Rockstars Überstunden-Kultur: „Wenn du das Spiel über dein Leben stellst, ist Rockstar großartig.“

Marina Hänsel 5

Überstunden, Crunch, schlechte Verhältnisse für Mitarbeiter – Red Dead Redemption-Entwickler Rockstar Games war in letzter Zeit nicht nur wegen einem der meist erwarteten Spiele dieses Jahr in den Medien. Anonym sprechen jetzt noch mehr Mitarbeitern des Spielekonzerns und verraten, was hinter verschlossenen Türen passiert.

Vor einer kleinen Weile hat Kotaku-Redakteur Jason Schreier auf Twitter all jene zu sich gerufen, die bei Rockstar Games arbeiten – oder gearbeitet haben – und sich anonym zu den Arbeitsbedingungen äußern wollen. Wie die öffentlichen Antworten aussahen, habe wir dir bereits gezeigt. Aber was ging anonym, über private Nachrichten, an Schreier?

Das und noch mehr verrät der Redakteur in einem großen Artikel zu Rockstars Crunch-Kultur. Und es sieht nicht gut aus:

Viele der grauenvollsten Geschichten, die von derzeitigen und ehemaligen Mitarbeitern erzählt wurden – Anekdoten über kaputte Beziehungen, Nervenzusammenbrüche und Alkoholmissbrauch auf der Arbeit – konnten wir nicht niederschreiben, ohne zu riskieren, dass die Personen identifiziert werden.

Anderes dagegen wird erzählt. Geschichten über einen Reinigungsservice, der sich um die Wäsche der Mitarbeiter zu Crunch-Zeiten kümmert – warum?

Manche Mitarbeiter haben sich unwohl deswegen gefühlt – hätten sie etwa nicht einmal mehr Zeit dafür, ihre eigene Wäsche zu waschen?

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Geschichten über eine Crunch-Arbeitskultur; ein Umfeld, das dir stets mit E-Mails, mit Blicken und auch über Aussagen deiner Vorgesetzten vermittelt, dass Überstunden erwartet werden. Dass es eine Ehre ist, für Rockstar Games zu arbeiten, und stets neue Mitarbeitern gefunden werden können – jeder ist ersetzbar:

 „Die Stimmung bei diesen Leute war immer: Es sollte ein Privileg sein, dieser Organisation zu dienen. Und wenn du dem nicht zustimmst, stehen sehr viele Leute in der Warteschlange, um deinen Platz einzunehmen.

Rockstar Games gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Spielestudios auf der Welt. Daran gibt es keinen Zweifel. Und warum sind ihre Spiele so gut? Natürlich, weil sehr viele Menschen sehr viel Herzblut in die Geschichten, Ideen, in das Design und alles andere gesteckt haben. Herzblut, Liebe und schlaflose Nächte. Der kreative Prozess kann oftmals schwer in einen 8-Stunden-Tag gepresst werden; doch heißt das, Mitarbeiter müssen mehr oder minder dazu ermuntert werden, die Arbeit kaum noch zu verlassen?

Uns sind die Spiele unglaublich wichtig … Es ist möglich, obsessiv wegen einiger Dinge zu werden.

Wie weit dürfen wir gehen? Rockstar Games ist nicht der einzige Spielekonzern auf der Welt, und auch nicht der einzige, dem jemals Crunch und Überstunden vorgeworfen wurden. Nehmen wir Filme, sind Überstunden am Set großer Hollywood-Produktionen oftmals Gang und Gebe. Ab wann jedoch wird ein System derart toxisch, dass Menschen erkranken? Oder Entscheidungen treffen, die ihnen nicht gut tun?

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Crunch und exzessive Überstunden führen in einigen Fällen zu mehr als nur Kopfschmerzen oder weniger Freizeit. Unter gewissen Bedingungen leiden viele unter Schlafstörungen, chronischer Müdigkeit, Depressionen bis hin zum Burnout. Mit anderen Worten: Sie werden arbeitsunfähig und müssen im schlimmsten Fall ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, angefangen von einer Psychotherapie bis zu Medikamenten, die sie durch den Tag bringen.

Wenn du wirklich Leidenschaft für ein Spiel empfindet und da (bei Rockstar) arbeitest, und du willst das über dein Leben stellen, dann ist es ein wirklich großartiger Ort. Aber wenn dir dein Leben wichtiger ist, ist es das nicht.

Leidenschaft ist eine Eigenschaft, die Leiden schafft – das wissen wir alle zu einem gewissen Grad. Aber vielleicht sollte das System in dem wir arbeiten diese Leidenschaft nicht noch bis zum letzte Quäntchen ausquetschen, sondern stattdessen auf uns aufpassen. Darauf, dass wir nicht zerquetscht werden.

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