist ungefähr so. Nur auf LSD. Trotz weitreichender Wüstenabschnitte ist das Spiel bunt, abgedreht und mit dementsprechenden Charakteren gefüllt.

Mein Abenteuer begann in der Stadt Wellspring, in der ich der Bürgermeisterin unter die Arme greifen soll. So wirklich vertrauen möchte mir diese anfangs zwar nicht – Zufall sei Dank bekam ich aber kurz nach unserer ersten Begegnung die Möglichkeit, ihr zu demonstrieren, wie gut ich darin bin, bösen Buben Blei ins Gesicht zu pusten. Das beeindruckt auch die Bürgermeisterin und eine wunderbare Freundschaft beginnt.

Mein Auftrag: Den Computer des lokalen Milliardärs (nicht Donald Trump) zu hacken, um dessen schmutzige Geschäftsgeheimnisse aufzudecken. Blöd nur, dass Nicht-Trump in einem exklusiven Club haust, in dem Loser wie ich keinen Zutritt haben. Also muss ich berühmt werden und der Weg zum Ruhm ist offensichtlich: Reality TV.

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Statt Insekten zu essen oder mein Gesangstalent unter Beweis zu stellen, haben Reality TV-Stars in Rage 2 natürlich ganz andere Prüfungen vor sich, die in der Regel mit jeder Menge toter Gegner enden. Die Ballereien gehen dabei recht gut von der Hand. Keine Überraschung, schließlich sind unter anderem die Doom-Entwickler mit von der Partie und wenn sich jemand mit Ego-Shootern auskennt, dann schließlich die Jungs und Mädels von id Software.

Ballern ist nicht alles

Trotzdem darfst du nicht das exakt gleiche Spielgefühl erwarten, wie im großen Bruder vom Mars. Wer Rage 2 wie einen klassischen Shooter spielt, wird schnell darüber frustriert sein, dass jeder Gegner gefühlt ein halbes Magazin aushält, bevor er die Lust am aufrechten Gang verliert.

Vielmehr will Rage 2 von dir, dass du dich auf die unterschiedlichen Fähigkeiten verlässt, die deinem Helden zur Verfügung stehen. Unter anderem kannst du mit einem mächtigen Slam in die Gegnermassen springen, mit dem Dash tödlichen Attacken ausweichen oder per Overdrive zusätzlichen Schaden austeilen und deine Heilung beschleunigen.

Rage 2 - Gameplay Vorschau.

Durch die richtige Kombination aus Waffengewalt und Spezialfähigkeiten gehen die Kämpfe deutlich befriedigender von der Hand, gerade in den ersten Spielstunden ist jedoch etwas Einarbeitung nötig.

Mit Vollgas in den Straßengraben

Ein Reality TV-Star zu sein, reicht jedoch noch nicht, um Mister Nicht-Trump treffen zu dürfen. Stattdessen muss ich auch noch den ersten Platz in einem Autorennen belegen. In diesem Bereich hat Rage 2 definitiv noch etwas Nachholbedarf, denn die Fahrzeugsteuerung fiel in der aktuellen Form noch arg schwammig aus. Deutlich wird das vor allem, wenn das Auto die Straße verlässt und jegliche Kontrolle des Fahrzeugs zur Glückssache wird.

Trotz aller Widrigkeiten konnte ich mir die Position auf dem Sieger-Treppchen aber doch sichern und erhielt endlich Einlass in den exklusiven Club, der Reichen und … der Reichen. Jetzt also nur noch fix den Computer hacken und schon ist natürlich alles schief gegangen. Ich stehe Nicht-Trumps Haustier in einem klassischen Bosskampf gegenüber. Der war bereits auf dem normalen Schwierigkeitsgrad eine ziemlich knackige Herausforderung – jedenfalls solange bis ich die Dash-Funktion entdeckte und den eingehenden Angriffen geschickt ausweichen konnte. Reine Feuerkraft und Zielgenauigkeit hält dich in Rage 2 also nicht lange am Leben. Was zählt, sind stattdessen Mobilität, eine geschickte Kombination deiner Fähigkeiten und eine gesunde Prise Taktik.

Mein Vorschau-Fazit zu Rage 2

Taktische Kämpfe statt unkomplizierter Ballereien, ich gebe zu: Das habe ich in dieser Form nicht unbedingt erwartet. Spannend finde ich das Konzept aber durchaus und bin gespannt, wie anspruchsvoll die Auseinandersetzungen im Verlauf des Spiels noch werden. Um die schwammige Fahrphysik zu überarbeiten, haben id Software und Avalanche Studios ja glücklicherweise noch ein paar Monate Zeit.

Einen echten Eindruck davon, wie viel Potential in der Open World steckt, konnte ich in den wenigen Stunden zwar noch nicht erhaschen. Die Zeit, die ich bisher in Rage 2 verbringen durfte, hat mir dank des abgedrehten Settings und den irren Charakteren aber definitiv jede Menge Spaß gemacht. Ob das auch in der finalen Verkaufsversion der Fall sein wird, stellt sich am 14. Mai heraus, wenn Rage 2 für PC, PlayStation 4 und Xbox One erscheint.

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