Darum ist Red Dead Redemption 2 das neue Super Mario Bros.

Victor Redman

Die einen mögen Red Dead Redemption 2, die anderen nicht. Unser Autor sagt: Red Dead Redemption 2 ist das Spiel, an das wir in Zukunft denken werden, wenn wir von Videospielen reden. Warum, liest du hier.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein Meinungsartikel, der den Standpunkt unserer Redakteurin widerspiegelt und nicht zwingend der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen muss. Er erhebt keinen Anspruch auf eine universell gültige Wahrheit und deckt sich vielleicht nicht mit deinen eigenen Vorstellungen.

So gelang Red Dead Redemption der Sprung zum Indie-Darling zum Mega-Hit.

Mein Herz klopft. Ob es Arthur Morgan wohl genau so geht? Mit ihm, dem Helden von Red Dead Redemption 2, schleiche ich gerade um eine verfallene Berghütte herum, das Gewehr im Anschlag. Hier irgendwo, da bin ich mir inzwischen ganz sicher, hält sich ein Serienkiller versteckt, der den virtuellen wilden Westen unsicher macht. Ich bin jetzt schon eine gefühlte Ewigkeit hinter ihm her.

Oder vielleicht auch eine wirkliche Ewigkeit. Das wird mir allerdings erst klar, als am linken oberen Bildrand eine Botschaft aufleuchtet: Dualshock-Batterie fast leer. Was? So lang spiele ich noch gar nicht, oder? Ein Blick auf die Handy-Uhr belehrt mich eines Besseren: Es ist halb fünf am Morgen. Mein Ausflug in den wilden Westen dauert schon fast 6 Stunden an – und ich habe nichts davon bemerkt. Das ist mir noch nie passiert. Aber ich hatte auch noch nie ein Spiel wie dieses vor mir.

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Knapp zwei Monate alt und jetzt schon ein Klassiker

Bei den Video Game Awards musste Red Dead Redemption 2 sich im Kampf um den Titel Game of the Year dem Konkurrenten God of War geschlagen geben. Die Niederlage ließ mich ebenso überrascht wie ungläubig zurück; dem Siegeszug von Red Dead Redemption 2 wird sie aber keinen Abbruch tun. Ich glaube, Rockstar Games‘ Open-World-Western ist auf dem besten Wege, das neue Super Mario Bros. zu werden – das Spiel, an das wir in Zukunft instinktiv denken werden, wenn wir von Videospielen sprechen.

Das mag vielleicht überraschen, aber: Ich war eigentlich nie ein großer Western-Fan. Als ich klein war, lief Bonanza tagtäglich im Vorabendprogramm. Gesehen habe ich vielleicht eine halbe Folge. Auch die legendären Western von Clint Eastwood und John Wayne stehen nach wie vor auf meiner Watchlist, und zwar relativ weit unten. Den preisgekrönten ersten Teil von Red Dead Redemption habe ich in Ermangelung einer Playstation 3 nie gespielt.

Trotzdem ist es Red Dead Redemption 2 gelungen, mich von der ersten Minute an in seinen Bann zu ziehen – nicht wegen des Western-Settings, sondern wegen der spannenden Geschichte, den coolen Charakteren und natürlich der belebten Open World.

Kritiker betitelten das Spiel als Riding-Simulation. Lange Wegstrecken werden ebenso moniert wie mangelnde Schnellreise-Optionen. All zu oft wird aber unterschlagen, was auf diesen langen Wegstrecken so alles auf den Spieler wartet. Im Gegensatz zu anderen Spielen geht es in Red Dead Redemption nicht darum, möglichst schnell von einem Punkt zum anderen zu gelangen. Vielmehr geht es darum, die Welt zu erleben. Aufs Reiten konzentriere ich mich da höchstens, wenn ich wieder mal einer Horde Kopfgeldjäger entkommen muss.

Diese Geheimnisse aus Red Dead Redemption 2 kennst du sicher noch nicht.

Der wilde Westen lebt

Eigentlich willst du nur von einer Stadt in die nächste reiten, doch dann kommt alles anders. Am Wegesrand baumelt eine Leiche, aufgeknüpft an einem Baum. Da kannst du natürlich nicht einfach vorbei reiten. Also steigst du ab, um den Ort des Geschehenes näher unter die Lupe zu nehmen. Ganz blöde Idee! Plötzlich bist du umringt von halbnackten Psychos, die dich mit ihren Macheten filetieren wollen. Nachdem du dir mit deinem treuen Lancaster Repeater den Weg frei geschossen hast, stolperst du im nahe gelegenen Sumpf über riesige Alligatoren, die du einfach nicht ungejagt lassen kannst. Die Freude über die fette Beute ist allerdings von kurzer Dauer – schon ein paar Minuten später musst du sie gegen eine Bande von Wegelagerern verteidigen, die dich ausrauben wollen.

Diese Aufzählung könnte ich beliebig lange fortsetzen. Die Welt von Red Dead Redemption 2 ist nicht nur die belebteste Spielwelt, die ich bisher erkunden durfte, sondern auch die intelligenteste. Große, fast schon ausufernde Welten haben auch Spiele wie Far Cry 5 oder Zelda: Breath of the Wild. Auch sie verstehen es, die mit reichlich Inhalt zu füllen.

Hat man aber einmal alle Missionen an einem Ort entdeckt und durchgespielt, gibt es hier kaum einen Grund zur Wiederkehr. Ist das Kapitel in der Spielgeschichte abgehakt, stagnieren Orte und Charaktere. Man kehrt höchstens zurück, um sporadisch ein paar Items abzugreifen, die nur hier zu finden sind.

Ganz anders läuft das in Red Dead Redemption 2, wo Orte und Charaktere auf dich reagieren. Wenn ich hier jemanden anremple oder gar mit gezogener Waffe in den Saloon marschiere, hat das nachhaltige Konsequenzen. Diese Erfahrung musste ich gleich zu Spielbeginn machen:

Nach einer Prügelei mitten auf der Hauptstraße gelte ich im beschaulichen Städtchen Valentine plötzlich als gefährlicher Troublemaker. Und das lassen die Bewohner mich spüren. Ich werde kritisch beäugt, offen angefeindet, sogar aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Das macht es mir leichter, mich zu Überfallen und anderen Schandtaten zu entscheiden – frei nach dem Motto: „Ist der Ruf erst ruiniert …“ – aber mir bleiben auch Türen verschlossen.

Hinzu kommen Zufalls-Events, die immer wieder auch in bereits erkundeten Gebieten eintreten. So bleibt der virtuelle Western stets in Bewegung. Die Spielwelt zu erkunden wird nie langweilig. Selbst Locations, die im schon früh im Spielverlauf besucht werden, halten immer neue Überraschungen und Möglichkeiten bereit. Als Super Mario Bros. auf den Markt kam, war die Jagd nach Bestzeiten, Warp Zones und Geheimnissen der größte Suchtfaktor. Heute, in Red Dead Redemption 2, ist es die stets brennende Frage: Was wäre, wenn…?

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Nicht neu — aber zukunftsweisend

Zugegeben: Spannende Stories, gestalterische Freiheit und eine Fülle an Content – all das gab es auch in anderen Spielen schon. Genau so gab es aber auch vor Mario und Co. schon Spiele, in denen du rennen, springen und Gegner platt machen musstest. Was den Hype ausmachte, war die kreative Kombination und Präsentation des Vertrauten. Auf ganz ähnliche Art und Weise punktet heute Red Dead Redemption 2. Keine der dargebotenen Spielmechaniken ist überraschend neu, sie funktionieren und harmonieren aber so grandios, dass dadurch ein ganz neues Spielgefühl entsteht.

Red Dead Redemption 2 spielt sich wie ein Next-Gen-Game auf aktueller Hardware. Es setzt neue Maßstäbe, an denen sich in Zukunft nicht nur Open-World-Games, sondern vermutlich Videospiele im Allgemeinen messen lassen müssen. Sie werden es nicht leicht haben im Duell mit Arthur Morgan.

Wie gut kennst Du die Red-Dead-Reihe?

Rockstar Games hat endlich das heiß ersehnte Red Dead Redemption 2 angekündigt. Zeit für Dich, einen Blick auf die beiden ersten Ableger der „Red Dead“-Reihe zu werfen und herauszufinden, ob Du das Zeug zu einem wahren Revolverhelden hast!

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