Red Dead Redemption 2 angespielt: Die nächste Generation der Open World

Alexander Gehlsdorf

Für Red Dead Redemption 2 verspricht Rockstar Games nichts Geringeres, als die nächste Generation der Open-Word-Spiele zu definieren. Ob das klappen kann, durften wir uns bereits für zwei Stunden ansehen.

Red Dead Redemption 2: Das offizielle Gameplay-Video.

Keine sechs Wochen mehr, dann soll Red Dead Redemption 2 schon im Laden stehen. Wirklich viel zu sehen gab es von dem Werstern-Epos bisher jedoch nicht. Jedenfalls nicht der Öffentlichkeit, denn hinter verschlossenen Türen durfte ich in der Begleitung einiger Kollegen bereits Hand anlegen.

Wie bereits bekannt, setzt die Handlung 1899, also zwölf Jahre vor dem „Vorgänger“ an. Im Mittelpunkt steht diesmal nicht Rauhbein John Marston sondern der Revolverheld Arthur Morgan, der als Mitglied der Van-der-Linde-Gang sein Brot als Gesetzesbrecher verdient und sich auf diesem Weg natürlich auch eine Menge Schwierigkeiten eingebrockt hat. Das soll sich allerdings ändern — bevor die Gang jedoch einer glücklichen Zukunft entgegenblicken kann, steht noch ein selbstverständlich definitiv allerletzter Überfall auf einen Zug an.

Gemeinsam mit dem Rest der Bande machen wir uns also auf, den eisernen Kohlefresser abzufangen. Natürlich kommt es, wie es kommen muss: Der Plan, die Schienen unter dem Zug zu sprengen, scheitert, stattdessen bleibt nur ein beherzter Sprung auf das Dach eines Waggons, um die Lok letztlich zum Anhalten zu überreden.

Auf dem Weg nach vorne müssen jedoch zuerst eine Handvoll Widersacher mit einer Ladung Blei im Kopf dazu bewegt werden, beiseite zu treten. In solchen Momenten beweist sich erneut das aus dem Vorgänger bekannte Dead-Eye-System als besonders nützlich, das es dem Spieler erlaubt, in Zeitlupe mehrere Gegner aufs Korn zu nehmen.

Wenige Minuten später steht der Zug, meine Bandenmitglieder nehmen den Waggons großzügig ihre wertvolle Last ab und ich muss eine Entscheidung treffen: Lass ich die überlebenden Zivilisten laufen oder entledige ich mich der lästigen Zeugen? Beides ist möglich und beides hat Konsequenzen, denn in Red Dead Redemption 2 ist die Interaktion mit der Umwelt und anderen Charakteren zentraler denn je.

Nicht nur die Fäuste sprechen lassen

Besonders in der Open World, also außerhalb der Missionen, spielt Kommunikation eine tragende Rolle. Ein kurzer Rückblick: In den älteren Rockstar-Spielen, etwa GTA: Vice City, bestand die primäre Form der Interaktionen mit der Umwelt in ausgeteilten Schlägen oder abgeschossenen Kugeln. Wird mit dem Fadenkreuz auf einen NPC gezielt, hebt dieser seine Hände, ergreift die Flucht oder setzt sich zur Wehr. Red Dead Redemption 2 will hingegen einen anderen Weg gehen.

Auch in Rockstars neuem Open-World-Epos kannst du andere Charaktere anvisieren, allerdings musst du dafür keine Waffe ziehen. Stattdessen kannst du deinen Gegenüber grüßen, einschüchtern, beleidigen oder auch ausrauben — letzteres idealerweise natürlich mit gezogener Waffe. Auch Konfrontationen mit verfeindeten Gang-Mitgliedern müssen dadurch nicht zwingend im Blutbad enden. Ein paar beschwichtigenden Worte und ein schnelles Pferd reichen manchmal schon aus, um aus der unangenehmen Situation zu entkommen.

Ob Morgan ein höflicher Reiter oder blutrünstiger Postkutschenräuber ist, hat auch langfristige Auswirkungen, denn deine Aktionen beeinflussen deinen Ruf in der Spielwelt. Selbst gestandene Revolverhelden könnten bei der ersten Einschüchterung deinerseits die Flucht ergreifen, wenn dich deine bisherigen Taten als skrupellosen Mörder bekannt gemacht haben. Dem gegenüber ergeben sich lukrative Gesprächsoptionen, wenn dir dein guter Ruf bis in die nächste Stadt voraus eilt.

Allerdings wirken sich nicht nur deine Taten auf die Spielwelt aus, sondern auch die Zeit. Wer etwa auf die Jagd geht und das tote Tier im Anschluss in die nächste Stadt bringt, sollte sich beeilen. Vergammeltes Fleisch wirft schließlich nur noch wenig oder gar kein Geld mehr ab. Angehende Jäger sollten sich außerdem über die richtige Waffe und das Einschussloch Gedanken machen. Niemand beißt gern auf Schrotpatronen, mit dem Bogen erlegte Tiere werfen daher mehr ab. Wer hingegen Fälle verkaufen möchte, sollte auf den Kopf des Tieres zielen, sonst ist am Schluss ein unschönes Loch im Bettvorleger.

Nahtlose Open World

Wer schon einmal Grand Theft Auto gespielt hat, kennt das: Das Spiel ist relativ sauber in die Open World und die Missionen geteilt. Als Übergang dienen Zwischensequenzen und Ladebildschirme. Hier setzt Red Dead Redemption 2 einen Akzent, denn die gesamte Spielerfahrung scheint diesmal wie aus einem Guss zu stammen.

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So eindrucksvoll sehen die Orte und Städte in Red Dead Redemption 2 aus.

So ist im Lager der Van-der-Linde-Gang etwa ein gegnerisches Bandenmitglied an einen Baum gefesselt. Sprichst du diesen an verleihen zwei schwarze Balken am oben und unteren Bildrand dem Geschehen zwar einen cineastischen Anstrich, das Spiel selbst wird jedoch nie durch Ladebildschirme oder Videosequenzen unterbrochen.

Am Ende des Gesprächs, in dem dein Gesprächspartner die Postionen eines gegnerischen Anführers offenbart, satteln deine Kumpanen selbstständig ihre Pferde und reiten zum Zielort. Alternativ hättest du mit dem Gespräch auch warten können und die Mission stattdessen nachts absolvieren können. Oder in einem stürmischen Regen.

Auf dem Weg zum Zielort kannst du — wie übrigens im gesamten Spiel — in einen Cinematic Mode wechseln, der das Spielgeschehen stets wie einen waschechten Western inszeniert, dabei aber trotzdem interaktiv bleibt. Das sieht schick aus, lohnt sich aber faktisch nur bei simplen Aktionen wie dem Reiten von A nach B. Spätestens bei der ersten Schießerei ist der klassische Blick über die Schulter ohne Frage die bessere Wahl — oder auch die Ego-Perspektive, die wie in der Neuauflage von GTA 5 ebenfalls wieder mit von der Partie ist.

Das Glück der Erde…

Apropos Reiten: Dein Pferd ist kein bloßes Vehikel, sondern ein lebendes Wesen. Es reagiert auf Schüsse, Raubtiere, wird müde und muss vieles erst lernen. Dementsprechend lohnt es sich, viel Zeit mit deinem Gaul zu verbringen, um Vertrauen aufzubauen. So sind nach einiger Zeit auch Manöver wie eine Kehrtwende, seitlicher Galopp oder auch Dressurreiten möglich. Weiterhin dient dein Pferd als erweitertes Inventar, denn Arthur Morgan selbst kann nur so viel tragen, wie auf seine eigenen Schultern passt. Vorbei ist die Zeit, in der in jede Hosentasche noch ein Raketenwerfer gepasst hat. Wenn du in Red Dead Redemption 2 eine Waffe dabei hast, ist sie auch deutlich am Körper der Spielfigur zu sehen.

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Wer hingegen nicht gern durch die Weiten der Prärie reitet, darf auch Schnellreisen, doch dieses Privileg will erst verdient werden. Bekanntlich wohnt die Van-der-Linde-Gang gemeinsam in einem Camp, das natürlich instand gehalten werden muss. Glückliche Camp-Bewohner lassen schließlich auch gern den ein oder anderen Dollar in der Kaffeekasse, wodurch Upgrades wie etwa das Schnellreisen ermöglicht werden. Außerdem ist ein gut ausgestattetes Camp auch eine praktische Möglichkeit, Arthur Morgen mit frischer Munition und Arznei zu versorgen.

Wer sein Camp hingegen der Verwahrlosung überlässt, muss mit unzufrieden Mitbewohner rechnen, die dem idyllischen Landleben schließlich auch den Rücken kehren und sich ihre Zeit lieber in der Stadt vertreiben. Schließlich ist Red Dead Redemption 2 eine lebendige Welt, die sich zwar nicht nur um dich dreht, auf die du mit deinen Entscheidungen aber durchaus einen großen Einfluss nehmen kannst.

Probier es doch einfach aus, wenn das Spiel am 26. Oktober 2018 für die PlayStation 4 und die Xbox One erscheint.

Wie gut kennst Du die Red-Dead-Reihe?

Rockstar Games hat endlich das heiß ersehnte Red Dead Redemption 2 angekündigt. Zeit für Dich, einen Blick auf die beiden ersten Ableger der „Red Dead“-Reihe zu werfen und herauszufinden, ob Du das Zeug zu einem wahren Revolverhelden hast!

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